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Fortress Obrovac, Kroatien - August 2016

Kroatien 2016 – 09. August – Der erste Lost Place & Winnetou

In der zweiten Nacht begnügt sich mein Körper mit sagenhaften 9,5 Stunden Schlaf. Die gestrige Kohlenhydrat-Völlerei ruft das schlechte Gewissen auf den Plan – in Ermangelung einer Joggingstrecke muss ich den angefressenen Fettpölsterchen mit einer Runde Schwimmen im Meer zu Leibe rücken.

Die Frau versucht sich im Laufen, findet aber auch keinen Laufweg, die einzige Möglichkeit verläuft direkt auf (!) der Fahrbahn der berühmt berüchtigten Jadranska Magistrale, in jedem Fall ein Himmelfahrtskommando und eigentlich nur jedem zu empfehlen, der mit seinem Leben abgeschlossen hat.

Etwas verspätet entern wir das Frühstücksbuffet und werden mit einem Gruß aus der Küche überrascht. Eigentlich handelt es sich bei dem nett angerichteten Teller um simples Rührei mit Speck, jedoch ist die Ausarbeitung dessen perfekt, und die Köchin freut sich sichtlich, uns damit zu überraschen. Wie bereits erwähnt, in einem 15-Zimmer Hotel ist alles etwas familiärer. 🙂

Endlich, die ersten Geocaches

Die Tagesplanung ist wie immer spontan, wir entschließen uns für unsere erste Cachingtour in diesem Urlaub. Insgesamt vier besondere Plätze, allesamt im kroatischen Hinterland liegen vor uns.

Fortress Obrovac, Kroatien - August 2016

Sehr filigran, hab’s lieber mal festgehalten!

Die Tour beginnt mit dem beschaulichen Örtchen Obrovac. Obrovac liegt im Canyon des Flusses Zrmanja und blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Oben auf dem Berg bietet die Ruine einer alten Festung einen traumhaften Panoramablick und beherbergt zugleich den ersten Geocache unserer Reise.

Obrovac selbst ist ein verschlafener Flecken Erde, Touristen findet man kaum, lediglich Kanufahrer passieren den Ort mit stoischer Regelmäßigkeit. Auch jetzt merkt man dem Ort noch an, dass auch dort vor 20 Jahren noch erbitterter Krieg herrschte.

Danach geht die Fahrt weiter nach Zaton Obrovački. Von dort aus führt eine vier Kilometer lange, zweieinhalb Meter breite Stichstraße zu einem atemberaubenden Lost Place direkt am Fluss Zrmanja (Ich lade später noch ein Video von der Fahrt zum Lost Place hoch, hatte bisher noch keine Zeit zur Bearbeitung).  Bei dem Gebäude handelt es sich um ein verlassenes Wasserwerk. Absperrungen am Objekt gibt es keine, obwohl dort Gruben bis 20 Meter Tiefe ungesichert und nahezu unsichtbar vorzufinden sind. Ich kraxle wild drauflos, wir schießen viele Bilder und sammeln Eindrücke die kaum ein anderer Kroatien-Tourist je zu Gesicht bekommen wird.

Auf zum Rio Pecos

Zrmanja Plateau, Winnetou, Kroatien - August 2016

Gern genommener Winnetou-Drehort, et voilá: Rio Pecos, Mechiko!

Das nächste Ziel steht ganz im Zeichen von Winnetou und Old Shatterhand. Das Thermometer zeigt 34 Grad im Schatten und wir parken den Skoda in der kroatischen Einöde, um uns auf einen Fussmarsch zum Zrmanja Plateau zu machen. Schatten gibt es dort in Ermangelung von Bäumen keinen. Das Zrmanja Plateau ist der berühmteste Drehort der Karl May Filme und ein absolut beeindruckender Flecken Erde. Einerseits ist man sofort 50 Jahre in der Zeit zurückversetzt, zum anderen erinnert die wüstengleiche, felsige Vegetation eher an den Grand Canyon als an Dalmatien. Den dort versteckten Cache finden wir leider nicht, stattdessen belegen nach unserem Besuch gut 100 neue Fotos Platz auf der Speicherkarte unserer Kamera. Patschnass geschwitzt und um unvergessliche Eindrücke reicher starten wir gut eine Stunde später erneut den Reisewagen, das Navi auf „Novigrad“ programmiert.

In Novigrad angekommen parken wir das Auto nach einigen unmotivierten Versuchen von Carlos (unser Navi-Ansager), uns in die Irre zu führen, in einem Wohngebiet am Fuße des Novigrad Fortress. Selbiges ist trotz Hauptsaison menschenleer. Der Grund scheint wie immer der gleiche zu sein: Die Kroaten verfügen über unzählige Burg- und Festungsruinen. Was für die Einheimischen anscheinend nichts besonderes zu sein scheint, ist für uns Lost Places Fans ein Eldorado! So nutzen wir die Einsamkeit und erklimmen ohne Touristenstrom den Berg von Novigrad. Mir gehen langsam die Superlative aus, aber auch diese Festung ist groß, in vielen Teilen nachvollziehbar erhalten, und bietet einen traumhaften Blick. Auch dort wäre ein Geocache versteckt, wir müssten dazu 20 Meter nach unten klettern. Unser körperliches Befinden und die Tatsache dass bei 35 Grad unser Kreislauf wohl im Auto geblieben ist, beschließen wir dass uns Ausblick und Location Geschenk genug sind. Ein Cachelog weniger auf unserer Liste, aber die Eindrücke bleiben.

Novigrad, Sibenik, Kroatien - August 2016

Panoramablick vom Novigrad Fortress

Da langsam aber sicher die eigentlich ausreichend geplanten Getränkereserven zur Neige gehen, treten wir den Rückzug ins Hotel an, schwimmen nochmals ausgiebig im Meer und speichern etwas Sonne im Körper.

Schlechtes Essen gab’s auch

Das Abendessen muss extra erwähnt werden: In einem tags zuvor entdeckten Restaurant gibt es für mich erneut gebackene Calamari, die Frau entscheidet sich für Spaghetti Milanese. Beides ist derart fürchterlich dass ich lange überlegen muss, ob ich überhaupt Trinkgeld gebe. Da der Kellner nichts dafür kann, was der Koch verbricht, ich aber trotzdem ein Exempel statuieren möchte, verbleiben nur 5 Knoten (umgerechnet ca. 80 Cent) in der Rechnungsmappe.

Mittlerweile zeigt die Uhr 21:08, ich sitze auf der Hotelterrasse, trinke ein eiskaltes Karlovačko, tippe diesen Bericht und lasse mich im Sekundentakt von diesen ekelhaften Moskitos stechen. Langsam sollte ich eine Hochrechnung beginnen, ob die Tube Fenistil bis zum Urlaubsende reicht!

Bilder des Tages