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Fortress Obrovac, Kroatien - August 2016

Kroatien 2016 – 09. August – Der erste Lost Place & Winnetou

In der zweiten Nacht begnügt sich mein Körper mit sagenhaften 9,5 Stunden Schlaf. Die gestrige Kohlenhydrat-Völlerei ruft das schlechte Gewissen auf den Plan – in Ermangelung einer Joggingstrecke muss ich den angefressenen Fettpölsterchen mit einer Runde Schwimmen im Meer zu Leibe rücken.

Die Frau versucht sich im Laufen, findet aber auch keinen Laufweg, die einzige Möglichkeit verläuft direkt auf (!) der Fahrbahn der berühmt berüchtigten Jadranska Magistrale, in jedem Fall ein Himmelfahrtskommando und eigentlich nur jedem zu empfehlen, der mit seinem Leben abgeschlossen hat.

Etwas verspätet entern wir das Frühstücksbuffet und werden mit einem Gruß aus der Küche überrascht. Eigentlich handelt es sich bei dem nett angerichteten Teller um simples Rührei mit Speck, jedoch ist die Ausarbeitung dessen perfekt, und die Köchin freut sich sichtlich, uns damit zu überraschen. Wie bereits erwähnt, in einem 15-Zimmer Hotel ist alles etwas familiärer. 🙂

Endlich, die ersten Geocaches

Die Tagesplanung ist wie immer spontan, wir entschließen uns für unsere erste Cachingtour in diesem Urlaub. Insgesamt vier besondere Plätze, allesamt im kroatischen Hinterland liegen vor uns.

Fortress Obrovac, Kroatien - August 2016

Sehr filigran, hab’s lieber mal festgehalten!

Die Tour beginnt mit dem beschaulichen Örtchen Obrovac. Obrovac liegt im Canyon des Flusses Zrmanja und blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Oben auf dem Berg bietet die Ruine einer alten Festung einen traumhaften Panoramablick und beherbergt zugleich den ersten Geocache unserer Reise.

Obrovac selbst ist ein verschlafener Flecken Erde, Touristen findet man kaum, lediglich Kanufahrer passieren den Ort mit stoischer Regelmäßigkeit. Auch jetzt merkt man dem Ort noch an, dass auch dort vor 20 Jahren noch erbitterter Krieg herrschte.

Danach geht die Fahrt weiter nach Zaton Obrovački. Von dort aus führt eine vier Kilometer lange, zweieinhalb Meter breite Stichstraße zu einem atemberaubenden Lost Place direkt am Fluss Zrmanja (Ich lade später noch ein Video von der Fahrt zum Lost Place hoch, hatte bisher noch keine Zeit zur Bearbeitung).  Bei dem Gebäude handelt es sich um ein verlassenes Wasserwerk. Absperrungen am Objekt gibt es keine, obwohl dort Gruben bis 20 Meter Tiefe ungesichert und nahezu unsichtbar vorzufinden sind. Ich kraxle wild drauflos, wir schießen viele Bilder und sammeln Eindrücke die kaum ein anderer Kroatien-Tourist je zu Gesicht bekommen wird.

Auf zum Rio Pecos

Zrmanja Plateau, Winnetou, Kroatien - August 2016

Gern genommener Winnetou-Drehort, et voilá: Rio Pecos, Mechiko!

Das nächste Ziel steht ganz im Zeichen von Winnetou und Old Shatterhand. Das Thermometer zeigt 34 Grad im Schatten und wir parken den Skoda in der kroatischen Einöde, um uns auf einen Fussmarsch zum Zrmanja Plateau zu machen. Schatten gibt es dort in Ermangelung von Bäumen keinen. Das Zrmanja Plateau ist der berühmteste Drehort der Karl May Filme und ein absolut beeindruckender Flecken Erde. Einerseits ist man sofort 50 Jahre in der Zeit zurückversetzt, zum anderen erinnert die wüstengleiche, felsige Vegetation eher an den Grand Canyon als an Dalmatien. Den dort versteckten Cache finden wir leider nicht, stattdessen belegen nach unserem Besuch gut 100 neue Fotos Platz auf der Speicherkarte unserer Kamera. Patschnass geschwitzt und um unvergessliche Eindrücke reicher starten wir gut eine Stunde später erneut den Reisewagen, das Navi auf „Novigrad“ programmiert.

In Novigrad angekommen parken wir das Auto nach einigen unmotivierten Versuchen von Carlos (unser Navi-Ansager), uns in die Irre zu führen, in einem Wohngebiet am Fuße des Novigrad Fortress. Selbiges ist trotz Hauptsaison menschenleer. Der Grund scheint wie immer der gleiche zu sein: Die Kroaten verfügen über unzählige Burg- und Festungsruinen. Was für die Einheimischen anscheinend nichts besonderes zu sein scheint, ist für uns Lost Places Fans ein Eldorado! So nutzen wir die Einsamkeit und erklimmen ohne Touristenstrom den Berg von Novigrad. Mir gehen langsam die Superlative aus, aber auch diese Festung ist groß, in vielen Teilen nachvollziehbar erhalten, und bietet einen traumhaften Blick. Auch dort wäre ein Geocache versteckt, wir müssten dazu 20 Meter nach unten klettern. Unser körperliches Befinden und die Tatsache dass bei 35 Grad unser Kreislauf wohl im Auto geblieben ist, beschließen wir dass uns Ausblick und Location Geschenk genug sind. Ein Cachelog weniger auf unserer Liste, aber die Eindrücke bleiben.

Novigrad, Sibenik, Kroatien - August 2016

Panoramablick vom Novigrad Fortress

Da langsam aber sicher die eigentlich ausreichend geplanten Getränkereserven zur Neige gehen, treten wir den Rückzug ins Hotel an, schwimmen nochmals ausgiebig im Meer und speichern etwas Sonne im Körper.

Schlechtes Essen gab’s auch

Das Abendessen muss extra erwähnt werden: In einem tags zuvor entdeckten Restaurant gibt es für mich erneut gebackene Calamari, die Frau entscheidet sich für Spaghetti Milanese. Beides ist derart fürchterlich dass ich lange überlegen muss, ob ich überhaupt Trinkgeld gebe. Da der Kellner nichts dafür kann, was der Koch verbricht, ich aber trotzdem ein Exempel statuieren möchte, verbleiben nur 5 Knoten (umgerechnet ca. 80 Cent) in der Rechnungsmappe.

Mittlerweile zeigt die Uhr 21:08, ich sitze auf der Hotelterrasse, trinke ein eiskaltes Karlovačko, tippe diesen Bericht und lasse mich im Sekundentakt von diesen ekelhaften Moskitos stechen. Langsam sollte ich eine Hochrechnung beginnen, ob die Tube Fenistil bis zum Urlaubsende reicht!

Bilder des Tages

Ufersteg, Chiemsee, Januar 2016

Das Bayerische Meer – Kurzurlaub am Chiemsee

chiemsee-01-2016Es ist immer das Gleiche! Man fährt in den Urlaub, macht Hunderte Bilder, schwört sich schon vor der Abreise, die Urlaubserlebnisse niederzuschreiben und im Blog zu veröffentlichen, und was passiert? Richtig – Erstmal ganz lange nichts! 🙂

Nun, genau 4 Monate liegt der Kurzurlaub an den Chiemsee mittlerweile zurück, letzte Woche habe ich dann wenigstens mal die Fotos von der Kamera aufs Laptop überspielt. Grund genug, Euch noch an den drei interessanten Urlaubstagen teilhaben zu lassen, zumindest in Kurzform – um hier überhaupt mal wieder ein Lebenszeichen von mir zu geben, und um ein paar Bilder in die Weiten des Internet zu streuen. Also, folgendes hat sich an den letzten Januartagen des Jahres 2016 im beschaulichen Südbayern zugetragen…

Tag 1 – Anreise, Chiemsee & Wassermühle

Nach einer kurzen Anreise (von Nürnberg zum Chiemsee ist es nicht wirklich weit) wurde erstmal das Basislager bezogen. Die Wahl fiel auf das Hotel Farbinger Hof in Bernau, dank HRS ein ***S-Schnäppchen. Im Hotelzimmer angekommen wurden erstmal die interessantesten Geocaches lokalisiert, für die folgenden Tage war die Besichtigung einiger Lost Places geplant, idealerweise in Verbindung mit kniffligen Geocaches.

Ufersteg, Chiemsee, Januar 2016

Chiemsee. In Schwarzweiß. Eigentlich ist er blau.

Als erstes ging es direkt zum Chiemsee, ins Wasser gucken. Das Wetter war uns nicht wohlgesonnen, abgesehen von den Temperaturen hingen die Wolken tief, es wollte nicht einmal richtig hell werden. Von optimalen Fotobedingungen waren wir so weit entfernt wie vom Nordkap. Kaum vorstellbar dass dieser Ort in den Sommermonaten DER Urlaubs- und Party-Hotspot am Chiemsee sein soll…

Das ein oder andere Bild vom Chiemsee-Ufer fand doch seinen Weg auf die Kamera, der Großteil davon jedoch nicht wirklich aussagekräftig und die eben beschriebenen Wetterbedingungen widerspiegelnd. Den am Ufer versteckten Geocache haben wir nicht gefunden, genau so wenig den im Vereinsheim des Segelclubs. Vielleicht hat ja so ein Cache auch Saison…

Geocache in verlassener Wassermühle

Winziger Einstieg: Gut wenn man seinen Minion dabei hat.

Da im Januar die Tage kurz sind, und die Uhr schon Richtung 1600 zeigte, machten wir uns auf den Weg zum nächsten Cache, der zugleich als Lost Place angekündigt wurde. Tatsächlich handelt es sich dabei um eine verlassene und nicht mehr genutzte Wassermühle – mittlerweile in einem fragwürdigen Zustand. Nach Erreichen des baufälligen Gebäudes habe ich kurzfristig in den Zustand „Mimose“ gewechselt, weshalb die Conny die Ehrenrettung in die Hand nahm, durch die Zuflussöffnung in die Mühle gekrabbelt ist, und dort unter dem Dachstuhl erfolgreich den Cache ausfindig machen konnte.

Da sich die Suche etwas hingezogen hatte (wir hatten den Cache außen vermutet, und mussten dann erst knobeln, wer innen sucht), verschwand der Tag, und die Dämmerung begleitete uns in die Nacht. Die Szenerie war gefühlt gespenstisch, in etwa so wie in den französischen Horrorfilmen, kurz bevor der einsiedelnde Bauer mit der Sense ums Eck kommt, um jegliche Eindringlinge zu Mett zu verarbeiten. Im Nachhinein ein schönes Bild:

Dunkel. Einsam. Schaurig. Schön.

Dunkel. Einsam. Schaurig. Schön.

Zurück im Hotel waren all unsere Tetris-Kenntnisse der Kindheit gefragt, um die gustiösen Speisen passgerecht im Magen zu platzieren. Fazit: Essen saulecker, aber wer keine Speisen aus Zeiten in denen noch alles mit Schmalz ausgebacken wird, gewöhnt ist, dessen Körper hat seine liebe Not, das eingeflöste Mahl zu verarbeiten. Junge Junge…

Tag 2 – Lost (and found)

Der zweite Tag stand im Zeichen des Hotel Geiger in Berchtesgaden, ein Lost Place Leckerbissen der Kategorie „Verlassenes Hotel“. Um das Haupt-Event herum wollten wir noch einige andere Lost Places besichtigen und dabei gleich ein paar weitere Caches loggen.

Kurmittelhaus Becker - Bayerisch Gmain - Januar 2016

Ich kaufe ein L und ein H und möchte lösen!

Gefreut haben wir uns auf unseren ersten Anlaufpunkt, das Kurmittelhaus Becker in Bayerisch Gmain. Das ehemalige Kurhaus steht prominent mitten im Ort und ist mittlerweile durch Bauzäune hermetisch abgeriegelt. Gut, wir hätten einen Zugang gefunden, damit wären wir auch mit ziemlicher Sicherheit problemlos ins Innere des Gebäudes gelangt, aber wie erwähnt ist die Lage der Immobilie wirklich prominent. Nackt durch die Nürnberger Innenstadt laufen wäre wohl unauffälliger. Also haben wir es bei einer ausführlichen Aussenbesichtigung belassen, Fotos aus dem Inneren des Gebäudes sind ja dank anderer Urbexer mittlerweile bekannt – Hier gibt es bspw. mehr Bilder.
Es ist fraglich wie lange das Gebäude noch steht, eine Rettung ist wohl ausgeschlossen. Angeblich soll das Kurgebäude einer Wohnanlage weichen.

Bad Reichenhall - Panoramablick vom Schroffen

Reichenhall. Gar nicht mal so schön.

Weiter ging die Fahrt ins nahe Bad Reichenhall zum ehemaligen Gasthof Schroffen. Ebenfalls als Lost Place ausgewiesen und mit einem Geocache versehen, mussten wir dem Schroffen natürlich einen Besuch abstatten. Den Cache haben wir trotz 30-minütiger, intensiver Suche nicht gefunden, der verlassene Gasthof hat uns dafür mit einem tollen Blick über Bad Reichenhall entschädigt. Der Schroffen selbst ist gar nicht mehr so „Lost“ wie noch vor einigen Monaten. Der Gebäudekomplex wurde mittlerweile zu einer Flüchtlingsunterkunft umgebaut. Die vorbereitenden Arbeiten schienen abgeschlossen zu sein, bezogen war das Objekt noch nicht. Stattdessen gibt es omnipräsente Hinweise, dass Hausfriedensbruch nach StGB bestraft wird, und ein Betreten strengstens verboten sei. Zudem war eine Kameraüberwachung installiert – die Objektschützer waren also zumindest gut unterhalten, während wir erfolglos nach dem Cache gesucht haben. Bilder vom Gasthaus und den Nebengebäuden findet Ihr u.a. hier.

Hotel Geiger - Berchtesgaden - Januar 2016

Das erste Hotel am Platz. Damals. Ehrlich!

Zurück im Auto wurde das Navi auf Berchtesgaden programmiert, schnurstracks, und ohne große Erwartungen ging die Fahrt in Richtung Hotel Geiger. Nachdem wir in Ermangelung eines Parkplatzes bereits drei Mal am Hotel vorbeigefahren waren, bot sich auf dem Parkplatz der Polizeiinspektion Berchtesgaden (übrigens ein tolles historisches Gebäude) eine adäquate Haltemöglichkeit. Von dort aus sind es gut 5 Minuten Fußweg bis zum ehemaligen Hotel Geiger. Selbiges hat übrigens einen eigenen, sehr ausführlichen Wikipedia-Artikel, in der die Geschichte und architekturgeschichtliche Bedeutung detailliert erläutert wird. Darum von mir nur die „Hard facts“: Eröffnet 1866, geschlossen 1997, der ehemalige Betreiber verbaut jetzt Kühlanlagen auf Bohrplattformen, die Gästeliste des Etablissements umfasst Persönlichkeiten wie Thomas Mann, John F. Kennedy, Elvis Presley, The BeeGees und Fürst Albert von Monaco, um nur einige zu nennen.

Hotel Geiger Berchtesgaden Januar 2016

Warum liegt hier eigentlich Stroh?

Wie der Großteil interessanter Lost Places ist leider auch das Hotel Geiger von dummdreistem Vandalismus geprägt. Hinzu kommt eine erweiterte Baufälligkeit des Gebäudes. Zwar sind alle Zugänge offen, auf eine Besichtigung der oberen Etagen haben wir jedoch verzichtet. Zum Einen ist es immer lästig, wenn man sich sämtliche Fluchtwege abschneidet, In flagranti erwischt wird und in Erklärungsnot kommt, zum Anderen hatten wir schlichtweg Bedenken, bei einem unüberlegten Schritt durch die Decke zu brechen. Trotzdem sind viele einmalige Bilder entstanden, und die gewonnenen Eindrücke nimmt mir maximal eine Amnesie oder eine Demenz. Weitere Bilder zum Hotel Geiger findet Ihr über Google oder bspw. auf bgland24.de.

Im Anschluss wollten wir noch die Erholungsmöglichkeiten des Hotels in Anspruch nehmen und haben den kontrollierten Rückzug angetreten. Ganz langweilig über die Autobahn A8, gewürzt mit einem kurzen Halt am Autobahnparkplatz „Chiemsee“. Ich bin bestimmt schon 50x dort vorbeigefahren und hatte nie die Zeit oder die Muse, dort rauszufahren. Mei, man sieht den Chiemsee, das Wasser reicht bis an die Mauer des Parkplatzes heran, bei Hochwasser gerne auch mal darüber hinaus.

Autobahn A8 - Parkplatz Chiemsee

Der Chiemsee von der Autobahn aus gesehen – mit renitenten Möwen!

Tag 3 – Northbound

Der dritte und zugleich unser Abreisetag ist schnell erzählt. Am letzten Urlaubstag packt mich das Heimweh, das bin ich so gewöhnt. Der letzte Tag dient in den Neumeierschen Reiseverläufen immer der Rückreise. Da frühstückt man, setzt sich ins Auto und fährt heim – wenn das eigentlich nur drei Stunden dauert ist das komisch, ich bin aber dann trotzdem nicht mehr in Ausflugs- oder Sightseeing-Stimmung. Ein Kurzbesuch in diversen Outlets (wir haben unter anderem ca. 6 Kilo Schokolade im Lindt-Outlet gekauft, mit der Abarbeitung dessen kämpfe ich immer noch) und eine katastrophale Verkehrssituation haben die Rückfahrt dann trotzdem zu einem 6-stündigen Erlebnis gemacht. Ein paar Caches konnten wir auch noch erfolgreich loggen – in einem verlassenen Wald haben wir ein altes Hexenhaus gefunden, und kurz vor daheim noch einen Holzkasten an einem Baum, in dem Travelbugs und weitere Memorabilien getauscht werden können.

Alles in Allem war die Reise ans Bayerische Meer eine ereignisreiche Kurzreise, und hat mir gezeigt, dass man die Region um den Chiemsee definitiv auch mal im Sommer anschauen muss.

Kroatien Tag 7 – 06.06.0215 Strand

Einleitend ein paar Worte in eigenem Interesse: Auf der Festplatte dümpeln noch immer die letzten Reiseberichte unseres diesjährigen Kroatien-Urlaubes. Die kalten Monate hier in Deutschland lassen ein leises Fernweh aufkommen, mit ein Grund, weshalb ich über die noch unveröffentlichten Texte und Bilder gestolpert bin. Übrigens habe ich vor einigen Tagen die Bilder in Tag 6 – Plitvicer Seen und Motel Vratnik eingefügt, schaut also dort ruhig mal rein. Weiter geht es mit Tag 7.

Dolce Vita bei 34° im Schatten

Dolce Vita bei 34° im Schatten

Den letzten vollen Tag unserer diesjährigen Kroatientour wollen wir ganz der Erholung widmen. Nach 6 aktiven Tagen und ständigem Muskelkater in den Beinen ist der Strand ein Quell der Ruhe. Mit entsprechendem Müßiggang ausgestattet beginnt der Tag um 8:14 Uhr, nach dem Frühstück pilgere ich direkt ans dreißig Meter entfernte Meer, die Dame zieht einen vormittäglichen Bummel in unserer Ferienmetropole vor und organisiert einige Souvenirs.

Nachdem unser Duo wieder komplett ist, verbringen wir die folgenden Stunden abwechselnd im Wasser, zum Trocknen in der Sonne und die restliche Zeit im Schatten, da sich wolkenlose 34 Grad immer noch mörderisch anfühlen. So ganz ohne Aktion geht es dann doch nicht und wir werfen noch einige Blicke auf die diesjährige Alpe Adria Jet Ski Tour, die heute verbunden mit einem ohrenbetäubenden Lärm ihre Qualifying Sessions absolviert.

Doch kein Lost Place, sondern ein 2* Hotel

Doch kein Lost Place, sondern ein 2* Hotel

Zurück im Hotelzimmer stellen wir fest dass das vermeintlich leerstehende Hotel rechts neben uns doch kein Lost Place ist. Heute stehen plötzlich Balkontüren offen und Leute sitzen draußen. Es lässt mir keine Ruhe und ich laufe einmal um besagtes Gebäude um ein Schild zu finden. Tatsächlich handelt es sich um die 2-Sterne Zimmer-Dependance des Hotel Lisanj. Abgesehen davon dass man diese Räumlichkeiten bei keinem deutschen Reisanbieter direkt buchen kann würde mich brennend interessieren, wie dort die Zimmerpreise sind.

Abends geht es ein letztes Mal in die Pizzeria Nava, in der ich von den Österreichern am Nachbartisch noch eine Lektion fürs Leben lerne: Die Austrianer verstehen unter einem „Bussi-Aua“ die Schmerzlinderung eines kleinen Kindes, das auf den Boden gefallen ist. Mit einer „Pussy-Hour“ hat das nichts zu tun. Die haben aber auch einen komischen Dialekt!

Nun genieße ich ein letztes Mal die allabendlichen 30 Grad auf dem Hotelbalkon, denn morgen geht es bereits wieder an die Rückreise. Dazu haben wir uns wie immer den bestmöglichen Termin ausgesucht. Pfingstferienende in Bayern und Baden-Württemberg und zugleich der in Ellmau stattfindende G7-Gipfel, weswegen das Schengen-Abkommen bis 15. Juni außer Kraft gesetzt wurde. Mal sehen wie gut wir uns da morgen durchschlängeln!

Kroatien Tag 4 – 03.06.2015 Krk und Penthouse Club Adriatic Casino

Der Tag beginnt einmal mehr um kurz vor Acht. Frühstück „same procedure as every day“, zumindest gibt es wieder Ei. Anscheinend hat meine gestrige Ansprache an der Rezeption etwas genutzt, schier fassungslos vor Freude schöpfe ich aus den Vollen und bestelle zwei Stück! Da wir im Urlaub immer etwas gebremst in die Gänge kommen zeigt die Uhr erneut 10:35 bis wir im Auto sitzen. Das heutige Ziel: Die Insel Krk.

Krk ist erst auf den zweiten Blick als Insel zu erkennen, da ein monumentales Bauwerk das Festland mit dem Eiland verbindet. Seit 1980 ist die Krk-Brücke in Betrieb und man zahlt ca. 35 Knoten (Landeswährung) für die Überquerung – Rückfahrt inbegriffen. Geschätzte 15 Kilometer von besagter Brücke entfernt befindet sich unser erstes Zwischenziel, ein verlassenes Römerdorf aus dem 2. Jahrhundert. Dort soll sich unter anderem ein Geocache verstecken, den wir trotz emsiger Suche mal wieder nicht finden. Unsere Cache-Bilanz bleibt somit weiterhin bei NULL gefundenen Caches auf dieser Reise.

Etwas enttäuscht von der wenig beeindruckenden weil dicht bewachsenen Siedlung machen wir uns wieder auf den Weg. Mittlerweile scheint auch die Diva etwas genervt, was sie mit einem gelben Warnlicht im Display kundtut. Die Lampe, zentral im Kombiinstrument platziert, weist eindringlich darauf hin, dass wir ab sofort ohne dynamische Stabilitätskontrolle unterwegs sind. Was es bedeutet, wenn bei einem großen Kombi mit 170PS und Wandlerautomatikgetriebe die Antriebsräder beim starken Beschleunigen nicht mehr am Traktionsverlust gehindert werden, kann sich jeder selbst ausmalen: Es passiert überhaupt nichts, da ich es bisher noch nicht einmal vorsätzlich geschafft habe, die Räder zum Durchdrehen zu bringen. Entsprechend entspannt führt uns der Weg zum nächsten Halt, ein verlassenes Hotel.

Dabei handelt es sich um das ehemalige Haludovo Palace Hotel, finanziert von keinem geringeren als Robert Charles Joseph Edward Sabatini „Bob“ Guccione, Gründer des Penthouse Magazins. Er hat seinerzeit 45 Millionen US Dollar in das Anwesen investiert und es im Jahr 1972 eröffnet – in einer Zeit in der 45 Millionen Dollar noch eine richtig große Menge Geld waren. Dort integriert war das Penthouse Adriatic Club Casino, eine Spielhölle hinter dem Eisernen Vorhang, in dem sich unter anderem Saddam Hussein, Silvio Berlusconi und erlesene Hollywoodgrößen der damaligen Zeit die Klinke in die Hand gaben. Um das Haus, seine Geschichte und seine Parties ranken sich zahlreiche Geschichten, unter anderem:

  • Saddam Hussein reiste damals mit 250 Begleitern an
  • Für ihn wurde der Hotelpool mit Champagner gefüllt
  • Man konnte die Location ohne Visa bereisen (wir reden von 1972!)
  • Die Anlage war für Jugoslawen gesperrt
  • Bob Guccione stellte 70 Angestellte aus USA dorthin ab, vorwiegend Penthouse Bunnys
  • Bikinis waren optional

Genauso rauschend wie die Eröffnung im Jahre 1972 vollzogen wurde ging es mit dem Haludovo Palace auch wieder bergab. Das Casino war 1973 bankrott (anscheinend eines der wenigen Casinos in dem nicht nur die Bank gewann), danach folgten Eigentümer- und Nutzungswechsel bis zur endgültigen Schließung im Jahr 2001. Seitdem steht der Komplex leer und liefert sich der Natur und den überall vorhandenen Vandalen schutzlos aus.

So stehen wir nun in der gleißenden Mittagssonne bei gut 30 Grad im nicht vorhandenen Schatten und bekommen den Mund vor Staunen nicht mehr zu. Um nicht den Hitzetod zu sterben bleibt uns nur eine Wahl – wir suchen den kühlenden Schatten im Gebäude, lassen das unvergleichliche Flair der wilden Siebziger auf uns wirken und versuchen möglichst viel des morbiden Charmes mit unseren Kameras einzufangen. Da wir stets den Urbex-Code (Nimm nichts mit außer Fotos, hinterlasse nichts außer Fußabdrücke!) einhalten, recht genau wissen dass trotz fehlender Beschilderung ein Betreten des Gebäudes unerwünscht sein dürfte, und die Baufälligkeit in einigen Teilen des Gebäudekomplexes bereits bedrohlich fortgeschritten ist, halten wir uns von den oberen Geschossen fern. Und ich denke jeder in der Urbex-Szene wird wissen wie sehr es in diesem Moment in den Fingern juckt, doch einen Weg nach oben zu suchen, nur für den Moment und vielleicht „dieses eine“ Bild. Die Vernunft hat gesiegt und uns bleiben zahlreiche unvergessliche Eindrücke des Haludovo Palace Hotels. Ich bin auch jetzt, gute 10 Stunden später noch immer absolut geflasht von dieser unglaublichen Location und würde am liebsten morgen wieder hinfahren. Das Gefühl im Hinterkopf, dass es beim zweiten Mal nicht mehr dasselbe ist, hält mich davon ab.

Nachdem wir sicher und nahezu unentdeckt zurück am Auto sind, haben wir keine Lust mehr auf weitere Lost Places, wohlwissend dass für heute der Olymp erreicht ist, und kein anderer Ort den eben erlebten toppen kann. Spontan ändern wir die geplante Route und brechen auf in die Stadt Krk. Dort angekommen wird die Diva an der Hafenpromenade parkiert und wir schlendern entlang der Kaimauer, um in einer der typischen Hafenrestaurants Schatten und Nahrung zu suchen. Die Dame beschließt an einer Fahrt in einem U-Boot teilzunehmen, ich verbringe die Zeit mit kurzem Sightseeing durch Krk. Im Anschluß daran finden wir tatsächlich noch den ersten Cache unserer Kroatientour, freuen uns überschwänglich und treten sodann die Rückfahrt aufs Festland an.

Diese verläuft unspektakulär, die DSC-Leuchte der Diva ist mittlerweile wieder erloschen, was ich ihr mit 61 Litern feinstem Superbenzin belohne. Den restlichen Verlauf des Abends könnt ihr im letzten Absatz von Tag 3 nachlesen – ihr wisst schon: Duschen, Hunger, Essen (zu viel), etc.

Für den morgigen Tag gibt es noch keine manifestierten Planungen, vielleicht fahren wir nach Plitvice. Dort gibt es ja die weltbekannten Seen und Wasserfälle, und nebendran soll ein verlassenes Dorf beheimatet sein. Mal sehen was unser Muskelkater morgen spricht, wir werden uns spontan entscheiden. 🙂