Letztes Wochenende im Programm: Kurztrip auf die Insel Rügen

Letztes Wochenende wurde die Gunst des Brückentages genutzt, um Punkt 5 klingelte der Wecker um uns auf unsere Reise nach Rügen einzustimmen. Auf dem Programm standen Donnerstag bis Sonntag Sightseeing auf der Insel Rügen.

Die Anreise will natürlich obligatorisch erwähnt werden. Das Frühbucherticket für die linke Spur ausgepackt, und die 760km waren in knapp unter 6 Stunden erledigt. Es möge an dieser Stelle erwähnt werden dass ich bei der Hinreise nach Rügen das erste Mal in 2 Stunden 45 Minuten von Nürnberg nach Berlin gefahren bin. Diese Zeit sollte die Menge des Verkehrs ausladend genug beschreiben – bis Berlin war die Bahn einfach frei und das Kilometerzählen war direkt stressig.

Rügen - Anfahrt über die Große Brücke in Rügen - Frühling 2012

Oben angekommen…ach nein, wir wollen ja die Blog-typische Ordentlichkeit nicht durcheinander bringen…Moment, ich nummeriere:

17.05.2012, Donnerstag: Anreise + Kurzausflüge
In, pardon AUF Rügen angekommen wurde erst das Hotel bezogen und gleich danach ging es auf die erste Stipvisite durch den Osten der Insel. Wir waren im Ostseebad Baabe stationiert, viel weiter nach Osten geht es ja gar nicht mehr, deshalb waren die Tourist Spots auf diesem Teil der Insel locker in einem Nachmittag zu schaffen.
Als Ziel wurde ins Navi der Ort “Klein-Zicker” eingegeben. Unnötig zu erwähnen dass ich Conny damit aufgezogen habe – blöd nur dass wir danach durch Groß-Zicker fuhren und die Retourkutsche nicht lange auf sich warten ließ. Auf jeden Fall gibt es in Klein-Zicker einen schicken Strand der anscheinend bei Surfern sehr beliebt ist. Zumindest war das Wasser bei 6° Wassertemperatur gefüllt von Surfbrettern und Neoprenanzugbeleibten Körpern. Der Wind lag bei gefühlter Windstärke 7, real waren es laut Anzeige Windstärke 4-5. Bei 8° Celsius Lufttemperatur habe ich trotzdem gefroren wie ein Schneider. Der Ausblick vom Strand hat allerdings für alle Unannehmlichkeiten entschädigt.

Strand von Klein-Zicker auf Rügen im Frühling 2012

Nach einer kurzen Rundfahrt die keine spektakulären Bilder zu Tage lieferte ging es zurück ins Hotel, Essen fassen und dann ins Bett.

18.05.2012, Freitag: Prora – Sassnitz – Putbus
Die Überschrift verrät es schon, für den heutigen Tag stand am Vormittag das KdF-Seebad Prora auf dem Programm, das als Hitler-Propaganda-Bau zweifelhafte Berühmtheit erlangte. Interessierte können alles über Prora auf Wikipedia nachlesen, dann muß ich das nicht 1:1 wiedergeben. Nur soviel: Prora ist ein Gebäudekomplex, ausgelegt für 20.000 Personen, und sollte als Urlaubsdomizil im Dritten Reich dienen. Hitler und seine Mitstreiter hatten das gewieft geplant – Ziel von Prora war es nämlich, auch die Regimegegner auf die Seite der Nationalsozialisten zu ziehen, indem man Ihnen vorgaukelte dass im Reich ja alles so toll ist und man ja auch toll in den Urlaub fahren kann. Herausgekommen sind 8 Gebäudekomplexe zu je 500 Metern Länge, das bedeutet dass die komplette Anlage ein Gebäude einer Länge von 4 Kilometern (!) darstellte. Das klingt jetzt absolut monumental, und ich sage schon seit Jahren dass ich Prora unbedingt mal sehen will. Als ich nun davorstand war ich etwas enttäuscht, da man natürlich keine Übersicht über die komplette Anlage hat, sondern lediglich vor einem nahezu baufälligen Gebäude steht, das sowohl nach links als auch nach rechts kein Ende nimmt.
Auch ist das Gebäude schwierig auf ein Foto zu bekommen, aber vielleicht werden auch mit diesem Foto die Ausmaße auch einigermaßen bewußt:

KdF Seebad Prora - Rügen Frühling 2012

Natürlich gibt es dort auch Museen und Ausstellungen. Wir haben und das Dokumentationszentrum Prora noch angesehen, allerdings mag ich hiervon keine Bilder veröffentlichen, da auf jedem Foto irgendwo ein Hakenkreuz zu sehen ist. Lest einfach den Wiki-Artikel über den Koloss von Prora und klickt euch durch die weiterführenden Links, da findet Ihr alles.

Unsere Fahrt ging weiter nach Sassnitz, dort stand zuerst eine Uboot-Besichtigung und danach eine Schiffahrt an der Kreideküste Rügens entlang auf dem Programm. Das angesprochene Uboot war die HMS Otus (S18), ein britisches Uboot das während der Falkland-Kriege und im Persischen Golf eingesetzt wurde. Schön und gut, da drin war es saueng, wie es eben auf einem Uboot zuging. Für mich war es nicht die erste Uboot-Besichtigung, von daher wußte ich schon was mich erwartet. Leider habe ich davon momentan nur 1 Foto, dies zeigt die Kombüse des Ubootes. Zur Verdeutlichung: Der Nichtraucher-Aufkleber liegt auf einer Höhe von ca. 130-140cm.

Uboot HMS Otus in Sassnitz Frühling 2012

Die Uboot-Besichtigung war eigentlich nur eine Überbrückung der Wartezeit auf das eigentliche Happening – die Fahrt mit dem Boot entlang der Kreideküste Rügens bis zum berühmten Kreidefelsen. Ich will eigentlich gar nicht erwähnen dass ich mir im Vorfeld im Internet schon ein richtig großes, schickes Ausflugsschiff ausgesucht hatte, und dann durch eigene Dummheit 2 Karten des kleinsten Ausflugsdampfers der im Sassnitzer Hafen lag, geordert habe. 🙁

Zur Kreideküste selbst kann ich gar nicht viel schreiben, weil man auf der 90-minüten Fahrt entlang der Küste nicht mehr sieht als eine weiße Wand. Der Reiseführer auf dem Schiff beteuert dann unentwegt dass es sich bei dem Weiß um Kreide handelt und dass das ja ganz toll ist und auch als Weißes Gold Rügens bezeichnet wird. Für mich bleibt das eine weiße Wand, für die ich mir 90 Minuten bei gefühlten -23° und Windstärke 5 auf einem kleinen Ausflugsboot den Arsch abgefroren habe.

Trotzdem natürlich auch hier wieder ein Bild, damit Ihr die Kreideküste und den berühmten, 117 Meter hohen Kreidefelsen auch mal gesehen habt.

Kreidefelsen und Kreideküste auf Rügen, Frühling 2012

Wieder wohlbehalten an Land angekommen ging es nach einem Wurstbrot, das ich dringend benötigt habe um einen Magen wieder in die richtige Position zu bringen, weiter in den kleinen Ort Putbus. Diese Örtlichkeit wird unter anderem mit dem “Haus-Kopfüber” beworben. Das ist ein Einfamilienhaus das auf dem Kopf steht – inklusive der kompletten Inneneinrichtung. Man steht quasi an der Decke und die Möbel sind am Boden – der aber in Wirklichkeit die Decke ist – montiert. Schießt man nun ein Foto und dreht das Bild um 180°, kommen lustige Sachen dabei raus. So kann das dann aussehen:

Haus Kopfüber in Putbus auf Rügen - Frühling 2012

19.05.2012 – Samstag: Kap Arkona und Stralsund
Da unsere Bootsfahrt ja am Kreidefelsen in einem 180°-Turn wieder zurück nach Sassnitz ging und wir somit das Kap Arkona noch nicht anschauen konnten, ging es am Samstag mit dem Auto dorthin. Während der Fahrt stellte sich heraus dass wir mit dem Boot – oder alternativ mit dem Fahrrad oder zu Fuß – schneller gewesen wären, denn die letzten 15 Kilometer legten wir hinter einem Pulk Radfahrern zurück. Der eben beschriebene Pulk bestand aus ca. 100 Rennrädern und wurde von der Polizei eskortiert. Ich tippe auf ein Radrennen, das klingt naheliegend, und erklärt die Startnummern an den Fahrradtrikots.
Am Kap Arkona gibt es ca. 2 Kilometer vom Kap entfernt einen Parkplatz. Ab dann geht es entweder zu Fuß, per Pferdekutsche oder gasbetriebener Bimmelbahn weiter. Wir haben uns für letzeres entschieden, und 7 Euro später saßen wir im Zug. 10 Minuten später bot sich uns folgendes Bild:

Kap Arkona: Leuchttürme im Frühling 2012

Ich weiß übrigens dass der Leuchtturm schiefsteht, das ist aber kein Pisa-Effekt, sondern meiner Kamera bzw. dem Aufnahmestandort geschuldet. Ich bin jetzt aber zu faul das Bild geradezurücken, stellt Euch den Turm einfach gerade vor. Von dem obigen Foto aus ist es noch ca. 1 Kilometer bis zur Küste. Da steht man dann oben – auf einem Kreidefelsen – und schaut nach unten um dort die Brandung der Ostsee zu sehen. Naja, spannend ist anders, aber wir können ab sofort von uns behaupten, schon am nördlichsten Punkt der Insel Rügen gewesen zu sein.

Nachdem wir beim Warten auf die Rückfahrt der Bimmelbahn noch fürchterlich überteuerte Schokolade gekauft hatten, ging es zurück in Richtung Süden aufs Festland, als Ziel im Navi stand der Hafen der Stadt Stralsund. Am dortigen Hafen gibt es das Ozeaneum, ein Museum das die Ozeane der Welt behandelt. In einem Satz: Ich kann über das Ozeaneum nicht viel schreiben, das könnt Ihr einmal mehr bei Wiki nachlesen, aber ich kann jedem der in der Gegend von Stralsund ist nur ans Herz legen, dieses Museum zu besuchen. Den Titel “European Museum of the Year 2010” hat dieses Museum nicht umsonst erhalten.
Neben vielen theoretischen Schautafeln und ausgestopften Fischen und anderen Meeresbewohnern gab es auch unzählige Aquarien, eins davon war richtig groß. Ich habe das folgende Foto extra nicht beschnitten, damit Ihr anhand der abgebildeten Personen die Ausmaße dieses Beckens seht. Die Scheibe besteht übrigens aus ca. 36cm dickem Acrylglas und wiegt ca. 22 Tonnen!

Großes Aquarium im Ozeanum in Stralsund - Frühling 2012

Nach dem Ozeanum fanden wir in der Altstadt von Stralsund noch eine Gaststätte mit leckeren Kartoffelspeisen. Die Altstadt von Stralsund fand ich sehr charmant, vor allem weil nicht alle Gebäude piekfein restauriert sind. Neben schön gemachten Häusern stehen fast abbruchreife Häuser und bilden damit ein leicht morbides Gesamtbild, das sich wunderschön mit der Moderne der renovierten Häuser paart.

Gasse in der Altstadt von Stralsund - Frühling 2012

Danach ging es zurück ins Hotel, um die Bayern beim Champions League Finale sauber auszulachen. 😉

20.05.2012 – Sonntag: Rückreise
So flott wie die Hinfahrt ging, so lange dauerte die Rückfahrt. Einerseits war da der Heimreiseverkehr der Urlauber die das verlängerte Wochenende nutzten (so wie wir), zum anderen ist am Sonntag halb Berlin in die Randbezirke gefahren um sich dann – gemeinsam mit uns – wieder in Richtung Berlin zu stauen. Von der Heimfahrt habe ich aktuell nur noch 1 Bild zur Hand – und das war noch auf der Insel Rügen. Leider war da die Frontscheibe schon arg dreckig, und die Qualität des Fotos ist alles andere als gut – aber diese wunderbare Allee – übrigens Teil der Deutschen Alleenstraße – will ich Euch nicht vorenthalten.

Deutsche Alleenstraße auf Rügen - Frühjahr 2012

Das war der Kurztrip nach Rügen in knappen Worten. Ausführlich könnte ich dazu natürlich viel mehr erzählen – inklusive einem 2-stündigen Monolog über das Ozeaneum das ich echt toll fand. Aber wenn Ihr mehr wissen wollt, fragt mich einfach. Entweder per Kommentar, per Mail, und wer mich kennt fragt mich einfach persönlich! 🙂

Letztes Wochenende im Programm: Kurztrip auf die Insel Rügen
Markiert in:                     

3 Gedanken zu „Letztes Wochenende im Programm: Kurztrip auf die Insel Rügen

  • 4. Juli 2012 um 03:03
    Permalink

    Hi Sascha,
    wieder mal habe ich einen Beitrag von Dir gelesen. Ich habe mich wirklich gewundert, daß es möglich ist soo interessant und spannend über ein Wochenende auf Rügen zu berichten. Da fehlte überhaupt nichts, DANKE dafür!

    War vor Jahren auch auf Rügen Mitte Oktober bis Mitte November. Meine Tochter war klein und krank und wir haben uns wohl gefühlt so nah am Meer in dem schönen Ort Binz mit seiner fantastischen Bäderarchitektur.

    Bei einem Ausflug nach Stralsund hatte ich das Gefühl, in eine frühere Zeit einzutauchen und an irgendetwas Großem beteiligt zu sein. Manchmal kommt man an Orte, da glaubt man, schon in einem anderen Leben dort gewesen zu sein. So ging es mir auch in Australien einmal. Diese Orte hinterlassen einen gewaltigen Eindruck……

    Im Meer-Museum Stralsund hat mich am meisten ein kleines Aquarium beeindruckt. Dort schwammen Quallen, die kleinen jungen waren wunderschön im oberen Drittel des Beckens, die alten aber pumpten am Boden in Erwartung des Endes. Ganz symbolisch für unser Leben.

    So viel wie Du in 5 Tagen habe ich nicht mal in 4 Wochen geschafft, weil ich alle Stunden den Kuranwendungen meiner Tochter dabeisein mußte. Auch ist wg. zu stürmischer See der Dampfer Kap Arkona nicht mehr rausgefahren. Aber es gab einen großen Strand und erstaunlich viel Bernstein, das immer die anderen vor mir fanden. Und mit der Bimmelbahn sind wir durch einen wunderschönen Wald zur Burg Sassnitz gefahren und haben dort in irgendeinem Faß gegessen.

    Damals sind wir abends um 22 Uhr auf Rügen angekommen. Nie habe ich mich so verlassen gefühlt, so gefroren und war so mutlos. Kein handy in der Tasche, nur noch wenig Geld zum Telefonieren, den ganzen Tag auf der Bahn mit einem kl. hustenden Kind usw. wir wurden einen Tag später erst erwartet.

    Alles hatte sich geklärt, es gab noch heiße Suppe und vom Fenster aus konntest ich das Meer hören. Meine Tochter ist danach nie mehr krank gewesen.

    Jetzt weißt Du, warum ich Deinen Bericht über Rügen so gerne lese.
    Und diesmal muß ich mich nicht über Bob Dylan streiten, das kommt erst am Wochenende wieder. ha ha.

    Grüße von b.boheme

  • 4. Juli 2012 um 12:24
    Permalink

    Hallo b.boheme,

    ich freue mich besonders, dass du mir als Leser des Blogs weiterhin treu bist – auch wenn viele meiner Einträge mittlerweile recht Onlinemarketing-lastig sind.
    Hier wird es auch in Zukunft weiterhin immer wieder mal Beiträge dieser Art geben. Aktuell steht noch ein kurzer Reisebericht unseres Wochenendtrips ins Zillertal aus.
    Hier muß ich nur noch die Zeit und Muse finden, ein paar zusammenhängende Worte niederzuschreiben. 🙂

    Rügen beschreibe ich genau so wie ich es empfunden habe: Sollte man mal gesehen haben, aber wenn man kein aktiver Radurlauber ist oder sich nach wochenlanger Abgeschiedenheit sehnt, reicht ein 4 Tage-Trip allemal aus, um sich einen Überblick zu verschaffen.

    Ich wünsche dir alles Gute und viel Spaß beim nächsten Konzert und würde mich freuen dich bald wieder mal zu lesen. 🙂

  • 7. Juli 2012 um 14:42
    Permalink

    Danke Sascha,

    wo bekommt man einen so tollen Bericht aus eigener Erfahrung schon mal umsonst. Klar daß es Deiner follower (heißt es so?) begeistert. Vielleicht sind die anderen nur schreibf..l? Wünsche Dir massenhaft gutes feedback!

    Jaa – das NÄCHSTE KONZERT -es war gestern in Bad Mergentheim. Das gehört hier gar nicht rein, aber es war gigantisch!! Bin gerade erst wieder zurück (auch eine kl Weltreise).
    Dylan am Piano – suuuper!!Habe meinen Platz ganz vorne behauptet, und neben mir stand glaub ich der W.Niedecken oder er hat nen Doppelgänger (ne hat der eher nicht).

    sonnige Grüße aus München
    b.boheme

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.