Kroatien Tag 4 – 03.06.2015 Krk und Penthouse Club Adriatic Casino

Der Tag beginnt einmal mehr um kurz vor Acht. Frühstück “same procedure as every day”, zumindest gibt es wieder Ei. Anscheinend hat meine gestrige Ansprache an der Rezeption etwas genutzt, schier fassungslos vor Freude schöpfe ich aus den Vollen und bestelle zwei Stück! Da wir im Urlaub immer etwas gebremst in die Gänge kommen zeigt die Uhr erneut 10:35 bis wir im Auto sitzen. Das heutige Ziel: Die Insel Krk.

Krk ist erst auf den zweiten Blick als Insel zu erkennen, da ein monumentales Bauwerk das Festland mit dem Eiland verbindet. Seit 1980 ist die Krk-Brücke in Betrieb und man zahlt ca. 35 Knoten (Landeswährung) für die Überquerung – Rückfahrt inbegriffen. Geschätzte 15 Kilometer von besagter Brücke entfernt befindet sich unser erstes Zwischenziel, ein verlassenes Römerdorf aus dem 2. Jahrhundert. Dort soll sich unter anderem ein Geocache verstecken, den wir trotz emsiger Suche mal wieder nicht finden. Unsere Cache-Bilanz bleibt somit weiterhin bei NULL gefundenen Caches auf dieser Reise.

Etwas enttäuscht von der wenig beeindruckenden weil dicht bewachsenen Siedlung machen wir uns wieder auf den Weg. Mittlerweile scheint auch die Diva etwas genervt, was sie mit einem gelben Warnlicht im Display kundtut. Die Lampe, zentral im Kombiinstrument platziert, weist eindringlich darauf hin, dass wir ab sofort ohne dynamische Stabilitätskontrolle unterwegs sind. Was es bedeutet, wenn bei einem großen Kombi mit 170PS und Wandlerautomatikgetriebe die Antriebsräder beim starken Beschleunigen nicht mehr am Traktionsverlust gehindert werden, kann sich jeder selbst ausmalen: Es passiert überhaupt nichts, da ich es bisher noch nicht einmal vorsätzlich geschafft habe, die Räder zum Durchdrehen zu bringen. Entsprechend entspannt führt uns der Weg zum nächsten Halt, ein verlassenes Hotel.

Dabei handelt es sich um das ehemalige Haludovo Palace Hotel, finanziert von keinem geringeren als Robert Charles Joseph Edward Sabatini „Bob“ Guccione, Gründer des Penthouse Magazins. Er hat seinerzeit 45 Millionen US Dollar in das Anwesen investiert und es im Jahr 1972 eröffnet – in einer Zeit in der 45 Millionen Dollar noch eine richtig große Menge Geld waren. Dort integriert war das Penthouse Adriatic Club Casino, eine Spielhölle hinter dem Eisernen Vorhang, in dem sich unter anderem Saddam Hussein, Silvio Berlusconi und erlesene Hollywoodgrößen der damaligen Zeit die Klinke in die Hand gaben. Um das Haus, seine Geschichte und seine Parties ranken sich zahlreiche Geschichten, unter anderem:

  • Saddam Hussein reiste damals mit 250 Begleitern an
  • Für ihn wurde der Hotelpool mit Champagner gefüllt
  • Man konnte die Location ohne Visa bereisen (wir reden von 1972!)
  • Die Anlage war für Jugoslawen gesperrt
  • Bob Guccione stellte 70 Angestellte aus USA dorthin ab, vorwiegend Penthouse Bunnys
  • Bikinis waren optional

Genauso rauschend wie die Eröffnung im Jahre 1972 vollzogen wurde ging es mit dem Haludovo Palace auch wieder bergab. Das Casino war 1973 bankrott (anscheinend eines der wenigen Casinos in dem nicht nur die Bank gewann), danach folgten Eigentümer- und Nutzungswechsel bis zur endgültigen Schließung im Jahr 2001. Seitdem steht der Komplex leer und liefert sich der Natur und den überall vorhandenen Vandalen schutzlos aus.

So stehen wir nun in der gleißenden Mittagssonne bei gut 30 Grad im nicht vorhandenen Schatten und bekommen den Mund vor Staunen nicht mehr zu. Um nicht den Hitzetod zu sterben bleibt uns nur eine Wahl – wir suchen den kühlenden Schatten im Gebäude, lassen das unvergleichliche Flair der wilden Siebziger auf uns wirken und versuchen möglichst viel des morbiden Charmes mit unseren Kameras einzufangen. Da wir stets den Urbex-Code (Nimm nichts mit außer Fotos, hinterlasse nichts außer Fußabdrücke!) einhalten, recht genau wissen dass trotz fehlender Beschilderung ein Betreten des Gebäudes unerwünscht sein dürfte, und die Baufälligkeit in einigen Teilen des Gebäudekomplexes bereits bedrohlich fortgeschritten ist, halten wir uns von den oberen Geschossen fern. Und ich denke jeder in der Urbex-Szene wird wissen wie sehr es in diesem Moment in den Fingern juckt, doch einen Weg nach oben zu suchen, nur für den Moment und vielleicht “dieses eine” Bild. Die Vernunft hat gesiegt und uns bleiben zahlreiche unvergessliche Eindrücke des Haludovo Palace Hotels. Ich bin auch jetzt, gute 10 Stunden später noch immer absolut geflasht von dieser unglaublichen Location und würde am liebsten morgen wieder hinfahren. Das Gefühl im Hinterkopf, dass es beim zweiten Mal nicht mehr dasselbe ist, hält mich davon ab.

Nachdem wir sicher und nahezu unentdeckt zurück am Auto sind, haben wir keine Lust mehr auf weitere Lost Places, wohlwissend dass für heute der Olymp erreicht ist, und kein anderer Ort den eben erlebten toppen kann. Spontan ändern wir die geplante Route und brechen auf in die Stadt Krk. Dort angekommen wird die Diva an der Hafenpromenade parkiert und wir schlendern entlang der Kaimauer, um in einer der typischen Hafenrestaurants Schatten und Nahrung zu suchen. Die Dame beschließt an einer Fahrt in einem U-Boot teilzunehmen, ich verbringe die Zeit mit kurzem Sightseeing durch Krk. Im Anschluß daran finden wir tatsächlich noch den ersten Cache unserer Kroatientour, freuen uns überschwänglich und treten sodann die Rückfahrt aufs Festland an.

Diese verläuft unspektakulär, die DSC-Leuchte der Diva ist mittlerweile wieder erloschen, was ich ihr mit 61 Litern feinstem Superbenzin belohne. Den restlichen Verlauf des Abends könnt ihr im letzten Absatz von Tag 3 nachlesen – ihr wisst schon: Duschen, Hunger, Essen (zu viel), etc.

Für den morgigen Tag gibt es noch keine manifestierten Planungen, vielleicht fahren wir nach Plitvice. Dort gibt es ja die weltbekannten Seen und Wasserfälle, und nebendran soll ein verlassenes Dorf beheimatet sein. Mal sehen was unser Muskelkater morgen spricht, wir werden uns spontan entscheiden. 🙂

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