Burgruine Ledenice

Kroatien Tag 2 – 01.06.2015 Ruinen, Gemütslabyrinth und Zeckenalarm

Nach gefühlten 12 Stunden Schlaf erwache ich mit einem traumhaften Meerblick und der freudigen Erkenntnis dass die Uhr erst 6:55 Uhr zeigt – zumindest einigermaßen als Early Bird im Urlaub unterwegs zu sein macht Spaß!

Der Gang zum Frühstücksbuffet liefert den nachhaltigen Beweis dass tatsächlich nur zwei Zimmer unseres vermeintlichen 4-Sterne Etablissements belegt sind, nämlich durch die EBH und mich, und ein Ehepaar mittleren Alters das, den Duschgeräuschen nach zu urteilen, direkt neben uns nächtigt.
Entsprechend karg fällt das Frühstück aus, zwar steht jedem von uns eine Bedienung zur Verfügung, jedoch scheint das Hotel keine unnützen Waren horten zu wollen. So gilt es, fünf Brötchen auf vier Esser zu verteilen, darüber hinaus fristen noch drei einsame Croissants ihr Dasein auf der Buffett-Anrichte. Trotz allem gesättigt (am Nachbartisch sitzen entweder schlechte Esser, oder sie waren schlichtweg zu langsam) geht es danach ins Auto und ab zum ersten Ausflugsziel.

Auf dem Programm steht eine alte Burgruine aus dem 16. Jahrhundert. Selbige ist mal wieder in keiner Karte verzeichnet, entsprechend interessant gestaltet sich das Ausfindigmachen des nähesten Zugangs. Nachdem sich die Diva wild schnaufend den ersten Bergpass hinaufgequält hat, tauschen wir das Auto gegen die Wanderschuhe und machen uns auf den Weg Richtung Gipfel. Mein Schnupfen ist noch immer gegenwärtig, was den Aufstieg nicht einfacher macht – da meine hypochondrische Wenigkeit jedoch sowieso den halben Tag mit Jammern beschäftigt ist, entschließe ich mich diesmal zu schweigen und den Tritt vorzugeben. Zwei durchgeschwitzte T-Shirts und ca. 30 Minuten später ist uns beiden klar: Von dieser Seite aus gibt es keinen Weg zum Gipfel (nebst dortiger Burgruine)! Leicht enttäuscht treten wir den Rückweg an und versammeln uns am Fahrzeug zur weiteren Lagebesprechung.

Ein Blick in die Openstreetmap (was wäre das Leben ohne Internet und 3G-Verbindung) verrät uns, dass unser Navigationssystem nur eingeschränkt brauchbar ist, und blitzschnell ist ein anderer Zufahrtsweg ausfindig gemacht. Also zurück ins Auto und die Diva den nächsten Berg hochgescheucht. Dort angekommen ist die Ruine in Sichtweite und maximal 80 Höhenmeter von uns entfernt. Den Geocache IN der Ruine finden wir trotz intensiver Suche leider nicht, der Aufstieg wird uns aber mit einem traumhaften Panoramablick über die Kvarner Bucht belohnt.

Nachdem die Sonne mittlerweile sprichwörtlich unerbittlich wird und sich mein T-Shirt anfühlt als wäre ich gerade dem Pool entstiegen, entschließen wir uns, für die weitere Tagesplanung ins Basislager zurückzukehren.

Dort angekommen verbreitet sich mittlere Panik, da sich an Gattins Knöchel eine renitente Zecke festgebissen hat (späteres Googlen ergibt, dass man dabei von einem Stich spricht, nicht vom landläufig bekannten Biss). Dank der Tatsache dass ich seinerzeit 4 Semester Medizin in Vancouver studiert habe und die richtigen Operationsmaterialien im Reisegepäck verstaut sind, trenne ich Zecke und Gattin fachgerecht (und komplett), töte Erstere und verstaue sie in einer Tüte – etwaig folgende Entzündungen können damit beim Arzt problemlos mit dem Hinweis “Das war die hier!” quittiert werden.

Nachdem der Schreck verdaut und der Tag noch jung ist, beschließen wir, ein in der Gegend bekanntes Steinlabyrinth zu suchen. Selbiges kann durchlaufen werden und soll angeblich gut für die Gesundheit sein. Man kann sich unter anderem resistent gegen Erkältungen machen, Herzprobleme ausmerzen und potenzsteigernd soll das Ganze auch noch sein. Bevor der letzte Satz zu Ende gelesen ist, sitze ich auch schon im Auto, die Diva vorsichtig darauf vorbereitend, dass gleich ein weiterer, immenser Berganstieg bevorsteht. Der Rest der Geschichte deckt sich mit der von Vormittag: Hinfahren (abenteuerlich!), Aussteigen und mehrere Kilometer laufen, Schwitzen wie ein Isländer in Bangkok, Rückfahrt ins Basislager (nicht mehr so abenteuerlich da wir den Weg bereits kennen), Hunger!

Das Aktivitätsarmband zeigt ca. 10 Kilometer Laufweg an und ca. 800 zurückgelegte Höhenmeter. Das Abendessen schmeckt vorzüglich (Gemüsesuppe, Truthahn in Champignonsoße, Eis), das Mineralwasser (kein Witz!) am Hotelbalkon ebenso. Beim Tippen dieser Zeilen schleicht sich langsam die Müdigkeit in meine geschundenen Knochen. Die Gattin schläft bereits, die Zecke ist immer noch tot. Morgen steht Opatija auf dem Programm, oder Rijeka, oder Senj – nichts genaues weiß man nicht!

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