Das Bayerische Meer – Kurzurlaub am Chiemsee

chiemsee-01-2016Es ist immer das Gleiche! Man fährt in den Urlaub, macht Hunderte Bilder, schwört sich schon vor der Abreise, die Urlaubserlebnisse niederzuschreiben und im Blog zu veröffentlichen, und was passiert? Richtig – Erstmal ganz lange nichts! 🙂

Nun, genau 4 Monate liegt der Kurzurlaub an den Chiemsee mittlerweile zurück, letzte Woche habe ich dann wenigstens mal die Fotos von der Kamera aufs Laptop überspielt. Grund genug, Euch noch an den drei interessanten Urlaubstagen teilhaben zu lassen, zumindest in Kurzform – um hier überhaupt mal wieder ein Lebenszeichen von mir zu geben, und um ein paar Bilder in die Weiten des Internet zu streuen. Also, folgendes hat sich an den letzten Januartagen des Jahres 2016 im beschaulichen Südbayern zugetragen…

Tag 1 – Anreise, Chiemsee & Wassermühle

Nach einer kurzen Anreise (von Nürnberg zum Chiemsee ist es nicht wirklich weit) wurde erstmal das Basislager bezogen. Die Wahl fiel auf das Hotel Farbinger Hof in Bernau, dank HRS ein ***S-Schnäppchen. Im Hotelzimmer angekommen wurden erstmal die interessantesten Geocaches lokalisiert, für die folgenden Tage war die Besichtigung einiger Lost Places geplant, idealerweise in Verbindung mit kniffligen Geocaches.

Ufersteg, Chiemsee, Januar 2016
Chiemsee. In Schwarzweiß. Eigentlich ist er blau.

Als erstes ging es direkt zum Chiemsee, ins Wasser gucken. Das Wetter war uns nicht wohlgesonnen, abgesehen von den Temperaturen hingen die Wolken tief, es wollte nicht einmal richtig hell werden. Von optimalen Fotobedingungen waren wir so weit entfernt wie vom Nordkap. Kaum vorstellbar dass dieser Ort in den Sommermonaten DER Urlaubs- und Party-Hotspot am Chiemsee sein soll…

Das ein oder andere Bild vom Chiemsee-Ufer fand doch seinen Weg auf die Kamera, der Großteil davon jedoch nicht wirklich aussagekräftig und die eben beschriebenen Wetterbedingungen widerspiegelnd. Den am Ufer versteckten Geocache haben wir nicht gefunden, genau so wenig den im Vereinsheim des Segelclubs. Vielleicht hat ja so ein Cache auch Saison…

Geocache in verlassener Wassermühle
Winziger Einstieg: Gut wenn man seinen Minion dabei hat.

Da im Januar die Tage kurz sind, und die Uhr schon Richtung 1600 zeigte, machten wir uns auf den Weg zum nächsten Cache, der zugleich als Lost Place angekündigt wurde. Tatsächlich handelt es sich dabei um eine verlassene und nicht mehr genutzte Wassermühle – mittlerweile in einem fragwürdigen Zustand. Nach Erreichen des baufälligen Gebäudes habe ich kurzfristig in den Zustand “Mimose” gewechselt, weshalb die Conny die Ehrenrettung in die Hand nahm, durch die Zuflussöffnung in die Mühle gekrabbelt ist, und dort unter dem Dachstuhl erfolgreich den Cache ausfindig machen konnte.

Da sich die Suche etwas hingezogen hatte (wir hatten den Cache außen vermutet, und mussten dann erst knobeln, wer innen sucht), verschwand der Tag, und die Dämmerung begleitete uns in die Nacht. Die Szenerie war gefühlt gespenstisch, in etwa so wie in den französischen Horrorfilmen, kurz bevor der einsiedelnde Bauer mit der Sense ums Eck kommt, um jegliche Eindringlinge zu Mett zu verarbeiten. Im Nachhinein ein schönes Bild:

Dunkel. Einsam. Schaurig. Schön.
Dunkel. Einsam. Schaurig. Schön.

Zurück im Hotel waren all unsere Tetris-Kenntnisse der Kindheit gefragt, um die gustiösen Speisen passgerecht im Magen zu platzieren. Fazit: Essen saulecker, aber wer keine Speisen aus Zeiten in denen noch alles mit Schmalz ausgebacken wird, gewöhnt ist, dessen Körper hat seine liebe Not, das eingeflöste Mahl zu verarbeiten. Junge Junge…

Tag 2 – Lost (and found)

Der zweite Tag stand im Zeichen des Hotel Geiger in Berchtesgaden, ein Lost Place Leckerbissen der Kategorie “Verlassenes Hotel”. Um das Haupt-Event herum wollten wir noch einige andere Lost Places besichtigen und dabei gleich ein paar weitere Caches loggen.

Kurmittelhaus Becker - Bayerisch Gmain - Januar 2016
Ich kaufe ein L und ein H und möchte lösen!

Gefreut haben wir uns auf unseren ersten Anlaufpunkt, das Kurmittelhaus Becker in Bayerisch Gmain. Das ehemalige Kurhaus steht prominent mitten im Ort und ist mittlerweile durch Bauzäune hermetisch abgeriegelt. Gut, wir hätten einen Zugang gefunden, damit wären wir auch mit ziemlicher Sicherheit problemlos ins Innere des Gebäudes gelangt, aber wie erwähnt ist die Lage der Immobilie wirklich prominent. Nackt durch die Nürnberger Innenstadt laufen wäre wohl unauffälliger. Also haben wir es bei einer ausführlichen Aussenbesichtigung belassen, Fotos aus dem Inneren des Gebäudes sind ja dank anderer Urbexer mittlerweile bekannt – Hier gibt es bspw. mehr Bilder.
Es ist fraglich wie lange das Gebäude noch steht, eine Rettung ist wohl ausgeschlossen. Angeblich soll das Kurgebäude einer Wohnanlage weichen.

Bad Reichenhall - Panoramablick vom Schroffen
Reichenhall. Gar nicht mal so schön.

Weiter ging die Fahrt ins nahe Bad Reichenhall zum ehemaligen Gasthof Schroffen. Ebenfalls als Lost Place ausgewiesen und mit einem Geocache versehen, mussten wir dem Schroffen natürlich einen Besuch abstatten. Den Cache haben wir trotz 30-minütiger, intensiver Suche nicht gefunden, der verlassene Gasthof hat uns dafür mit einem tollen Blick über Bad Reichenhall entschädigt. Der Schroffen selbst ist gar nicht mehr so “Lost” wie noch vor einigen Monaten. Der Gebäudekomplex wurde mittlerweile zu einer Flüchtlingsunterkunft umgebaut. Die vorbereitenden Arbeiten schienen abgeschlossen zu sein, bezogen war das Objekt noch nicht. Stattdessen gibt es omnipräsente Hinweise, dass Hausfriedensbruch nach StGB bestraft wird, und ein Betreten strengstens verboten sei. Zudem war eine Kameraüberwachung installiert – die Objektschützer waren also zumindest gut unterhalten, während wir erfolglos nach dem Cache gesucht haben. Bilder vom Gasthaus und den Nebengebäuden findet Ihr u.a. hier.

Hotel Geiger - Berchtesgaden - Januar 2016
Das erste Hotel am Platz. Damals. Ehrlich!

Zurück im Auto wurde das Navi auf Berchtesgaden programmiert, schnurstracks, und ohne große Erwartungen ging die Fahrt in Richtung Hotel Geiger. Nachdem wir in Ermangelung eines Parkplatzes bereits drei Mal am Hotel vorbeigefahren waren, bot sich auf dem Parkplatz der Polizeiinspektion Berchtesgaden (übrigens ein tolles historisches Gebäude) eine adäquate Haltemöglichkeit. Von dort aus sind es gut 5 Minuten Fußweg bis zum ehemaligen Hotel Geiger. Selbiges hat übrigens einen eigenen, sehr ausführlichen Wikipedia-Artikel, in der die Geschichte und architekturgeschichtliche Bedeutung detailliert erläutert wird. Darum von mir nur die “Hard facts”: Eröffnet 1866, geschlossen 1997, der ehemalige Betreiber verbaut jetzt Kühlanlagen auf Bohrplattformen, die Gästeliste des Etablissements umfasst Persönlichkeiten wie Thomas Mann, John F. Kennedy, Elvis Presley, The BeeGees und Fürst Albert von Monaco, um nur einige zu nennen.

Hotel Geiger Berchtesgaden Januar 2016
Warum liegt hier eigentlich Stroh?

Wie der Großteil interessanter Lost Places ist leider auch das Hotel Geiger von dummdreistem Vandalismus geprägt. Hinzu kommt eine erweiterte Baufälligkeit des Gebäudes. Zwar sind alle Zugänge offen, auf eine Besichtigung der oberen Etagen haben wir jedoch verzichtet. Zum Einen ist es immer lästig, wenn man sich sämtliche Fluchtwege abschneidet, In flagranti erwischt wird und in Erklärungsnot kommt, zum Anderen hatten wir schlichtweg Bedenken, bei einem unüberlegten Schritt durch die Decke zu brechen. Trotzdem sind viele einmalige Bilder entstanden, und die gewonnenen Eindrücke nimmt mir maximal eine Amnesie oder eine Demenz. Weitere Bilder zum Hotel Geiger findet Ihr über Google oder bspw. auf bgland24.de.

Im Anschluss wollten wir noch die Erholungsmöglichkeiten des Hotels in Anspruch nehmen und haben den kontrollierten Rückzug angetreten. Ganz langweilig über die Autobahn A8, gewürzt mit einem kurzen Halt am Autobahnparkplatz “Chiemsee”. Ich bin bestimmt schon 50x dort vorbeigefahren und hatte nie die Zeit oder die Muse, dort rauszufahren. Mei, man sieht den Chiemsee, das Wasser reicht bis an die Mauer des Parkplatzes heran, bei Hochwasser gerne auch mal darüber hinaus.

Autobahn A8 - Parkplatz Chiemsee
Der Chiemsee von der Autobahn aus gesehen – mit renitenten Möwen!

Tag 3 – Northbound

Der dritte und zugleich unser Abreisetag ist schnell erzählt. Am letzten Urlaubstag packt mich das Heimweh, das bin ich so gewöhnt. Der letzte Tag dient in den Neumeierschen Reiseverläufen immer der Rückreise. Da frühstückt man, setzt sich ins Auto und fährt heim – wenn das eigentlich nur drei Stunden dauert ist das komisch, ich bin aber dann trotzdem nicht mehr in Ausflugs- oder Sightseeing-Stimmung. Ein Kurzbesuch in diversen Outlets (wir haben unter anderem ca. 6 Kilo Schokolade im Lindt-Outlet gekauft, mit der Abarbeitung dessen kämpfe ich immer noch) und eine katastrophale Verkehrssituation haben die Rückfahrt dann trotzdem zu einem 6-stündigen Erlebnis gemacht. Ein paar Caches konnten wir auch noch erfolgreich loggen – in einem verlassenen Wald haben wir ein altes Hexenhaus gefunden, und kurz vor daheim noch einen Holzkasten an einem Baum, in dem Travelbugs und weitere Memorabilien getauscht werden können.

Alles in Allem war die Reise ans Bayerische Meer eine ereignisreiche Kurzreise, und hat mir gezeigt, dass man die Region um den Chiemsee definitiv auch mal im Sommer anschauen muss.

Das Bayerische Meer – Kurzurlaub am Chiemsee
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