Die Cosynus Classic 2013

Mitte Juni diesen Jahres bin ich ganz kurzfristig in die Verlegenheit gekommen, an einer Oldtimer-Rallye teilzunehmen. Mein Chef, der Monate im Voraus auf diesen Event hingefiebert hat, war kurzfristig verhindert, sodaß ich mit 16 Stunden Vorlaufzeit erfahren habe, dass in Darmstadt ein altes Vehikel bereitsteht, mit dem eine flotte Ausfahrt veranstaltet werden soll.

Mittlerweile schreiben wir Ende November 2013, und endlich finde ich die Zeit, dieses interessante Erlebnis in Worte zu fassen. Zum Einen für Euch, zum anderen für mich selbst. Ich habe nämlich festgestellt dass ich mir immer ein Loch in den Bauch freue, wenn ich solche Geschichten mit ein paar Jahren Abstand nochmals lese.

Orangerie Darmstadt, Juni 2013, Cosynus Classic 2013
Orangerie Darmstadt, Juni 2013, Cosynus Classic 2013

Aber ganz von vorne: Die Firma Cosynus, eine Partnerfirma von uns, veranstaltet einmal pro Jahr eine 2-tägige Partnerkonferenz. Tag 1 steht ganz im Zeichen des Business, das vergangene Jahr wird Revue passiert und es gibt einen Produkt- und Projektausblick auf die kommenden zwölf Monate. Als Location der diesjährigen Konferenz wurde heuer die Orangerie in Darmstadt ausgewählt. Ein schickes Plätzchen mitten in Darmstadt, in dem sogar das Porsche Zentrum Darmstadt seine Aufwartung gemacht hat, und ein paar Porsche Modelle in den Tagungsraum gestellt hat. Dummerweise ohne Schlüssel. Der erste Tag – von manchen Teilnehmern als “Pflichtveranstaltung” tituliert – war trotz des vollen Programms recht kurzweilig und jeder fieberte dem zweiten Tag, also der Rallye, entgegen. Erwähnt werden darf noch die Abendveranstaltung, bei der ich zum ersten Mal in meinem Leben einen Zwiebelrostbraten runterwürgen musste genießen durfte, der nicht vom Rind war. Zaghaftes Nachfragen bei der Bedienung ergab, dass in Hessen ein Zwiebelrostbraten vom Schweinebauch serviert wird. Das hätte mir durchaus mal jemand sagen können.

Nachdem das Schwein erfolgreich vertilgt war, ging es zurück in Richtung Hotel mit einem Umweg über die Orangerie, in der sich nach und nach die ersten Rallyefahrzeuge einfanden. Der Blick schweifte über diverse Porsche 356 und 964, Corvette Stingray, diverse Mercedes Oldtimer und unzählige britische Sportwagen der 60er und 70er Jahre. Kurzfristiger Angstschweiß trat mir auf die Stirn, als ich ganz hinten im Eck zwei VW Käfer und einen Trabant 601S sah. Ich muß dazu sagen, dass die Rallyefahrzeuge ausgelost wurden, d.h. im Vorfeld wußte keiner der Teilnehmer, welches Auto ihn am Samstag früh erwarten würde. Ich war mir beinahe sicher, kurz nach Sonnenaufgang in einem zweitaktstinkenden Trabbi zu sitzen.

Mercedes-Benz W108 Coupé 280S
Mercedes-Benz W108 Coupé 280S

Gott, das Losglück, der Veranstalter, wer es auch war, man hatte ein Einsehen mit mir. Am Samstag Morgen wurde mir und dem Tom ein Mercedes W108 Coupé zugeteilt. Wir haben dabei die am meisten gebaute Motorisierung bekommen, einen 280SE (wer sich mit Mercedes-Benz Oldtimern etwas auskennt weiß, dass der 280S/280SE die Brot-und-Butter Variante des W108 war). Über 91.000 Stück wurden davon seinerzeit gebaut, das Modell gab es in 13 weiteren Motor- und Karosserievarianten, zumeist mit 4-stelliger Gesamtstückzahl.

iPhone 5 im Mercedes-Benz W108
iPhone 5 im Mercedes-Benz W108

Bevor ich über die eigentliche Rallye schwadroniere muß ich noch ein paar Worte zum Einsatzfahrzeug loswerden. Wir sprechen hier von einem Mercedes-Benz mit Produktionsjahr 1970, also einem stolzen Alter von 43 Jahren. Klingt unspannend, wird aber mit einem Auszug aus der Ausstattungsliste Besonders: Elektrische Fensterheber, Elektrisches Schiebedach, Klimaanlage, Stereo-Kassettenradio, Zentralverriegelung. Das war zu dieser Zeit eine Ansage seitens Mercedes-Benz!
Dank 12-Volt Buchse kann man damit auch im Elektronikzeitalter einen USB-Adapter antüddeln um sein iPhone 5 zu laden und als Navigationssystem zu benutzen (siehe Bild).

Wir hatten also beim Los des Fahrzeugs richtiges Glück. Der Teilnehmer vor uns bekam einen BMW Z1 zugeteilt. Zwar durchaus auch ein schönes Auto, die versenkbaren Türen sind auch heute noch ein Highlight. Die verbaute BMW E30 Technik ist allerdings noch nicht sooo Oldtimer, und die Verwindungssteifigkeit der Karosserie ist bei heruntergelassenen Türen derart schlecht, dass es außer zum Prollen am Parkplatz sowieso keinen Sinn macht, die Türen unten zu lassen. Der Kenner weiß, dass bei zügiger Fahrt mit offenen Türen recht schnell die vorderen Kotflügel reißen. Solltet Ihr übrigens einmal in den Genuß kommen, einen der wenigen noch im Straßenbild verbliebenen, wunderschönen BMW Z1 zu Gesicht zu bekommen: Werft einen Blick auf die Kotflügel. Ich kenne bisher nur einen einzigen Alltags-Z1 in natura, bei dem die Kotflügel noch ganz sind. 😉

Zurück zum Thema: Vor Fahrtantritt gab es ein ausführliches Fahrerbriefing, in dem sowohl jegliche Sicherheitsaspekte als auch der geplante Streckenverlauf erfüllend besprochen wurden. Die Route war mittels eines analogen Roadbooks (ein Zettel!) selbst herauszufinden. Unlautere Hilfsmittel wie eigens mitgebrachte Navigationssysteme waren obsolet, da auf jedem Streckenabschnitt jeweils 20 Fragen beantwortet werden mußten.

Das Roadbook der Cosynus Classic 2013
Das Roadbook!

Die Fragen ergaben sich auf der Roadbook-Route, und lauteten unter anderem “Wie hoch ist der Sprungturm im Freibad Darmstadt-Eberstadt?“. Solche Fragen kann man nicht googlen, sondern es bleibt nichts übrig als vor Ort zu suchen. Außerdem waren in jedem Abschnitt auch 5 Bilderrätsel zu lösen. Was sich anfangs simpel anhörte, stellte sich als durchaus anspruchsvolle Prüfung heraus und war nichts für schwache Nerven. Einige Teilnehmer hatten sich bereits vor dem Start darauf verständigt, das Augenmerk hauptsächlich auf den Fahrspaß zu legen, und den eigentlichen Wertungsprüfungen nur wenig Aufmerksamkeit zu widmen. Umso mehr waren Tom und ich angespornt, ein gutes Tagesergebnis abzuliefern.

Unser Oldie trug die Startnummer 17 von 45, gestartet wurde im 30 Sekunden-Takt, sodaß wir achteinhalb Minuten nach dem offiziellen Startprozedere den Parc Fermé rollenden Reifens verließen. Ziemlich schnell wurde klar dass sich die Route tatsächlich so anspruchsvoll gestaltete wie es das Roadbook im Vorfeld vermuten ließ. Mit feuchten Händen spulte ich mich auf dem Copilotensitz durch den Aufschrieb, der mal sehr präzise war, und nur 3 Kurven weiter einem Schätzeisen glich wie man ihn nur aus “Theo gegen den Rest der Welt” kennt.

Ferrari 328GTS bei der Cosynus Classic 2013
Magnum im Stau!

Am meisten Spaß hatte meiner Meinung nach Thomas Magnum. Von uns kurzerhand so getauft, da er am morgen einen Ferrari 328GTS besteigen durfte (Bevor jetzt Richtigstellungen in den Kommentaren auftauchen: Ich bin mir dessen bewußt, dass Magnum seinerzeit einen 308GTS bzw. 308GTS-A malträtiert hat). 😉
So wirklich zu Gesicht bekamen wir den “Roten” nur, als sich einmal ein Stau gebildet hatte, da die ersten nicht so zuverlässigen Oldtimer den Dienst quittierten. Unbestätigten Gerüchten zu Folge war “Magnum” der einzige, der auf der knapp 190 Kilometer langen Strecke einmal auftanken mußte!

Neben der ganzen Roadbook-Fahrerei gab es noch eine Gleichmäßigkeitsprüfung am Flugplatz Michelstadt, die wir – trotz akribischer Vorbereitung – total versiebt haben. Angefühlt hat sich die Zeitmessung noch ganz ordentlich, unterm Strich lagen wir dann doch knapp 3 Sekunden daneben. Unter den Teilnehmern waren ein paar alte Rallyehasen, die sich bis zu 4 Hundertstelsekunden (!!!) an die Referenzzeit herantasten konnten. Um es vorwegzunehmen: Die verpatzte Gleichmäßigkeitsprüfung hat uns in der Endauswertung mehr oder weniger den Sieg gekostet. 🙁

Timo Glock Cosynus Classic 2013 Wersau
Timo kommt tatsächlich aus Wersau!

Kurz vor Schluß kamen wir dann auch noch bei einer Standardfrage ins Trudeln: Wir waren beide nicht sicher, welche Rennfahrer aus Wersau kommt. Beide tippten wir auf Timo Glock. Nachdem wir Timo erfolgreich am Handy kontaktieren konnten – gute Kontakte in die Welt des Motorsports sei Dank – und er unseren Verdacht bestätigte, war auch diese Frage korrekt beantwortet. Zurück im Ziel mußten wir direkt nach der Ankunft unsere Reifentemperatur an der Vorderachse schätzen – eine klare Aufgabenstellung für den Copiloten. Pfoten auflegen war erlaubt, weshalb ich mich auch nur um 0,8° Celsius verschätzt habe.

Letztendlich konnten wir damit Platz 11 von 47 (54 Autos waren gestartet) bei der Cosynus Classic 2013 belegen. Für mich war dies die erste aktive Teilnahme an einer Oldtimer-Rallye überhaupt, und auch wenn es eigentlich eine reine Spaßveranstaltung war, bin ich doch ein klein wenig Stolz auf das Ergebnis gewesen. Eine Urkunde gab es dafür übrigens auch. Sehr spannend das alles. 🙂

Natürlich gibt es auch noch eine Aufbereitung des Events von offizieller Seite. Wer mag, kann hier noch alles im Detail nachlesen:

Mich hat nach dieser Veranstaltung auf jeden Fall das Rallye-Fieber gepackt, und ich möchte sehr gerne in Zukunft mal wieder an einer solchen Veranstaltung teilnehmen.
Habt Ihr schon mal eine Oldtimer-Rallye mitgemacht? Vielleicht sogar bei den Cosynus Classic Days? Und wie waren Eure Eindrücke?

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