20. Juli 2019 – Tag 19 – Von Vodice nach Verona

Achtung. Dies ist ein Live-Urlaubsbericht, direkt vom Ort des Geschehens. Ob der teilweise langsamen bis fast nicht vorhandenen Internetanbindung, werde ich jegliches Fotomaterial erst nach meiner Rückkehr hochladen. Ich hoffe, ihr seid auch durch die geschriebenen Erlebnisberichte ein wenig unterhalten.

Mein neunzehnter Tag beginnt sogar noch etwas früher als gestern. Kurz vor halb vier Uhr morgens bin ich hellwach. Genügen Zeit, die üblichen sozialen Medien zu checken, und mal in die privaten (!) Emails zu schauen. An dieser Stelle möchte ich anmerken, dass ich bisher erfolgreich darin war, nicht in meine Business-Mails zu schauen. Glücklicherweise schlafe ich nach gut einer Stunde nochmal ein, und wache ausgeruht zum zweiten Mal um kurz vor halb neun Uhr auf.

Gepackt und gefrühstückt ist schnell, mittlerweile weiß ich ja wie das geht. Der Checkout funktioniert ebenfalls, wie in jedem Hotel bisher, reibungslos. Ich kenne das noch von früher, als man mit dem Checkout so 10-15 Minuten beschäftigt war. Heutzutage geht das innerhalb zwei Minuten. Das ist sehr angenehm, und übrigens auch ein Bewertungskriterium der Hotelplattformen – die Geschwindigkeit von Checkin in Checkout.

Um halb zehn bin ich bereits unterwegs, und mich trennen 673 Kilometer von meinem Hotel in Verona. Laut Navigationssystem soll die Fahrt in sechs Stunden und fünfundfünfzig Minuten erledigt sein. Allerdings kennt mein GPS noch nicht den Stau, circa einhundert Kilometer nach Zadar.

Dort stehe ich exakt 3 Stunden und 55 Minuten. Am Ende des Staus, also quasi vorne, zeigt sich der Grund der stundenlangen Verzögerung. Zwei Autos sind miteinander kollidiert, haben im Anschluss die betonierte Seitenbegrenzung der Autobahn als Sprungschanze verwendet und sich mehrmals überschlagen. Der VW Passat sah noch halbwegs ok aus. Der Hyundai Santa Fe älterer Generation hatte zwischen Lenkrad und Dachhimmel noch ca. 20 Zentimeter Platz. Ich hoffe dass da alle Beteiligten noch lebend ausgestiegen sind.

Ich habe die ganze Wartezeit sehr verständnisvoll abgesessen, weil klar war, dass ein Unfall die Ursache der Verzögerung ist. Man wischt solche Erlebnisse nicht einfach so aus seinem Gedächtnis. Für einige Menschen hat hier eine Urlaubsreise tragisch geendet. Vielleicht wird deren Leben nie mehr so sein wie vorher. Deshalb, und das meine ich ernst, fahrt immer vorsichtig!

Auch per Whatsapp habe ich heute ein “Fahr vorsichtig” bekommen (Danke Flo dass du dich um mich sorgst :)). Auf meiner Weiterfahrt nach Verona habe ich mal darüber nachgedacht, was eigentlich der tiefere Sinn dieses “Fahr vorsichtig” sein soll. Wann fährt man überhaupt vorsichtig? Wenn man sich stets an die Geschwindigkeitsbeschränkung hält? Wenn man immer beide Hände am Lenkrad hat? Wenn man vorausschauend unterwegs ist? Oder ist es schon “vorsichtig fahren”, wenn man nicht billigend einen Unfall in Kauf nimmt? Da sollte ich vielleicht mal eine Umfrage starten. 🙂

Nach dem Stau geht es erstaunlich zügig weiter. Um dem kroatisch-slowenischen Grenzstau zu umgehen, verlasse ich die Autobahn und entscheide mich einmal mehr für einen sehr ländlichen Grenzübergang. Die Passage ist mit neun Minuten Wartzeit verbunden. Auf der Autobahn hätte ich bestimmt eine Stunde gewartet. Oder länger.

Nach Slowenien lande ich recht schnell in Italien. Das merkt man auch. Die Fahrweise der Italiener gleicht der Fortbewegung von Berserkern. Tatsächlich ist in meinen Augen der Großteil der Italiener unfähig, ein Kraftfahrzeug zu führen. Ich bin sonst kein Mensch, der Vorurteile schürt, und Verallgemeinerungen sind ja bekanntlich generell scheiße!

Aber das, was ich auf den etwas über 300 Kilometern italienischer Autobahn erlebe, geht nicht mehr auf die sprichwörtliche Kuhhaut.

Die Italiener kennen weder eine rechte Fahrspur, noch wissen Sie etwas mit den Fahrbahnmarkierungen anzufangen. Eine gleichmäßige Fahrgeschwindigkeit einzuhalten scheint ebenfalls ein unmögliches Unterfangen. Vorausschauendes Fahren kennt man dort ebenfalls nicht, eher das Gegenteil.

Ich programmiere meinen Tempomat auf 130 km/h – das ist genau die vorgegebene Höchstgeschwindigkeit. Nachdem ich letztes Jahr richtig viel Geld für eine Geschwindigkeitsübertretung in Italien bezahlt habe, will ich diesmal keinen Cent herschenken.

Ich schaffe trotzdem einen Schnitt von 120 Kilometern pro Stunde, und bin nach knapp 10 Stunden in Verona. Das Hotel liegt sehr verkehrsgünstig. Ich finde es sofort und parke direkt vor dem Hoteleingang. An der Rezeption stellt sich heraus, ich kann sogar dort stehen bleiben, und spare mir damit die 50€ Parkgebühr für die kommenden zwei Tage.

Nach dem Checkin im Hotel (auch der dauert übrigens nur zwei Minuten) laufe ich einmal über die Straße und falle mit einem Bärenhunger in einem traditionellen italienischen Restaurant ein. Ich sitze draußen im Hinterhof, die Uhr zeigt kurz nach acht, das Thermometer 36 Grad Celsius. Zum Glück steht Bier auf der Karte, sogar im 1 Liter Gebinde. Ich trinke eine Maß und esse eine Pizza Salami mit Zwiebel. Beides ist hervorragend, mit Gedeck und großzügigem Trinkgeld zahle ich zwanzig Euro.

Nun sitze ich auf der Dachterrasse des Hotels und schreibe diese Zeilen. Es sind immer noch 30 Grad. Ein typischer italienischer Sommer in der Stadt. Der Barkeeper der “Rooftop-Bar” serviert mir seine persönlichem Empfehlungen. Bisher schmeckt alles hervorragend.

Morgen vormittag will ich in die Innenstadt Veronas eintauchen und einige Sehenswürdigkeiten kennenlernen. Hoffentlich ohne Kopfschmerzen. Das hängt von den Künsten des Barkeepers ab. 🙂

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