18. Juli 2019 – Tag 17 – Entspannung wird überbewertet

Gestern war ich so unausgelastet, dass ich heute schon um halb sechs Uhr morgens fit bin. Frühstück gibt es erst ab sieben Uhr. Deshalb starte ich den Tag damit, einen 45-minütigen Wikipedia Excellence Artikel über den Prototypen des ICE zu lesen. Der hieß InterCity Experimental und wurde bereits Ende der 70er Jahre designt. Es gab zu Anfang zwei Triebwägen und ein paar Waggons dazwischen. Obwohl die Versuchs-Triebwägen nie in den Live-Einsatz kamen, und nach der Erprobungsphase nur herumstanden, kam nur einer davon ins Deutsche Museum. Der Rest wurde in den 2000er Jahren tatsächlich verschrottet. Da fragt man sich, ob eine Kostensache war, oder ob wirklich kein anderes Museum/Ausstellung diese Wagen wollte. Noch bevor ich eine Antwort auf diese Frage finde, gibt es Frühstück.

Eigentlich will ich direkt danach an den Strand. Heute steht ja der zweite Entspannungstag in Folge an. Aber es ist leider das eingetreten, was ich bereits befürchtet habe. Dieses Entspannung ist irgendwie nichts für mich. Ich packe deshalb meinen Rucksack, stöbere kurz in Google Maps und kurz darauf sitze ich schon im Auto.

Angeblich soll es im Hinterland, nur 25 Kilometer entfernt ein Dorf geben, das nach dem Krieg in Kroatien (1993) weitestgehend verlassen wurde. Die Ortschaft war wohl unter besonders schwerem Artilleriebeschuss und überdies sehr dicht vermint. Darum wurde der Ort aufgegeben, nur einzelne Häuser sollen da noch stehen. Grund genug, mir selbst ein Bild davon zu machen.

Acht Kilometer geradeaus. Ohne ein einziges anderes Auto.

Dort angekommen sehe ich im ersten Moment nur ein einzelnes verfallenes Haus neben der Straße. Ich steige aus und laufe los. Unterwegs treffe ich auf eine griechische Landschildkröte. Ich will ihr erklären, dass sie sich verlaufen hat, und zu weit im Norden ist. Sie vermutet eher, dass ich sie auffressen will, und verzieht sich in ihren Panzer. Ich drehe sie zumindest noch mit dem Kopf Richtung Süden. Wenn sie lange genug läuft, kommt sie schon heim.

Die Kleine hatte ganz schön Angst vor mir…

Nur gut dreihundert Meter weiter beginnt dann tatsächlich das im Internet erwähnte Minenfeld. Es gibt einen drei Meter breiten Weg, der gesäubert wurde, damit die Bauern mit ihren Traktoren durchfahren können. Der Rest ist noch unangetastet. Ich hatte ja Ende letzter Woche in Sarajevo eine einstündige Einweisung in Minenentschärfung bekommen. Aber selbst die haben gesagt, wenn man so eine Mine findet, soll man einen Ast daneben reinstecken, und den Fund bei der Polizei melden.

Während der Jugoslawienkriege wurden ja nicht nur Tretminen und Panzerminen abgeworfen oder vergraben, sondern auch Minen mit Vibrationszündern. Die detonieren quasi bei Vibrationen.

Mini-Erdbeben und sommerliche Waldbrände sind deshalb der Grund, wieso in Ex-Jugoslawien jedes Jahr immer noch über einhundert Minen detonieren.

Natürlich finde ich keine Mine, mache am Ende des Weges kehrt, und laufe zum Auto zurück.

Der eigentlich verlassene Ort ist noch einen Kilometer entfernt. Dort stehen noch ungefähr fünfzig Gebäude. Teilweise eingestürzt, teilweise ohne Dach, und alle mit Einschusslöchern oder Schrappnelleinschlägen. Auch eine verlassene Schule ist dort. Ich würde gerne Fotos machen. Es sind auch nicht etwaige Minen die mich abhalten. Dort wurde sicherlich nach dem Krieg noch gesäubert.

Eine verlassene Ortschaft, gezeichnet vom Krieg.

Es ist der Weg dorthin, der so hoch zugwachsen ist, und sich bekanntermaßen in Kroatien dort immer Schlangen tummeln. Ich habe keine Ahnung ob und wie gefährlich die sind, ich mag die aber nicht.

Ich begnüge mich also mit einer Besichtigung aus der Ferne. Da ja bereits der Zoom erfunden wurde, kann ich mir ein paar Gebäude aus der Ferne heranziehen.

Mittlerweile ist es Mittag geworden. Ich drehe noch eine Runde durchs Hinterland um meine Lust aufs Fahren zumindest ein klein wenig zu stillen.

Den Rest des Tages verbringe ich dann doch podcast-hörend in der Sonne brutzelnd. Immer wenn es zu warm wird, schwimme ich eine Runde im Meer. So war der Tag dann doch noch versöhnlich für mich.

Wilson und ich hängen am Strand rum. Das WLAN reicht vom Hotel bis hierher.

Morgen früh fahre ich nach dem Frühstück nach Zadar. Ich will mir die Stadt nochmal anschauen, und vielleicht treffe ich ja sogar bekannte Gesichter. Am Samstag geht ja dann ja nach Verona. Dort habe ich gerade vorhin noch ein Zimmer gebucht. Die wollen knapp 100 Euro für die Übernachtung. Und da habe ich noch etwas aus der Kategorie “Besenkammer” gewählt. Ursprünglich wollte ich in Laufweite zur Arena di Verona wohnen. Dort ist aber unter 200 Euro die Nacht gar nichts zu kriegen. Von einem Parkplatz für den Subie ganz zu schweigen. Und wo er nicht willkommen ist, da will auch ich nicht sein.

Heute wieder ein Zimmer mit Ausblick. Subie kuschelt mit der Hecke.

Ich habe deshalb nun auch erstmal zwei Nächte gebucht, also bis zum 22. Juli. Wenn der Geiz siegt, dann fahre ich am 22. Juli um 23:30 Uhr, direkt nach dem Konzert noch nach Hause. Von Verona aus sind das ja nur 600 Kilometer. Da sollte ich ja eigentlich bis spätestens sieben Uhr Morgens zurück sein. Mal sehen, ich kann das ja spontan entscheiden.

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