14. Juli 2019 – Tag 13 – Kloster Ostrog und Weiterreise nach Sarajevo

Achtung. Dies ist ein Live-Urlaubsbericht, direkt vom Ort des Geschehens. Ob der teilweise langsamen bis fast nicht vorhandenen Internetanbindung, werde ich jegliches Fotomaterial erst nach meiner Rückkehr hochladen. Ich hoffe, ihr seid auch durch die geschriebenen Erlebnisberichte ein wenig unterhalten.

Der heutige Tag beginnt so, wie der letzte aufgehört hat. In einem unverschämt bequmen Bett, das in einem viel zu großen Zimmer steht, das über eine 15 Quadratmeter Glasfront besticht, die einen unverstellten Blick auf die montenegrinischen Berge freigibt.

Leider kann das Frühstücksbuffet weder mit dem Zimmer noch mit dem Ausblick mithalten. Ich trinke trotzdem eine Tasse Kaffee und checke zügig aus, um zum Kloster Ostrog in der Nähe von Danilovgrad zu starten.

Die Fahrt zum Kloster dauert eine knappe Stunde. Die Abenteuergeschichten über die Anfahrt zum Kloster, die ich vorab im Internet gelesen habe, stimmen natürlich alle nicht. Weder ist die Straße besonders eng, noch gibt es ein unbefestigtes Teilstück den Berg hinauf.

Alles ist wunderbar für die tägliche Flut an Touristen vorbereitet, inklusive eines weitläufigen Parkplates am Fuße des Klosters. Danach sind es noch ungefähr 500 Meter Fußweg bis zum Eingangstor.

Außer man kann eine Behinderung oder Kinder vorweisen. Dann darf man bis direkt vor das Eingangstor fahren.

Ich mache den Bericht über das Kloster kurz. Ich war ein wenig enttäuscht. Zwar hätte ich mir nicht mehr von der Umgebung oder dem Kloster erwartet. Aber ich hätte nicht gedacht, dass dort derart viele Touristen sind. Das Kloster ist doch recht im Nirgendwo, man fährt, egal aus welcher Richtung mindestens eine Stunde von der nächsten größeren Stadt. Nun hätte ich vielleicht mit fünfzig oder hundert Touristen gerechnet, die gleichzeitig mit mir das Kloster besichtigen wollen.

Realistisch teile ich mir den Platz mit an die 600 bis 800 Menschen.

Eine Innenbesichtigung des Klosters hätte knappe drei Stunden Wartezeit bedeutet. So lange ist die Schlange vor dem Eingang.

Ich mache noch ein paar Schnappschüsse. Solche die ich vermutlich nie mehr anschaue, aber im Zweifelsfall mal einen Beweis liefern kann, dass ich schon dort war.

Danach laufe ich zurück zum Auto und füttere das GPS mit den Koordinaten meines nächsten Hotels in Sarajevo.

Zweihundertvier Kilometer und knapp fünf Stunden Fahrt trennen mich vom Ziel. In diesem Moment glaube ich noch, dass das niemals so lange dauern kann. Ich werde eines besseren belehrt werden.

Die Straße schlängelt sich in Serpentinen vom Kloster hinab Richtung Norden.

Landschaftlich ist Montenegro unfassbar schön, das Landesinnere erinnert mich abwechseln an den Böhmerwald, den Schwarzwald und die Wälder Kanadas.

Der Straßenverlauf führt mich über ein weiteres Gebirge. Ich weiß nicht wie es heißt, aber recht weit oben ist ein großer See. Ich halte dort an, mache ein paar Bilder, und fahre weiter durch eine Schlucht. Knapp zwanzig Kilometer windet sich die Straße durch das Bergmassiv, ich passiere in den Stein geschlagene Tunnels, ohne betonierte Tunnelröhre, ohne Beleucht und Belüftung. Eine traumhafte Route, jeder einzelne Kilometer macht unbändigen Spaß.

Irgendwann nähere ich mich der Grenze zu Bosnien. Da ich mich immer noch in den Bergen befinde, ist der Grenzübergang entsprechend übersichtlich. Die Ausreise aus Montenegro ist in fünf Minuten erledigt. Die Einreise nach Bosnien-Herzegowina dauert ungefähr zwanzig Minuten. Hier wird ein wenig genauer kontrolliert. Um zum Zollhäuschen zu gelangen, muss man eine Brücke über den Canyon überqueren. Die Fahrspur ist ungefähr zweimeterfünzig breit und gesäumt von Menschen, die zu Fuß einreisen möchten. Außerdem ist die Fahrbahn nicht asphaltiert, sondern besteht nur aus wackeligen Holzplanken. Ein sehr abenteuerliches Unterfangen, auf die andere Seite des Berges zu gelange, ohne jemanden zu überfahren oder eine Holzlatte aus den Ankern zu vibrieren. 🙂

Nach erfolgter Passage der Grenze finde ich mich auf einer halb asphaltierten und halb geschotterten Straße wieder. Meine Fahrtrichtung ist die mit Schotter und Schlaglöchern bis zum Erdkern.

Im Endeffekt ist die Spur überhaupt nicht befahrbar und eignet sich maximal, um dorthin auszuweichen und stehenzubleiben. Ich fahre also die nächsten fünfundzwanzig Kilometer unübersichtlicher Bergstraße auf der Gegenfahrbahn. Wenn ich wieder zurück bin, suche ich mal die Strecke raus und füge noch einen Google Maps Link hier ein.

Nun trennen mich noch sechzig Kilometer von Sarajevo, die der Subie und ich ohne besondere Vorkommnisse abspulen. Das Hotel ist im Zentrum der Altstadt von Sarajevo, entsprechend müssen wir einmal durch die Stadt, genau in die Mitte. Das klappt erstaunlich gut, die Bosnier fahren – zumindest hier in der Stadt – sogar unaufgeregter als wir Deutschen bei uns daheim. Ich parke mein feuerrotes Spielmobil im Untergeschoss des Hotels direkt neben der Hotelwaschmaschine!

Da es erst vier Uhr nachmittags ist, will ich die Zeit noch nutzen, und einen ersten Eindruck von Sarajevo bekommen. Vorher erklärt mir der nette Herr an der Rezeption noch den Weg zum besten bosnischen Restaurant der Stadt. Ich laufe also hinunter auf den Markt, gespannt was mich dort erwartet.

So wirklich kann ich meine Eindrücke noch nicht in Worte fassen. Vielleicht klappt das nach dem morgigen Tag schon besser. Nachdem ich drei Schritte über den Markt gelaufen bin, bin ich schon eingetaucht in einen Schmelztiegel verschiedenster Kulturen und Völker. Hier stehen Moscheen neben orthodoxen Kirchen, und vollverschleierte Frauen drängen sich neben baufreich gekleideten Frauen in Hotpants über die Straßen des Marktes. Das ganze Viertel ist total quirlig, überall riecht es nach Gegrilltem, Frauen verkaufen ihre Baumwolle und die Männer Handyschalen aus Fernost.

Ich will heute zumindest noch eine Ausstellung in der City Hall ansehen. Vorher muss ich aber definitiv etwas essen. Ich entscheide mich für ein bosnisches Restaurant. Hier heisst das ja nicht Taverne wie bei den Griechen. Es ist halt ein bosnisches Wirtshaus. Nichts überkandideltes. Ohne zu überlegen entscheide ich mich für Cevapcici und eine Hopfenkaltschale aus lokaler Herstellung.

Während ich die besten Hackröllchen meines Lebens verspeise, merke ich, dass das Paar am Nachbartisch Deutsch spricht, und ich komme mit den beiden ins Gespräch.

Die beiden sind auch heute in Sarajevo angekommen, wollen zwei Tage die Stadt anschauen und dann weiter an die kroatische Küste. Später dann noch nach Montenegro und dann weiter in die Ukraine. Vier Wochen werden Sie unterwegs sein.

Die zwei erzählen, dass Sie immer mit dem Auto in den Urlaub fahren. Sie berichten mir von einer Reise nach Aserbaidschon (von Sachsen aus) bis an die iranische Grenze. Auf dieser Reise haben die beiden 12.000 Kilometer in vier Wochen zurückgelegt! Da fühlen sich meine ungefähr 6.000 Kilometer in gut drei Wochen ein bisschen nach Stadtrundfahrt an.

Wir tauschen noch Erfahrungen über einige Städte am Balkan aus, und ergänzen uns dabei ganz gut. Ich lerne, dass ich in Albanien noch ein, zwei gute Spots vergessen habe, und dass ich doch noch mal nach Skopje muss. Ich mache den beiden einige Ziele in Griechenland schmackhaft.

Nach einer halben Stunde verabschieden wir uns, und unsere Wege trennen sich.

Ich laufe weiter zur Sarajevo City Hall. Diese wurde im Jugoslawienkrieg 1992 in Brand gesteckt und nahezu vollständig zerstört. Nach dem Krieg wurde das Gebäude bis zum Jahr 2014 wieder aufgebaut. Heute kann man die City Hall besichtigen und erfährt unzählige Details über die Geschichte Sarajevos. Zusätzlich beheimatet das Gebäude ein Museum über die Stadtgeschichte Sarajevos von 1914 bis 2014.

Für alle, die in Geschichte nicht aufgepasst haben: In Sarajevo wird im Jahr 1914 der Erzherzog und österreichisch-ungarische Thronfolger Franz Ferdinand und seine Frau auf offener Straße erschossen. Dies gilt als Auslöser des ersten Weltkrieges.

Auch die über dreijährige Belagerung Sarajevos während des Bosnienkrieges 1992-1995 wird in vielen Bildern und Texten erläutert. Die gezeigten Fotos sind erschütternd. Ich gehe mit Gänsehaut durchs Museum und kann mir nicht im Entferntesten vorstellen, was die Bevölkerung damals durchgemacht hat. Während wir, nur knapp eintausend Kilometer entfernt vor dem Fernseher saßen, und sensationsgierig auf die Tagesschau gewartet haben, um neue Bilder zu sehen. Ich kann das nicht in Worte fassen. Ich will trotzdem noch weitere Details über diese dunkle Stunde der Geschichte erfahren, und werde mir morgen noch ein Museum zum Thema anschauen und versuchen eine Führung mitzumachen. Außerdem kann man wohl auch die War tunnels am Flughafen von Sarajevo besichtigen.

Vielleicht baue ich dazu später noch Links in den Artikel ein. Mein WLAN hier ist nicht wirklich gut. Oder ihr googelt einfach nach den Schlagworten, falls euch die historischen Ereignisse dazu interessieren.

Morgen werde ich also nochmals in Sarajevo eintauchen und so viel wie möglich von der Geschichte dieser interessanten Stadt aufschnappen. Eine Reiseempfehlung kann ich bereits jetzt aussprechen. Wann immer ihr die Möglichkeit dazu habt, schaut Euch Sarajevo an!

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