Achtung. Dies ist ein Live-Urlaubsbericht, direkt vom Ort des Geschehens. Ob der teilweise langsamen bis fast nicht vorhandenen Internetanbindung, werde ich jegliches Fotomaterial erst nach meiner Rückkehr hochladen. Ich hoffe, ihr seid auch durch die geschriebenen Erlebnisberichte ein wenig unterhalten.

Der neunte Tag bricht an. Auf meiner Reise habe ich bisher in fünf verschiedenen Hotelbetten geschlafen, und jedes davon hatte eine unfassbar gute Matratze. Deshalb werde ich auch heute erst um kurz vor neun Uhr wach, weil die Kinder im Zimmer nebenan ausprobieren, wer am lautesten mit der Tür knallen kann. Zum Glück, sonst hätte ich wohl das Frühstück verschlafen.

Im Nachhinein wäre das wohl gar keine so schlechte Idee gewesen. Die momentane Unterkunft, ein Stück südlich von Igoumenitsa ist jetzt nicht gerade das Ritz-Carlton. Zwar kostet die Nacht inklusive Frühstück und Parkplatz keine sechzig Euro, trotzdem habe ich auf meiner Fahrt ja bereits erlebt, dass man auch für dieses Budget durchaus etwas erwarten darf.

Es gibt zumindest Weißbrot und abgepackte Marmelade und Butter. Die Messlatte der Vortage liegt natürlich auch recht hoch.

Nach dem Frühstück starte ich den Wagen, ich will mal wieder auf Strandsuche gehen. Nach ein wenig hin und her, weil das Subaru-Navi meint, es kann mich durchaus über Feldwege schicken, die im letzten Jahrhundert zuletzt befahren wurden, finde ich eine befahrbare Zufahrt und lande in der Bucht Alonaki Fanariou. Als erstes genehmige ich mir dort einen Espresso, den der dort abgestellte Kaffeewagen für 1,50€ feilbietet. Der Strand sieht im ersten Moment nicht soo toll aus. Ich versuche trotzdem mein Glück, und bin positiv überrascht. Das Wasser in der Bucht hat Badewannentemperatur. Ich schwimme und brutzle abwechselnd.

Als am frühen Nachmittag Wolken aufziehen, mache ich mich langsam auf den Rückweg. Unterwegs zwingen mich einige Verbotsschilder dazu, eine Umleitung zu fahren. Dabei komme ich auf einem Bergplateau an der Cantina “Kioski” vorbei. Mein Magen entscheidet, dass ich dort doch anhalten möge.

Auch hier lohnt es sich, auf die Bilder zu warten. Die Aussicht ist atemberaubend, und das Bifteki mit Feta unverschämt gut.

Frisch gestärkt fahre ich weiter, und werde gleich an der nächsten Kreuzung auf ein Hinweisschild aufmerksam. Ich folge dem Wegweiser zu den “Acheron Springs”, nicht wissend, was mich dort erwarten wird. Was ich weiß, der Acheron ist ein Fluß hier in der Gegend, vermutlich kann man also die Quelle des Flusses besichtigen.

Die Beschilderung endet an einem großen Parkplatz. Ich packe meinen Rucksack und laufe dem beschilderten Wanderweg entlang. Auf dem Weg kommen mir immer wieder Menschen in Badehose oder Bikini entgegen, manche barfuß, andere in Flip Flops. Kurzzeitig ärgere ich mich über die Touris, die es nicht schaffen, zumindest ein T-Shirt überzuziehen. Auch empfinde ich das Schuhwerk unpassend für einen Wanderweg.

Einige Minuten später beginne ich die Szenerie zu verstehen. Der Wandweg endet abrupt im Flussbett des Acheron, bzw. er geht IM Fluss weiter. Zur Quelle wandert man also im Wasser. Der festen Meinung, dass das alles nur halb so wild sein kann, entledige ich mich meiner Wanderschuhe und Socken, und laufe barfuß im Fluss weiter. Erst ist das Wasser knöcheltief, an der nächsten Flußbiegung bereits knietief. Ich schiebe meine kurze Hose nach oben und laufe mutig weiter. Nach einer weiteren Kurve sehe ich, wie ein paar Wanderer vor mir hüfttief ins Wasser eintauchen. Die Natur ist an dieser Stelle so fantastisch, und das Wasser im Glutofen Griechenlands so erfrischend, dass ich trotzdem weiterlaufe. Vorher verstaue ich alles wichtige im Rucksack.

Long story short: Nach der nächsten Flußbiegung beginnen die Wanderer vor mir zu schwimmen. Leider muss ich an dieser Stelle wegen unzureichender Vorbereitung aufgeben. Mit meinem Rucksack, Autoschlüssel und Smartphone ist ein Weiterlaufen unmöglich. Entschädigt werde ich durch die beeindruckende Umgebung, das kristallklare Wasser und die einzigartige Natur. Ich habe wirklich selten etwas schöneres gesehen.

Zurück im Hotel, mittlerweile ist es fast zwanzig Uhr, meldet sich der Hunger. Ein klein wenig zumindest. Da ich ja bereits mittags ausgiebig gegessen habe, setze ich mich ins Auto, um unten im Dorf irgendwo eine Kleinigkeit zu finden. Vielleicht gibt es ja Salat, oder zumindest eine Packung Chips aus dem kleinen Laden. Ich parke im Ortskern und will loslaufen, als mich Tómasz anspricht. Er hat mich anhand meines Kennzeichens als Deutschen identifiziert und plaudert auf Deutsch los, dass er Grieche sei, aber lange in Deutschland gelebt hat. Ob die Angela Merkel immer noch so zittert will er wissen. Und was ich hier so vorhabe.

Ich erzähle ihm von meinem Vorhaben hinsichtlich einer Zwischenmahlzeit. Er meint darauf, ich soll doch mit zu ihm kommen, er hätte eine kleine Taverne in der Nähe, und kann mir was auf den Grill werfen. Zwei Minuten später bin ich in Tómasz Taverne und er stellt mir seine Frau vor. Sie heißt den restlichen Abend über “Frau”, da er keinen Namen verraten hat, und sie selbst immer so anspricht. Auch werde ich gleich noch seiner Tochter Martina vorgestellt. So werden also die griechischen Mädchen zwangsverheiratet.

Tómasz heizt zwischenzeitlich den Grill an. Was es geben wird verrät er nicht. Martina reicht Getränke und ein Gedeck, und “Frau” erzählt von Ihrer Kindheit in Hannover und Ihrer Gaststätte im thüringischen Fischbach, die sie von 1992 bis 1999 dort geführt hat. Wir reden über Forellenzucht, griechische Mietpreise, die Wichtigkeit von Tripadvisor Bewertungen und den Machtwechsel in der griechischen Politik. Mittlerweile taucht auch der Sohn von Tómasz und “Frau” auf. Er hat bis vor wenigen Wochen an der LMU in München studiert und ist jetzt zurück in Griechenland.

Der Grill raucht zusehends, und kurz darauf balanciert Martina ein riesiges Tablett in meine Richtung. Darauf eine fangfrische, gegrillte Forelle mit allerhand Beilagen. Dass es sich um eine geschmackliche Sensation handelt, brauche ich nicht extra zu erwähnen.

Am Ende zahle ich für alles zusammen zwölf Euro und hatte einen richtig schönen Abend mit Einheimischen. Martina ist am Ende sichtlich froh, mich nicht heiraten zu müssen und verabschiedet sich betont freundlich. “Frau” weist mich beim Gehen noch auf eine Tripadvisor Bewertung hin. Ich werde fünf Sterne geben.

Nun sitze ich auf dem Hotelbalkon, schreibe den heutigen Reisebericht und bin schon sehr gespannt auf den morgigen Tag. Ich verlasse Griechenland und reise das erste Mal nach Albanien. Dort habe ich, recht weit im Süden, heute bereits ein Hotel gebucht.

Mal sehen, was ich morgen Abend so zu berichten habe. 🙂

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