09. Juli 2019 – Tag 8 – Der Nabel der Welt und Weiterreise nach Glyki

Der Wecker klingelt um 6:25 Uhr. Das macht für die letzte Nacht circa drei, vielleicht dreieinhalb Stunden Schlaf. Auch in der Nacht hat es kaum unter 30 Grad abgekühlt, und die Klimaanlage hat gut damit zu tun, die Raumluft auch nur halbwegs zu kühlen.

Aber ich will ja früh loskommen, deshalb packe ich alles zusammen, und um kurz nach sieben Uhr ist alles im Auto verstaut und das Navi für die anstehende Tagesetappe programmiert.

Jetzt noch schnell einen Happen vom Frühstücksbuffet schnappen, weil ohne Frühstück bewege ich mich nirgends hin. Frühstück war doch ab 7:30 Uhr, oder? Ein prüfender Blick in den Frühstücksraum – gähnende Leere. Nun, tatsächlich beginnt die Frühstückszeit wohl erst um 8:30 Uhr.

Ich stelle mir selbst die Frage, warum ich im Urlaub auf die irrsinnige Idee komme, mich zeitlich unter Druck zu setzen. Was passiert, wenn ich eine Stunde später losfahre? Oder Abends zwei Stunden später im Hotel ankommen? Oder drei? Überhaupt nichts, außer dass ich mich durch den Tag gehetzt habe.

Unabhängig von Uhrzeiten zu leben, hatte ich in den letzten Monaten schon besser drauf. Ich entschuldige mich selbst damit, dass ich vermutlich weniger wegen der Uhrzeit, sondern eher wegen der Tatsache, dass ich früh genug in Delphi sein wollte, bevor die Temperaturen ins Unermessliche steigen.

Trotzdem beweist sich einmal mehr, wer plant, kann in Zeitdruck kommen. Ich werfe deshalb sämtliche Zeitplanung für den heutigen Tag über Bord, frühstücke ausgiebig und breche danach auf Richtung Delphi. Um kurz vor 9 sitze ich im Auto, und verabschiede mich schweren Herzens von Portariá.

Auf dem Weg nach Delphi. Makelloses Blau ziert den Himmel.

Die Fahrt nach Delphi ist abwechslungsreicher als gedacht. Die letzten 90 Kilometer bestehen aus Landstraßen, die Berge rauf, die Berge wieder runter. Seit ich verstanden habe, dass doppelt durchgezogene Linien in Griechenland soviel heißen wie “hier müssen vorausfahrende Fahrzeuge überholt werden”, macht das alles noch viel mehr Spaß. Nach der ausgiebigen Kurvenhatz in Delphi angekommen stelle ich fest, dass ich nach meiner Rückkehr wohl einen neuen Satz Reifen bestellen muss.

Delphi heißt bei den Griechen ja Delfi. Oder Delfio. Oder viele dieser Hieroglypen. Die archäologischen Stätten von Delphi wurden  passend für die Touristen an den Ortsausgang gelegt, da kann man wenigstens gut parken.

Das ist also der Mittelpunkt der Welt. Ich bin ehrlich beeindruckt. Hier sollte man einmal im Leben gewesen sein.

Zwölf Euro Eintritt sind nicht wenig, aber man fördert ja damit auch den Erhalt der Zeitgeschichte. Jetzt wird es ohne Bilder etwas schwierig, euch Delphi wirklich näher zu bringen. Ich habe mit griechischer Geschichte absolut nichts am Hut, und war ziemlich beeindruckt. Ein Tripadvisor-Nutzer, der Delphi bewertet hat, sieht das etwas pragmatischer:

delphi besteht aus unglaublich vielen steinen. sie sehen eigentlich auch alle gleich aus, aber ich würde nochmal hinfahren.

(Tripadvisor User Review aus 2009)

Ich habe gelernt, dass in Delphi der Mittelpunkt der Erde liegt, der sogenannte Nabel der Welt. Draußen im Freien liegt mittlerweile nur noch eine Nachbildung des Nabels, das Original liegt, geschützt vor Wind und Wetter, im Museum. Ich verbringe knapp 2 Stunden in Delphi. Das Thermometer zeigt mittlerweile zweiundvierzig Grad im Schatten. Selbiger existiert jedoch kaum. Ich beschließe also, die Weiterreise anzutreten, und klimatisierte fünfundzwanzig Grad im Auto zu genießen.

Das ist der Nabel der Welt. Selbst bei über 40 Grad ist Delphi sehr sehenswert.

Vorher finde ich noch erfolgreich meinen ersten Geocache in Griechenland. Die gefundene Dose ist zum Glück groß genug, dass ich den eingesammelten Travelbug, den ich seit zwei Jahren im Auto spazieren fahre, endlich wieder ablegen kann. Ich hoffe der Eigentümer freut sich darüber.

Vom nächsten Etappenziel trennen mich nun noch 350 Kilometer über griechische Landstraßen. Ok, und ein klein wenig Autobahn. Ich vertreibe mir die Zeit damit, die atemberaubende Landschaft in mein Hirn zu brennen, und höre nebenbei ein paar SWR2 Wissen Podcasts.

Am Horizont ist die Rio-Andirrio-Brücke zu erkennen. Sie verbindet den Peloponnes mit Zentralgriechenland und markiert zugleich den Eingang zum Golf von Korinth.

Kurz vor zwanzig Uhr checke ich in meiner Unterkunft ein und versuche im Anschluss, noch irgendwo etwas zu Essen zu ergattern.
Das klingt einfach. Eigentlich. Ich musste mir aber wieder eine Bleibe am Ende der Welt aussuchen, weil kostengünstig. Hier gibt es dann halt auch sonst nichts. Ich fahre drei mal durch den Ort und halte dann an etwas, das aussieht wie ein Bürgerhaus. Es stellt sich heraus, dass es dort etwas zu essen gibt, zumindest glaube ich das in dem bruchstückhaften Englisch des Mannes zu verstehen, mit dem ich mich unterhalte.

Er erklärt mir, dass es keine Speisekarte gäbe (vermutlich gibt es schon eine, aber halt keine, dich ich lesen könnte). Stattdessen meint er lediglich “Sit down, I surprise you!”. Nun, ich habe seit über 12 Stunden nichts gegessen, Alternativen gibt es keine, also sitte ich down und lasse mich surprisen.

Interessant ist eigentlich, wo ich mich hinsetze. Die Bestuhlung befindet sich komplett in einem Flussbett. Das mit Kieseln gesäumte Flussbett ist ca. fünfzehn Meter breit, der Fluss wiederum nur zehn Meter. Auf den übrigen, trockenen fünf Metern stehen eingedeckte Tische und Stühle. Dort unten am Fluß ist es angenehm kühl, die ganze Atmosphäre fühlt sich für mich komplett unwirklich an.

Abendessen direkt im Flussbett.

Die Überraschung beginnt mit einem Heineken, könnte schlechter laufen. Im Anschluss kommt eine riesige Schüssel mit griechischem Salat und gleich im Anschluss ein Beefsteak mit Pommes und Reis. All das schmeckt auch noch ziemlich gut. Am Ende zahle ich zwar dreiundzwanzig Euro, da ist bestimmt ein wenig Touristenaufschlag dabei, aber das ist ok.

Schwein vom Grill mit geschnitzten Kartoffeln. Es war unglaublich gut!

Zurück im Hotel bestelle ich noch ein Bier. Den Namen kann ich nicht lesen, das ist wieder hieroglyphisch. Es liest sich irgendwie wie Aqua. Ganz egal, es ist wohl das fürchterlichste Bier, dass ich seit ewigen Zeiten getrunken habe. Passend zum Rang des Hotels wird es in einer 0,33l Dose serviert. Ohne Glas. Kostet dafür auch nur zwei Euro. *gg

Nach dem Bier gehe ich aufs Zimmer und freue mich dass zumindest das WLAN recht zuverlässig funktioniert. So entstehen noch diese Zeilen für Euch zum Nachlesen.

Mal sehen was ich morgen mache. Eigentlich will ich ein oder zwei coole Strände anschauen. Die muss ich aber erstmal recherchieren. Und ich weiß nicht genau, ob ich hier eigentlich ein Frühstück dazugebucht habe. Und ob die überhaupt Frühstück servieren. Oder ob das nur ein Aqua aus der Dose ist. Wir werden es erfahren. 🙂

Atemberaubender Blick vom Zimmerbalkon. Da kann kaum ein Meerblick mithalten!

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