07. Juli 2019 – Tag 6 – Strand von Fakistra

Ja nun, ich bin immer noch in Portariá, obwohl ich ursprünglich heute Mittag weiterfahren wollte. Und um Euch zu spoilern, ich bleibe sogar noch einen weiteren Tag hier. Warum? Vermutlich einfach, weil ich es kann! 😛 Aber auch, weil das Hotel hier richtig schön ist, die Betreuung einem 5-Sterne Service gleicht, und es in der Gegend einiges zu entdecken gibt. Außerdem hat mein Körper wohl nach sechs Urlaubstagen realisiert, dass er sich tatsächlich etwas Ruhe gönnen darf. Müßiggang ist deshalb an der Tagesordnung.

Ich logiere im alten Herrenhaus. Die Treppe knarzt exakt so wie sie aussieht.

Entsprechend spät hat der Tag heute für mich angefangen. Erst um neun Uhr war ich wirklich wach. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich zuletzt nahezu zehn Stunden am Stück geschlafen habe. Frühstück gibt es bis 10:30, da ich vermutlich wieder alles probieren will, stehe ich eine Stunde vor Ende am reichhaltigen Buffet. Kredenzt werden unzählige Pasteten, Olivenbrötchen, Kuchen, aber auch Brot, Marmelade, frischer Orangensaft, und vor allem Kaffee.

Beim Frühstück lerne ich ein griechisches Paar kennen, die das Wochenende hier in den Bergen verbringen. Wir kommen ins Reden, und ich bekomme Insidertipps für die Region. Auf der gegenüberliegenden Seite des Berges gibt es wohl einige der besten Strände Griechenlands (soso). Ich ändere kurzfristig meine Tagesplanung von “Wandern und Pool” auf “Tolle Strände suchen”. Bei der Verabschiedung verbinden wir noch unsere Facebook-Kontakte und ich erhalte von den beiden noch eine Einladung, wenn ich in Athen aufschlage.

Anschließend breche ich direkt auf in die Berge. Abenteuerliche Straßen und herrliche Ausblicke erwarten mich. Und unfassbar langsam fahrende Griechen. Das fällt mir schon die ganze Zeit auf. Die Griechen fahren außerhalb der Städte im Schneckentempo, zögerlich, ja fast übervorsichtig. Bei jedem Überholvorgang habe ich direkt ein schlechtes Gewissen. Aber ich bin halt mal zum Vergnügen hier.

Da sind sie, die schmalen Straßen über die Berge.

Nach fast eineinhalb Stunden Fahrt habe ich den Bergkamm überquert, und bahne mir meinen Weg in Richtung Fakistra Beach. Glücklicherweise habe ich GPS-Koordinaten bekommen, ausgeschildert ist da nämlich nichts. Nach einigen abenteuerlichen Schotterpassagen parke ich das Auto direkt an einem Abhang (Hallo Michael :D) und laufe die restlichen zehn Minuten steil hinunter zum Strand.

Das Türkis lässt bereits vermuten, hinter den Bäumen versteckt sich eine Bucht.

Nun, was soll ich sagen. Worte können die Schönheit dieses Fleckens Erde kaum beschreiben. (Und Bilder lade ich erst nach dem Urlaub hoch). Der Strand ist zauberhaft, liegt in einer Bucht und ist komplett von Felsen eingesäumt. Das Wasser strahlt in türkisblau und ist glasklar.

Durch die geschützte Lage in der Bucht ähnelt die Wassertemperatur einer Badewanne. Man kann bewegungslos im Wasser liegenbleiben, ohne dass es irgendwann kalt wird. Das habe ich auch gemacht. Sieht man an meinem Rücken. Ich gehe heute und vermutlich auch morgen als Krebs.

Auf dem Rückweg vom Strand komme ich erneut mit Menschen ins Gespräch. Das wird langsam zur Gewohnheit. Ein Paar mit zwei Hunden aus Wien, die ebenfalls durch einen Griechen von dem Strand erfahren haben. Die beiden sind genau wie ich auf dem Landweg gekommen, und wollen den Peloponnes umrunden. Wir wohnen sogar zufällig im selben Ort, und unsere geplante Reiseroute der kommenden Tage ist quasi deckungsgleich. Mehr Tiefe hat diese Geschichte gar nicht, aber ich finde es interessant, welche Zufälle es doch immer wieder so gibt.

Beim Starten des Wagens fällt mir zufällig die leuchtende Tankanzeige ins Auge. Die leuchtet anscheinend bereits länger, da die Reichweitenanzeige nur noch fünfzig Kilometer anzeigt. Ich habe auf dem Hinweg keine Tankstelle gesehen, eine detaillierte Suche in meinem Navigationssystem bestätigt dies. Zwischen mir und dem nächsten Treibstofflager liegen achtunddreißig Kilometer Asphalt und ein ernstzunehmender Berg.

Viel Schotter aber keine Tankstelle.

Nun klingt das im ersten Moment alles recht easy, da 50>38. In der Realität weiß ich aber nie, wie der Subaru seine Restreichweite kalkuliert. Mangels Alternativen fahre ich los. Nach knapp der Hälfte der Strecke ist die verbleibende Reichweite bei zwanzig Kilometern angelangt. Ein guter Zeitpunkt, langsam unruhig zu werden. Andererseits ist die höchste Stelle der Strecke bald erreicht, und abwärts verbraucht man bekanntermaßen kaum Treibstoff. Ich rolle im Tal mit null Kilometern auf der Reichweitenanzeige an die Tankstelle und stelle nach dem Tanken fest: Es waren immer noch fast drei Liter Benzin im Tank.

Diese Erkenntnis wird mich für die Zukunft noch weiter ermutigen. Irgendwann bleibe ich dann doch einfach mal irgendwo ohne Benzin stehen.

Zurück im Hotel dusche ich den Angstschweiß am Pool herunter, drehe noch eine Runde durch den Selbigen, und mache mich danach auf zum Abendessen. Wie immer bin ich für die Griechen viel zu früh, einige der Einheimischen sind um achtzehn Uhr ja noch beim Mittagessen. Wenn die zu Abend essen, schlafe ich vermutlich längst.

Mittlerweile bin ich zurück im Hotel, schreibe noch diese Zeilen ins Reisetagebuch, und werde gleich dem Hotelier die frohe Kunde bringen, noch einen weiteren Tag in seinem Etablissement auszuharren.

Einmal mehr blicke ich in Richtung Westen.

Morgen will ich dann die eigentlich für heute geplante Wanderung machen. Außerdem ist dann die erste Woche Urlaub vorbei, der erste Kassensturz und die Planung der nächsten Etappe stehen an.

Wird’s euch schon langweilig? Mir nicht! 🙂

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