06. Juli 2019 – Tag 5 – Meteora-Klöster und Portariá

Heute bin ich das erste Mal auf dieser Reise ohne Fremdeinwirkung aufgewacht. Kein versehentlich gestellter Wecker, keine kreischenden Mädchen, keine hungrigen Kinder. Nur ich, ausgeschlafen. Vor acht Uhr.

Samstag ist Reisetag, ich verlasse heute Thessaloniki und fahre weiter in Richtung Süden. Als Höhepunkt des Tages habe ich die Meteora Klöster bei Kalambaka eingeplant. Danach will ich nach Volos weiterfahren, und dort eine Nacht verbringen.

Nach dem Frühstück checke ich aus und laufe zur Tiefgarage. Die ist zwei Minuten Fußweg entfernt, auf der rückwärtigen Seite des Hotels. Dabei laufe ich nochmal kurz die 6-spurige Egnatia entlang, und stelle fest, dass ich mich jetzt doch ein wenig auf Ruhe freue.

Die Stephi wird sich besonders freuen: Der Subie steht immer noch an seinem Platz, und eine erste kurze Inspizierung ergab keine auffälligen Dellen im Blechkleid. 🙂

Zumindest ist die Temperatur um 8:30 Uhr noch angenehm: Nur 32 Grad!

Ich fühle mich von Tag zu Tag sicherer im chaotischen Straßenverkehr der griechischen Städte. Wo ich vorgestern noch ängstlich den Kopf eingezogen und gebremst habe, ziele ich mittlerweile selbstbewusst gestkulierend in jede eigentlich gar nicht vorhandene Lücke. Langsam verstehe ich, wieso die Griechen Spaß beim Autofahren haben.

Die Autobahn ist schnell gefunden und ich bin gute zweieinhalb Stunden später bereits in Kalambaka. Von dort geht es circa drei Kilometer bergauf, direkt zu den Meteora-Klöstern.

Sehr imposant. Das sollte man tatsächlich einmal im Leben gesehen haben.

Die Klöster habe ich ja schon oft im Internet gesehen. Auf den Bildern sehen die immer sehr abgelegen und schier unerreichbar aus. Man schreibt von Tagesmärschen für einen Aufstieg zum Kloster, undsoweiter. In Wirklichkeit verläuft eine echt gut ausgebaute Straße bis vor das Eingangstor jedes Klosters. Trotz Besucherandrang parke ich recht zentral und bin nach zwei Minuten am ersten Kloster. Nun bin ich ja gar nicht an einer Besichtigung der Innenräume interessiert, sondern will mir eher die Gebäude, die Architektur und die in die Landschaft eingebetteten Gebäude ansehen. Meiner Reisekasse kommt das sehr zugute.

Ich streife von Kloster zu Kloster, schleiche gefährlich nahe an die Felsabgründe für gute Fotos, und verschrecke höhenangstgeplagte Kollegen damit.

Eines der Klöster von Meteora. Einmal zu fest auf den Fußball treten, zwei Tage suchen.

Genug der Klöster, zurück im wohl klimatisierten Auto fahre ich weiter in Richtung Volos. Von Tag zu Tag komme ich weiter in den Süden. Man merkt das eindeutig an der Vegetation und an den Temperaturen. Am GPS auch. Endlich geht die Fahrt auch abseits von Autobahnen und Fernstraßen. Es ist ja nicht so, dass ich nicht gerne auf den kleinen Straßen fahren würde, nur gibt es davon auf meiner bisherigen Route einfach keine. Vermutlich ist das auch der Grund, weshalb mir alleine heute zwei Traktoren auf der Autobahn begegnen. Von einem konnte ich sogar ein Foto schießen. Der andere war ein Frontlader, jedoch statt mit einer Schaufel mit einer Gabel bestückt. Sehr beeindruckend.

Immer schön alle Halme bis zum Erdkern kürzen. Ein Traktor auf der Autobahn.

Volos ist keine wirklich alte Stadt. Hinzu kommt, dass ein Erdbeben in den 1950er Jahren nahezu die komplette Altstadt zerstört hat. Da kaum etwas zum Wiederaufbau getaugt hat, sind die meisten Gebäude ziemlich neu. Das versprüht dann gleich den Charme einer Retortenstadt. Ich muss allerdings zugeben, ein wirkliches Urteil kann ich mir nicht erlauben. Ich bin bisher nicht einmal ausgestiegen, sondern nur auf meinem Weg ins Hotel durchgefahren.

Meine Unterkunft liegt in einem kleinen Bergdorf namens Portariá. Laut Internet leben hier keine 1.000 Menschen.

Meine Unterkunft entpuppt sich als Geheimtipp. Es gibt einen Pool, das ganze Ambiente ist zauberhaft. Mein Zimmer liegt neben 7 anderen in einem alten Herrenhaus, ansonsten gibt es noch ein paar Suiten. Alles sehr überschaubar und gemütlich.

Man bringe mir einen Cocktail! Alleine am Pool, sehr angenehm.

Nachdem ich mich vom Pool überzeugt habe, flaniere* ich hinunter in den Ortskern, und teste die vom Hotelier empfohlene Taverne. Der Wirt serviert unverschämt gutes Bifteki mit Kartoffeln und Joghurt-Dip. Ich habe lange nicht so gut gegessen. Mit einer Vorspeise und Getränken bezahle ich 14 Euro.

Rückblickend bescheren mir diese Tage drei zusätzliche Kilo auf der Waage. Ich genieße jedes Einzelne.

Beim Rückweg ins Hotel beschließe ich spontan, einen Tag länger zu bleiben. Morgen einen halben Tag aktiv sein, und danach den Tag am Pool ausklingen lassen klingt nach einem guten Plan. Beim Chef des Hauses nachgefragt, kann ich meinen Aufenthalt problemlos um einen weiteren Tag verlängern, und erhalte sogar noch 10% Rabatt. Gastfreundlichkeit können die Griechen!

Nun sitze ich für den Rest des Abends im zauberhaftesten Hotelgarten, den ich seit Le Puy-en-Velay im Jahr 1985 gesehen habe (ich kann mich noch ganz dunkel daran erinnern, mit eine meiner ersten Kindheitserinnerungen). Gefühlt werden die Texte immer länger, ich werde mich ab morgen wieder etwas kürzer halten.

Es lässt sich aushalten. Die Lampe blendet nur auf dem Foto. Hier bleibe ich noch ein wenig länger.

* Davor muss ich aber noch kurz ein paar Worte zum “flanieren” verlieren. Ich will den Namen nicht inflationär verwenden, aber eine geschätzte Kollegin von mir hat vorgeschlagen, ich möge mir doch ein paar Podcasts mit auf die Autofahrt nehmen. Reisen soll ja bilden.

Nun habe ich in den letzten Tagen bereits einige Podcasts gehört. Vor allem auf den langen Autobahnetappen. Besonders im Gedächtnis geblieben ist mir “Lob des Flanierens”.

Geschwindigkeit ist das Gebot der Stunde. Möglichst schnell wollen wir uns von Ort zu Ort bewegen. Dem entgegen steht das Konzept des Flanierens: Es bedeutet Verlangsamung und Beobachtung; zweckfreies Gehen, umspült von der Eile der anderen – und eine besondere Lektüre der Stadt.

Das passt einerseits ganz gut zu meiner aktuellen Reiseform, dem Roadtrip. Zum Anderen bin ich auch jemand, der gerne bewußt und langsam umherschweift und beobachtet. Was den Flaneur (männlich) bzw. die Passanté (weiblich) ausmacht, und eben ein Lob des Flanierens, erfahrt ihr im Podcast SWR2 Wissen. Hört mal rein. Ganz bewußt.

Wir lesen uns vermutlich morgen. Gehabt euch wohl. 🙂

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