04. Juli 2019 – Tag 3 – Von Belgrad nach Thessaloniki

Die Nacht endet heute etwas früher als eigentlich geplant. Das liegt an zwei Dingen. Ich habe vergessen, meinen Arbeitswecker am Smartphone auszuschalten. Der klingelt um 4:25 Uhr. Den mache ich zwar gleich aus, aber um 5 Uhr wecken mich zwei quietschfidele und merklich angetrunkene Damen im Zimmer unter mir, als Sie aus Leibeskräften versuchen, alte Oasis Songs mitzusingen.

Nun, im Endeffekt bin ich sowieso ausgeschlafen. Ich verbringe den frühen Morgen damit, die wichtigsten Neuigkeiten auf CNN zu lesen, und packe bereits alles wichtige zusammen.

Nach der vorerst letzten Belgrade Badezimmer-Überflutung mache ich den Subaru reisefertig, begleiche die Hotelrechnung und bin pünktlich um acht Uhr in der Bar beim Frühstück. Unmittelbar danach startet die heutige Tagesetappe.

Die erste Herausforderung besteht darin, Belgrad ohne Blechschaden zu verlassen. Anscheinend schläft der Großteil der Verkehrsteilnehmer noch, zumindest wird wenig Gebrauch von der Hupe gemacht. Schnell bin ich auf der Autobahn und stelle fest dass ich noch tanken muß, wenn ich auch nur in die Nähe von Griechenland kommen will.

Am Ortsausgang finde ich eine Tankstelle, füttere den Subaru und bin dabei einen Moment unachtsam. Ich prüfe sonst im Ausland immer, welche Kreditkartenaufkleber an der Tür der Tankstelle kleben. Heute habe ich das vergessen. Beim Versuch zu bezahlen, weißt mich der Kassierer freundlich darauf hin, dass er ausschließlich American Express oder die Plastikkarte einer serbischen Postbank akzeptiert. Er deutet dabei nachdrücklich auf die beiden Aufkleber an seiner Glastür. Ihr dürft raten. Ich habe weder eine AMEX noch eine serbische Postbankkarte.

Zähneknirschend einigen wir uns auf Barzahlung in Euro, wobei er den schlechtesten Umrechnungskurs seit Menschengedenken anwendet.

Der Kassierer kann nun vermutlich zweimal feudal mit seiner Frau zum Essen gehen, ich verbuche das unter Lehrgeld, mir bleibt auch nichts anderes übrig.

Teure Raubtierfütterung am Ortsrand von Belgrad.

So holprig der Tag beginnt, umso ereignisloser verlaufen die übrigen 620 Kilometer. Die serbische Autobahn zwischen Belgrad und der mazedonischen Grenze ist jeden Cent an Maut wert, und steht einem deutschen Autobahn-Asphaltband in nichts nach. Sowohl der Grenzübertritt nach Mazedonien als auch der nach Griechenland verläuft problemlos.

Selbst von der Fernstraße aus betrachtet ist Mazedonien schön. Die Straßen sind auch gut.

An der mazedonisch-griechischen Grenze fahre ich versehentlich an einen Grenzposten, der an meiner Beifahrerseite liegt. Ich muss mich arg Strecken, um meinen Ausweis in Richtung Beifahrerfenster zu bugsieren. Der Grenzbeamte in seinem klimatisierten Häuschen hält nichts von ausufernden Bewegungen, zwinkert mir zu, winkt ab, und bittet mich, weiterzufahren. So einfach hatte ich mir die Ausreise aus Mazedonien nicht vorgestellt. Ich werde das im weiteren Reiseverlauf nun weiterhin testen,  und vorzugsweise rechtsliegende Grenzhäuschen anpeilen.

Nach ca. sechs Stunden Fahrt passiere ich das Ortsschild von Thessaloniki. Und wie es sich für einen Autoput-Fan gehört, fahre ich nicht über die Autobahn in die Stadt, sondern wähle die alte, ursprüngliche Route durch die Vororte. Gut, dass ich vorgestern bereits in Belgrad eine erste Lehrstunde in chaotischem Fahren erhalten habe. Die Griechen können das mindestens genau so gut. Hinzu kommt, dass es hier kaum Fahrbahnmarkierungen gibt. Ein breiter Streifen Asphalt soll laut Verkehrsfluss drei Spuren darstellen. Manchmal ist das dann eine Busspur, und manchmal wird eine Spur plötzlich zum Abbiegestreifen. Alles ganz ohne Markierung. Die Einheimischen wissen das einfach. Ich versuche, bei völliger Ahnungslosigkeit überlegen zu wirken, und verhalte mich im fließenden Verkehr möglichst unauffällig. Nur wenn ich an einer Ampel mal ganz vorne stehe, wird es für die anderen unterhaltsam. Letztendlich klappt aber alles wunderbar, und zur Krönung des Tages ist sogar direkt (!) vor meinem Hotel ein Parkplatz frei. Da darf man zwar nur Halten und nicht Parken, aber ich will ja sowieso nur kurz Einchecken. Danach verfrachte ich den Subaru in eine Tiefgarage. Die kostet 12€ am Tag, ist aber weitaus besser als die offene Straße.

Drei Sekunden nach dem Foto bin ich links vorbeigefahren. Irgendwie reicht der Platz immer aus.

Das Hotel “El Greco Superior” in der Engatio Avenue 23 in Thessaloniki ist ganz passabel, aber vor allem eben sehr zentral. Deshalb ist meine Wahl auf dieses Hotel gefallen. Das Zimmer ist klein, aber es hat Bett, Dusche und Toilette. Mehr brauche ich bei zwei Tagen Aufenthalt wirklich nicht.

Mein Hotelzimmer in Thessaloniki. Klein aber schick.

Nach dem Check-In und einer dreißigminütigen Rekonvaleszenz packe ich meinen Rucksack und mache mich auf in die City. Das geht zum Glück alles zu Fuß, die Wege sind erstaunlich kurz. Mittlerweile ist es 17:30 Uhr. Ich hatte irgendwie nicht auf dem Schirm, dass die Griechen in einer anderen Zeitzone liegen, als Deutschland. Irgendwo hat sich die Uhr um eine Stunde vorgestellt. Thessaloniki begrüßt mich mit 38 Grad, mir ist viel zu warm, und ich suche schnell Schutz in einem Café. Danach laufe ich weiter durch die Stadt, esse Fisch zu Abend und ehe ich mich versehe, stehe ich am Hafen inmitten von ein paartausend Menschen, die gespannt auf Alexis Tsipras warten.

Hafenstraße in Thessaloniki. 38 Grad, zum Glück tauchen ein paar Wolken auf.

Ein Polizist klärt mich auf, am Wochenende finden wohl Wahlen statt, und der griechische Premierminister ist noch auf Wahlkampftour. Tatsächlich taucht er dann wenig später auf, und versucht die Massen zu begeistern. Zumindest vermute ich das. Ich spreche ja kein Griechisch. Aber die Leute applaudieren, pfeiffen, jubeln und schwenken ihre Fahnen.

Hier will ich hin, seit ich Auf Achse Staffel 1, Folge 3 gesehen habe. Die thessalische Nacht.

Ich habe genug gesehen, und mache mich langsam auf den Rückweg ins Hotel. Unterwegs laufe ich direkt am Dubliners vorbei, eine recht einladende irische Bar. Zwei Guiness später setze ich meinen Weg fort. Zurück im Hotel kommt der Tag zum Ende, und ich tippe diese Zeilen hier.

Ein Absacker im Dubliner. Guinness schmeckt bei 35 Grad wie Karamalz.

Falls Euch die Beschreibung hier langweilt, ist das nicht schlimm. Im Laufe der Jahre nach meinen Urlauben lese ich diese Zeilen selbst ganz gerne. Ich verknüpfe damit mehr Erinnerungen, als mit Urlaubsfotos. 🙂

Morgen will ich mir mehr von Thessaloniki anschauen. Es gibt wohl eine Hop-on Hop-off Stadtrundfahrt. Die kostet 10€, ist aber laut Internet recht übersichtlich, was die Fahrtroute betrifft. Ich entscheide morgen spontan, ob ich laufe, oder mich doch lieber in den Bus setze.

Kaum hier, schon wieder verliebt. <3

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