Achtung. Dies ist ein Live-Urlaubsbericht, direkt vom Ort des Geschehens. Ob der teilweise langsamen bis fast nicht vorhandenen Internetanbindung, werde ich jegliches Fotomaterial erst nach meiner Rückkehr hochladen. Ich hoffe, ihr seid auch durch die geschriebenen Erlebnisberichte ein wenig unterhalten.

Um sieben Uhr erwache ich gefühlt aus dem Reich der Toten. Falls sich die Wiederaufstehung so angefühlt hat, dann war das ein krasses Erlebnis.

Die erste Erkenntnis des Tages ist, dass die Dusche – wie fast in jedem Hotelzimmer dieser Erde – das halbe Bad flutet. Ich möchte gerne wissen, wann man auf die Idee kam, das Fehlen einer Tür in der könnte en vogue sein. Ich dusche also mich, den Fußboden und die Toilette. Die Reinigungsfrau wird das bestimmt nicht wundern, die beschäftigt sich jeden Tag mit sowas.

Wann kommt mal der Innenarchitekt eines Hotels auf die Idee, die Servicekräfte mit in die Planungen einzubeziehen? Die wissen doch am besten, was funktioniert und was nicht.

Leider habe ich vergessen, wo es in meinem Hotel Frühstück gibt. Ich frage an der Rezeption und bekomme einen Frühstücks-Voucher für die Bar gegenüber. Auch irgendwie cool. 🙂

Dort bekomme ich Saft und Kaffee, und kann zwischen ca. 10 verschiedenen Frühstücksvarianten wählen. Die kontinentale Variante fehlt, aber das ist nicht schlimm, ich muss im Urlaub nicht unbedingt essen wie daheim. Ich entscheide mich für den French Toast mit frischen Früchten, und werde nicht enttäuscht. Der Blutzuckerspiegel ist danach definitiv im Normbereich, ich brauche einen zweiten Kaffee zum Nachspülen.

Die Temperaturen sind noch im Rahmen des Erträglichen, weshalb ich mich entscheide, zügig zu meiner Stadttour aufzubrechen. Vorher brauche ich noch ein paar Kleinigkeiten aus dem Auto, und bin gespannt, ob ich selbiges noch vorfinde. Alles andere hätte mich auch gewundert. Die Porsche-Dichte in Serbien ist höher als am Starnberger See, und auch sonst fahren hier mehr Mercedes S-Klasse Modelle und Audi S rum als daheim bei uns. Kurzum, der Subaru ist noch da, mein Mineralwasser im Kofferraum auch, auf geht’s also.

Tja, wohin eigentlich? Ich laufe tatsächlich erstmal drauflos. In Belgrad muss man sich nicht viele Gedanken darüber machen, was man sich gezielt anschauen möchte. Die Stadt verschluckt einen innerhalb von Minuten, und man wird eins mit ihr. Man treibt wie in einem Strudel durch die Gassen, an jeder Ecke neue Dinge, atemberaubende Architektur, der morbide Charme des Sozialismus vereint mit unzähligen Geschäften, Bars und Cafes. Tatsächlich lasse ich mich die ersten zwei Stunden einfach nur Treiben, und laufe nur einigermaßen in eine gedachte Himmelsrichtung.

Irgendwann stehe ich mehr zufällig vor dem Eingang des Nikola-Tesla Museums. Selbiges stand auf meiner Liste, also stelle ich mich in die Schlange, die bis weit vor das Haus (!) reicht. Leider bewegt sich auch nach 10 Minuten nichts, und ich erfahre, dass das Museum bereits überfüllt ist. Wir müssen warten, bis wieder einige rauskommen, erst dann quetscht man vorne neue Besucher hinein. Kennt man von früher aus der Disco.

Auch wenn ich total neugierig wäre, habe ich keine Lust, mich durch die Ausstellung schieben zu lassen, und werde mich später anderweitig über das Museum informieren. Die Belgrader sind schon sehr stolz auf den Nikola Tesla. Das Museum steht recht weit oben auf der Liste der Sehenswürdigkeiten, weshalb quasi jeder Belgrad-Tourist dort hin rennt. (Sieht man ja bei mir).

Ich laufe weiter, im Zick-Zack-Kurs durch die Stadt, weil ich immer wieder von anderen einladenden Gassen abgelenkt werde. Gut, und ausserdem scheitere ich einmal mehr kläglich an der Google Maps App, die verzweifelt versucht, mich zum früheren jugoslawischen Verteidigungsministerium zu lotsen.

Irgendwann schaffe ich es dann doch, und stehe vor einem recht großen, zerbombten Gebäude. Ich erfahre, dass das sogenannte “Building A” des damaligen Verteidungsministerium Jugoslawiens vor wenigen Jahren großteils abgerissen wurde, einige Teile stehen aber noch. Komplett erhalten, und direkt gegenüber ist das “Building B”, das ebenfalls dazu gehörte.

Vielleicht erinnert ihr Euch noch an Ende April 1999, als die NATO auf die Idee kam, man könne ja militärisch genutzte Gebäude in Serbien bombardieren. Ich habe das damals in der Tagesschau sehen, und für mich war das damals einer der Gründe, weshalb ich mich näher mit den Hintergründen des letzten Jugoslawienkrieges beschäftigt habe. Wiki hat als Einstieg einen wirklich interessanten Artikel zu dem Gebäude: Yugoslav Ministry of Defence building bei Wikipedia.

Als nächstes steht die Festung von Belgrad auf dem Programm. Das sind knapp 4 Kilometer zu Fuß, in dieser lebhaften und abwechslungsreichen Stadt ist jeder Meter davon eine pure Freude. Die Festung liegt am höchsten Punkt der Stadt, so wie es sich für ein Fortress gehört. Man kann die komplette Anlage auch besichtigen, ohne Eintritt dafür zu bezahlen. Man kann dann einige Gebäude nicht betreten, aber der Komplex ist derart umfangreich, dass ich das zeitlich sowieso nicht geschafft hätte.

Ich schlendere also durch das weitläufige Gelände, mache Fotos und setze mich an einen Hügel ins Gras, um das Panorama Belgrads zu genießen. Wenn ich später die Bilder dazu hochlade, werdet ihr verstehen, was ich hier gerade versuche, in Worte zu fassen. 😉

Nach der Besichtigung der Festung will ich eigentlich zurück ins Hotel, die Füße hochlegen und etwas Ausruhen. Einmal mehr zieht mich Belgrad wie eine der Sirenen in ihren Bann, und ich finde mich in der Fußgängerzone wieder, Kaffee trinkend und Menschen beobachtend.

Mit neuer Kraft drehe ich noch eine weitere Runde durch den Südteil der Altstadt und komme nach einer weiteren Stunde zurück ins Hotel. Zu diesem Zeitpunkt zeigt mein Schrittzähler 17,7 Kilometer an.

Nach einem weiteren kräftigen “Wasser marsch” im Badezimmer laufe ich in die Skadarlija, vergleiche einige Restaurants, und erinnere mich an den gegrillten Lachs, den ich am Vortag auf der Speisekarte des Three Hats gelesen hatte. Man erkennt mich wieder, ich bekomme unkompliziert einen Tisch und speise erneut göttlich.

Parallel fällt dann die Entscheidung, dass es an der Zeit ist, weiterzuziehen. Morgen verabschiede ich mich von Belgrad, und mache mich über Nordmazedonien auf den Weg nach Griechenland. Dabei werde ich weiter dem “Autoput” folgen, der mich hoffentlich in Thessaloniki ausspuckt. Dort habe ich für morgen Abend ein Hotel gebucht. Direkt am Hafen. Mit Parkplatz. Für viel Geld. Teuer sind die Griechen schon. Aber dazu mehr, sobald ich dort angekommen bin.

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