Achtung. Dies ist ein Live-Urlaubsbericht, direkt vom Ort des Geschehens. Ob der teilweise langsamen bis fast nicht vorhandenen Internetanbindung, werde ich jegliches Fotomaterial erst nach meiner Rückkehr hochladen. Ich hoffe, ihr seid auch durch die geschriebenen Erlebnisberichte ein wenig unterhalten.

Eigentlich will ich um 3:30 Uhr losfahren und den Wurm fangen. Die von der deutschen Presse vieltitulierte “Gluthitze” (mei, waren halt mal 35 Grad an einem Julitag) erschwert das Einschlafen im Gemach unter dem Dach. Ergo war ich erst gefühlte 10 Minuten vor dem Weckerklingeln eingeschlafen, weshalb ich den Alarm ausschalte.

Um 4:50 sitze ich dann doch im Auto, drücke den Startknopf, tüddle das Ziel ins Navi und freue mich über die nun folgenden 1.050 Kilometer bis nach Belgrad.

Die Fahrt ist ruhig und unspektakulär. Als Alleinreisender hat man im Auto sowieso nicht viel zu besprechen. Einmal halte ich zum Vignetten kaufen, ein andermal, um Treibstoff nachzufüllen. Dann, ganz plötzlich, werde ich von einer Sekunde auf die andere richtig müde, und erinnere mich an die Wort einer lieben Freundin “Wenn du müd’ bist, dann halt lieber mal ein paar Minuten an!”. Gesagt, getan, ich rolle auf den nächsten Parkplatz, halte in der Parkbucht und schlafe ernsthaft 5 Sekunden später ein. Das hatte ich so auch noch nicht. Tatsächlich reichen aber knapp 10 Minuten Power Napping, und ich bin wieder richtig fit.

Die noch folgenden 250 Kilometer nach Belgrad lege ich ausgeruht zurück. Die Wachsamkeit und Ausgeglichenheit brauche ich auch, sobald ich das Ortsschild von Belgrad passiere. Im Ausland auf Autobahnen und Schnellstraßen unterwegs sein ist das Eine, mit dem Auto in die Altstadt einer südosteuropäischen Millionenstadt vordringen, ist eine ganz andere Hausnummer.

Es kommt mir so vor, als würden die Serben weder am eigenen Leben denn an Besitztümern hängen. Außerdem ist die Verkehrsführung und Beschilderung (die Beschriftung ist eh kyrillisch) nicht wirklich intuitiv. Zum Glück lotst mich das Navigationssystem hervorragend, und ich habe einige Male richtig Glück, nach Bauchgefühl auf der richtigen Spur unterwegs zu sein.

Mein Hotel befindet sich in der Fußgängerzone, den Standort des zugebuchten Parkplatzes erfahre ich erst beim Check-In. Zum Glück kam der Besitzer des Privatparkplatzes, auf dem ich kurzerhand gehalten habe, nicht zu der Zeit zurück, als ich zu Fuß zum Hotel unterwegs war, um mir den Weg zum Parkplatz beschreiben zu lassen.

Das Hotel Bohemian Garni liegt direkt in der bekannten Skadarlija und ist scheint mir tatsächlich ein Geheimtipp. Von außen eher abschreckend, präsentiert sich das Hotel mit geräumigen, modernen und vor allem sauberen Zimmern. Die Angestellten sind bezaubernd, ich erhalte gleich beim Einchecken eine ausführliche Beschreibung von Belgrad, Sehenswürdigkeiten werden mit Kuli auf einer Karte eingekreist und ich bekomme die ein oder andere Anekdote über Belgrad erzählt.

Auf meine Frage, wo man gut traditionell serbisch zu Abend Essen kann, zückt die Hotelangestellte ihr Handy, wählt, diskutiert kurz auf serbisch und meint dann, sie habe mir im “Three Hats” einen Tisch reserviert. Der Laden sei wohl eines der ältesten Restaurants der Stadt, und sie verbürge sich persönlich dafür, dass mir schmecken wird, was auf dem Teller landet.

Nun, das was man immer über die Gastfreundlichkeit auf dem Balkan so liest und hört, trifft hier eindeutig zu.

Auch Marijas (das ist die Dame vom Hotel) Versprechen wegen des Abendessens bewahrheitet sich. Es gibt serbischen Salat und typisch serbische Cevapcici mit Kartoffeln und Brot. Wohl so wie die Serben das auch zu Hause essen. Mit einem Bier kostet all das weniger als 10 Euro. Besser habe ich lange nicht gegessen. Die fettige Unterlage kann da natürlich nicht ungenutzt im Magen schwimmen, weshalb ich noch mit einigen serbischen Bieren auffülle.

Davor starte ich noch einen kurzen Verdauungsspaziergang. Fragt mich nicht, wohin, ich kann hier ja kein Schild lesen. Entsprechend verlaufe ich mich trotz gutem Orientierungssinn früher oder später in dem Gewirr an Straßen und Gassen, und komme selbst mit aktiviertem Google Maps nur mit Mühe zurück zum Ausgangspunkt. Pünktlich zum Sonnenuntergang – hier unten schon etwas früher als bei uns in Deutschland – zeigt das Thermometer immer noch 36 Grad Celsius. Morgen soll es zum Glück ein bisschen abkühlen.

Nach gut 20 Stunden und fast 1.100 Kilometern falle ich todmüde ins Bett. Für den morgigen Tag habe ich mir viel vorgenommen. Ich will Belgrad zu Fuß erkunden, und habe eine Menge Sehenswürdigkeiten auf meiner Bucket List stehen. Mal sehen, was ich von Tag 2 berichten werde.

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