Die SEO-Agentur als Angstmacher

Es ist lange her, als ich zuletzt über Suchmaschinenoptimierung geschrieben habe. Dieser Blog hier ist vor mittlerweile knapp 10 Jahren als SEO-Spielwiese und Test-Zone entstanden. Durch eine anfängliche Portion Glück hat die Seite recht gut performt, sodass ich ab diesem Zeitpunkt nur noch gemäßigt optimiert habe, und hauptsächlich Onpage mit Keyworddichte und Keywords an sich experimentiert habe.

Danach wurden andere Blogs und Webseiten als Testkandidaten verwendet. Einige davon gibt es längst nicht mehr, die zugehörigen Domains wurden entweder böse verbrannt oder – weil erfolgreich aufgebaut – an Interessenten veräußert. Eine handvoll Blogs ist übrig geblieben, diese werden mehr oder weniger regelmäßig nach eigenem Gusto mit Inhalten versorgt.

Heute erreichte mich nach langer Zeit einmal wieder eine E-Mail von einer der größten deutschen SEO-Agenturen. Firmennamen oder Ansprechpartner werde ich nicht nennen, den Inhalt der E-Mail kann ich jedoch nicht unkommentiert stehen lassen. Hier die E-Mail in Auszügen:

Guten Tag Herr Neumeier,

auf Ihrer Domain “whoopster.de” haben Sie in der Vergangenheit Beiträge geschrieben, in denen Sie auf die Seite unseres Kunden … verlinkt haben.
Insgesamt handelt es sich um die folgenden Beiträge: [Aufzählung der Beiträge]

Unser Kunde hat uns beauftragt, Sie als Webmaster zu kontaktieren und um die Entfernung der Links zu bitten. Es würde uns freuen, wenn Sie dieser Bitte nachkommen und uns kurz darüber informieren würden.

Soweit so gut. Das verlinkte Unternehmen möchte nicht (mehr), dass ich URLs zu deren Webseite bei mir veröffentliche, und bittet mich darum, diese Links zu entfernen. Dies kann grundsätzlich ja verschiedenste Gründe haben. Meist will das Unternehmen ihr Linkprofil verändern, und sich dabei von eingehenden Links mit keinem / negativem Trust trennen. Früher nannte man das beispielsweise auch Bad Neighbourhood. Darauf, dass ein ausgewogenes, natürlich anmutendes Linkprofil auch diesen Part von Links beinhalten sollte, gehe ich hier nicht näher ein. Das weiß aber sicher auch die Agentur die mich heute kontaktiert hat – meine Links sollen halt jetzt weg, egal warum.

Im Normalfall bietet die Agentur / die Gegenseite an, mir für den entstehenden Aufwand für das Entfernen der Links eine Aufwandsentschädigung zukommen zu lassen. Auch bei mir ist Zeit letztendlich Geld, und genau wie die Agentur ihre Stundensätze an die Kunden abrechnet, kommt auch hier ein (Arbeits-)Auftrag zu Stande, der mit einer Kostennote belegt sein sollte.

Weit gefehlt!

Mit folgendem Absatz geht die E-Mail weiter:

Alternativ müssten wir das Google Disavow-Tool verwenden, um die Links entwerten zu lassen. Da sich das allerdings negativ auf Ihre Domain auswirken kann, ist es uns ein wichtiges Anliegen, Sie bereits vorher darüber zu informieren und Ihnen die Möglichkeit zum Entfernen der Links zu geben.

Es ist somit in beiderseitigem Interesse, wenn Sie uns aktiv bei der Entfernung der Links unterstützen würden.

Vielen Dank im Voraus und freundliche Grüße,

Vom Ablauf her ist auch das logisch; wenn ich die Links nicht entferne, will sich die Gegenseite von den eingehenden Links meiner Seite distanzieren – nichts anderes erledigt das Disavow-Tool.

Jetzt wird Angst verbreitet

“Sollte die Agentur zum Disavow greifen müssen, könnte sich das auch negativ auf meine Seite auswirken”. Damit wird Druck aufgebaut, ich möge doch die Links entfernen, sonst wird die große Keule geschwungen, und die kann dann auch weh tun wenn Sie mich trifft (rein metaphorisch).

Unterschrieben ist diese E-Mail durch einen Junior Digital Marketing Manager, dessen Name in der SEO-Szene spätestens nach kurzem googlen ein Begriff ist, und dieser sich durchaus darüber bewusst sein wird, dass hier nicht die Wahrheit geschrieben wurde.
Vielmehr macht es überhaupt keinen Sinn, dass sich ein Google-Disavow negativ auf die linkgebende Seite auswirkt. Grundsätzlich sind ja ausgehende Links auf einer Webseite nichts Schlechtes. Nur weil jetzt ein Unternehmen nicht (mehr) möchte, dass meine Links bei der Ranking-Beurteilung mit herangezogen werden, impliziert dies nicht automatisch, dass der durch mich gesetzte Link in irgendeiner Form falsch oder schlecht ist.

Anders gesagt, würden die Links von einer Spam-Seite auf die Seite des Unternehmens zeigen, würde ein ganz anderer Teil des Google-Algorithmus greifen, der mich als Webseitenbetreiber ggf. abstrafen würde.

Google-Disavow ist nicht negativ für die linkgebende Seite

Diese Überschrift ist gleich das Fazit. Genau so hat das in der Vergangenheit übrigens auch schon Matt Cutts von Google gesagt. Der Absender der E-Mail an mich weiß das vermutlich genau, spielt aber mit der Angst der Webseitenbetreiber, schätzungsweise um Geld zu sparen. Der Großteil der E-Mail-Empfänger wird tun wie ihm geheißen und Arbeits- bzw. Freizeit investieren, um kostenlos die Links entfernen.

Damit das nicht falsch rüberkommt: Freundlich gefragt, bin ich der Letzte, der einer solchen Bitte nicht nachkommt, auch unentgeltlich. Wenn aber mit der Anfrage gleichzeitig Druck aufgebaut wird, und unterschwellig damit gedroht wird, dass man auch zu anderen Mitteln greifen könne, die sich dann auch negativ auf die eigene Präsenz auswirken können, finde ich das ein unfaires, und intransparentes Gebaren. Was spricht dagegen, ehrlich zu sein?

Wie handhabt ihr das? Was ist Eure Meinung? Schreibt mir in den Kommentaren!

Die SEO-Agentur als Angstmacher
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