Das ominöse Päckchen…

Immer wenn ich Montag Abend die langgezogene Auffahrt zu meiner Werktagsvilla hinauffahre, halte ich kurz am ersten Tor und bin mir dabei nicht zu schade, selbst den Briefkasten zu leeren. Neben unzähliger Werbung für Schnellrestaurants und Kaviar-Lieferdienste liegt auch ein unscheinbares, weißes Päckchen im Briefkasten. Der darauf folgende Blick auf den Absender geht ins Leere, kein Adressat angegeben.

Sofort schießt mir das Anthrax-Packerl durch den Kopf, das ich seinerzeit 1997 in Tokio im Briefkasten hatte, Angst gepaart mit einem komischen Gefühl in der Magengegend macht sich breit. Im Wohnzimmer angekommen, beschließe ich auf die Polizei zu verzichten und das Päckchen selbst zu öffnen. Vorsichtig öffne ich das Paket seitlich, natürlich nicht ohne vorher mein Gesicht zu verdecken und meinen Mundschutz überzustreifen. Kurz nach dem Öffnen streichelt ein penetranter Frauenduft meine empfindliche Nase. Was ist das?

Ich öffne die beiden anderen Seiten der Verpackung und folgender Inhalt kommt zum Vorschein:

Das ominöse Päckchen

  • Ein einzelner halterloser schwarzer Damenstrumpf
  • Ein Jeton
  • Ein silberner Schlüsselanhänger
  • Ein Negativ
  • Ein handgeschriebener Zettel aus dem Neapel Grand Hotel

Dass das ganze Päckchen wirklich brutal nach Parfum riecht habe ich bereits erwähnt? Ich bin froh dass ich immer noch den Anti-Anthrax-Mundschutz umgebunden habe, und beginne zu lesen:

Hallo,
ich vergesse nie deinen Charme!

Ich weiß wie wichtig deine Arbeit ist, daher hier die Dinge die du bei mir liegengelassen hast.

Im nächsten Moment danke ich Gott dass dieses Päckchen an meine Werktagsadresse geliefert wurde, und nicht dorthin wo meine kürzere Hälfte die Post in Empfang nimmt. Mit viel Glück hätte ich gepackte Koffer vorgefunden, die Chance auf im Garten verstreute Klamotten wäre wahrscheinlicher gewesen. Ich lese nochmals die Passage “…die Dinge die du bei mir liegengelassen hast.“.

Ein Jeton aus dem Spielcasino – gut möglich, obwohl gewonnene Casino-Einsätze ansonsten unmittelbar von einem meiner Mitarbeiter in Bargeld umgetauscht werden. Den silbernen Schlüsselanhänger habe ich ob seines primitiven Glanzes im ersten Moment übersehen. Ich kann mich aber nicht erinnern, jemals in Neapel einen halterlosen Damenstrumpf getragen zu haben. Egal, der nächste Blick gilt dem Negativ, darauf ist eine URL abgedruckt.

Langsam dämmert mir, was da läuft, anscheinend will da jemand ganz listig auf seine Internetseite hinweisen. Nach Eingabe der URL finde ich mich in einem Onlinegame wieder. Ich soll irgendeine Agentin um die halbe Welt jagen, Ihr Geheimdokumente entlocken und was weiß ich noch was. Das erinnert mich gleich an meine Zeit Anfang der 90er Jahre. Wir (ich und mein Team) waren damals ganz große Klasse in Kolumbien und haben so ziemlich jedes Drogenkartell ausgehoben das sich damals herumgetrieben hat. Nach 10 Minuten gelangweilter Klickerei habe ich die Agentin irgendwo in Rio de Janeiro dingfest gemacht.

Während der 10-minütigen Weltreise wird dann auch das Geheimnis hinter der ganzen Aktion gelüftet – ein PR Gag für das neue Parfum MADE FOR MEN aus dem Hause Bruno Banani. Der ganze Spaß und die kurzweilige Schnitzeljagd ist mir dann tatsächlich einen Link zu Bruno Banani wert.

Trotzdem möchte ich nicht wissen, wieviele Lebensgefährten und Ehemänner am Abend nach der Arbeit das Paket von Ihrer Frau/Freundin um die Ohren bekommen haben. Spaß hin oder her, es gibt auf diesem Planeten die ein oder andere Furie, die bei sowas partout keinen Spaß verstehen will. Bei einer kurzen Internetrecherche habe ich auch niemanden gefunden, der bereits über die Aktion gebloggt hat, wahrscheinlich sind alle Blogger mittlerweile mit einem Messer im Rücken von Ihren Frauen im Gefrierschrank verstaut worden.

Oder lebt einer von Euch da draußen noch, der das Päckchen auch bekommen hat? Meldet Euch!

Das ominöse Päckchen…
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