Welches Konto nehm’ ich denn?

Tagesgeldkonten sind ja immer so ein Thema für sich. In den letzten Jahren habe ich immer wieder mal ein neues Konto angeschafft, immer aus dem Grund, die höchsten Zinsen abzugreifen. Vor einigen Jahren war ja die ING-Diba immer unschlagbar, da gab es in den zinsbesten Zeiten teilweise 5% aufs Tagesgeld. Auch die Volkswagenbank war nie schlecht und war vor allem aufgrund des stabilen Zinsniveaus immer ein Geheimtipp.

Mittlerweile liegt die ING-Diba bei 1,88%, die Volkswagenbank bei nahezu identischen 1,87%. Ein kleines Rechenbeispiel das Euch auch die Tränen in die Augen treiben soll. Angenommen man legt 10.000 Euro an und verzinst diese für ein Jahr.

Hier lässt sich ganz leicht ausrechnen dass es dafür noch vor einigen Jahren 500 Euro Zinsen p.a. gab, im Jahr 2012 nur noch läppische 188 Euro. Der Tragik nicht genug muss man ja mittlerweile auf Erträge auch eine sogenannte Abgeltungssteuer bezahlen. Die steckt der Staat ein. Das sind 25%, also ein Viertel der Zinserträge. Außerdem muß man für die 25% Abgeltungssteuer zusätzlich noch 5,5% Solidaritätszuschlag bezahlen.

Die Tatsache dass ich für meine versteuerten Zinsen auch noch Soli zahlen muß ist ein Paradoxum erster Güte. Der Solidaritätszuschlag wurde ja seinerzeit vor allem deshalb eingeführt, um nach der Wiedervereinigung die Neuen Länder zu unterstützen. Außerdem hat die Bundesrepublik Deutschland mit dem Soli die Operation Desert Storm finanziert, also den Golfkrieg im Jahr 1992/92. Seinerzeit war das völlig legitim, mittlerweile ist der Aufbau Ost abgeschlossen, und auch im Irak finden keine Kampfhandlungen mit deutscher Beteiligung mehr statt – außerdem sind wir ja schon wieder ein paar Kriege weiter.
Den “Soli” gibt es trotzdem noch. Der Bund gibt auch offen zu dass die Einnahmen nicht mehr zweckgebunden verwendet werden, sondern überall da, wo eben gerade Geld gebraucht wird. In Zeiten in denen dreistellige Milliardenbeträge nach Griechenland und Spanien fließen ist durchaus das ein oder andere Finanzloch zu stopfen, da bietet sich diese Refinanzierung ja super an.

Aber zurück zum Thema, eigentlich wollte ich über diese Zusatzabgaben gar nichts schreiben, aber vielleicht ist es ja für den ein oder anderen interessant zu wissen, was mit dem sauer gesparten Geld passiert. Eigentlich bin ich ja auf der Suche nach einem einträglicheren Tagesgeldkonto.

Seit einiger Zeit ist hier die Royal Bank of Scotland mein heimlicher Favorit. Anfangs war ich noch etwas verschreckt, mein Geld bei einer “schottischen” Bank anzulegen. Dank Einlagensicherung der Bundesrepublik Deutschland die auch für diese Bank gilt, ist die erste Angst schon genommen. Wirft man dann einen Blick auf die nackten Zahlen der RBS, macht man große Augen. Die Royal Bank of Scotland verfügt über knapp 150.000 Mitarbeiter und gehört zu den größten Banken weltweit. Und im Bereich Tagesgeld werden immerhin (Stand Juni 2012) 2,4% Zinsen geboten!


www.bankofscotland.de


Machen wir also nochmal unsere Beispielrechnung mit den 10.000 Euro:

  • Volkswagenbank: 1,88% = 188 Euro p.a. | Nach Abzug der Abgeltungssteuer bleiben 141 Euro | Nach dem Soli letztendlich knapp 139 Euro
  • Royal Bank of Scotland: 2,40% = 240 Euro p.a. | Nach Abzug der Abgeltungssteuer bleiben 180 Euro | Nach dem Soli letztendlich knapp 177 Euro

Schaufelt man also sein Tagesgeld zur RBS hätte man jährlich einen Mehrertrag von 38 Euro. Ob sich das lohnt muß jeder für sich selbst entscheiden. Momentan ist der Anreiz noch etwas höher, da die RBS aktuell noch bis zum 30.06. dem Konto einmalig 30 Euro gutschreibt. Wären dann schon 68 Euro – immer vorausgesetzt man kann das Konto mit 10.000 Euro befüllen. Aber mit Taschenrechner kann sich das ja jeder individuell ausrechnen.

Fazit dieses Ausflugs in die Welt der Zinskonten: Vergleicht beim Tagesgeld stetig, legt Euch nicht jahrelang auf ein Kreditinstitut fest, sondern wechselt wann immer es euch finanziell sinnvoll erscheint. Letztendlich haben alle renommierten Tagesgeldanbieter keine Kontoführungsgebühren – da tut es auch nicht weh wenn man 5 Tagesgeldkonten hat, und das Ersparte immer dorthin transferiert, wo momentan die besten Zinsen offeriert werden. Selbst das Einrichten des Kontos geht ja mittlerweile online und ist nicht aufwendig, das Umbuchen des Geldes dauert nur wenige Minuten.

Welches Konto nehm’ ich denn?
Markiert in:                         

3 Gedanken zu „Welches Konto nehm’ ich denn?

  • 17. Juni 2012 um 13:21
    Permalink

    Bank of Scotland nicht mit der RBS (Royal Bank of Scotland) verwechseln!

    Beide Banken haben überhaupt nichts miteinander zu tun. Das günstige Tagesgeld-Angebot kommt von der Bank of Scotland, einem Unternehmen der britischen Finanzgruppe Lloyds TSB. Die Bank of Scotland ist aber trotzdem sehr zu empfehlen. Die Einlagen sind gesichert durch die britische Einlagensicherung und zusätzlich durch den Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken geschützt.

  • 21. Juni 2012 um 09:08
    Permalink

    Abgeltungssteuer zahlst Du ja erst ab dem 801ten € Zinsertrag. Und Du kannst (sinnvollerweise) die Abgeltungssteuer bei der Steuererklärung mit deinen anderen Steuern verrechnen so das du nur deinen, im normalfall günstigeren Steuersatz, bezahlst.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.