Ich werd’ jetzt auch Influenza!

Keine Angst, ich bin nicht erkrankt, und ihr holt Euch beim Lesen dieser Zeilen auch keinen Virus. Vielmehr haben sich ein paar Gedanken in meinem Hirn angestaut, die ich unbedingt irgendwo verewigen will. Es geht um die Gattung der sogenannten Influencer, Ambassadors und Evangelists.

Was sich im ersten Moment liest wie eine Krankheit bzw. deren Überträger, soll eigentlich etwas ganz hippes bedeuten. Werfen wir trotzdem einen kurzen Blick auf die Erkältung:

Influenza, veraltet: Grippe ♦ aus ital. influenza „Einfluss“, übertr. „Grippe“, über mlat. influentia „Einfluss“ aus lat. influens, Part. Präs. von lat. influere „hinein–, einfließen“; in Italien wurde die Bezeichnung seit dem 14. Jh. vor allem für epidemische Krankheiten verwendet, die man durch den Einfluss der Gestirne verursacht glaubte, später schrieb man die Ursache dem Einfluss der Kälte zu, und der Name ging dann auf die Krankheit über, die man heute „Grippe“ nennt und die meist mit Erkältung verbunden ist.

Also doch kein gefährliches Virus, sondern ein Beeinflusser. Influencer begegnen einem im Moment im Internet an jeder Ecke. Jeder meint, irgendetwas beeinflussen zu wollen, zu können oder zu dürfen. Gefühlt nennt sich jeder Zweite mit mehr als 30 Instagram-Followern ‘Influencer’, wer einen Youtube-Kanal hat, klebt sich dieses Badge von Hause aus ans Revers, unabhängig von der Zahl der Zuseher.

Die “nicere” Variante des Influencers ist der Ambassador. Der <<Äämbässador>> ist der Botschafter eines Produktes oder einer Marke. Früher hieß das tatsächlich auch einfach nur “Botschafter”. Mein Vater beispielsweise ist offizieller Botschafter unseres Heimat-Landkreises (Ja, auch sowas gibts). Das ist in seinem Fall komplett offline, er repräsentiert quasi (unentgeltlich) den Landkreis.

Sich auskennen, ein schönes Gesicht machen und ein wissentlich völlig überlegenes Auftreten auch bei absoluter Ahnungslosigkeit sind die Hauptaufgaben eines Ambassadors. Kurzum: Eigentlich genau der richtige Job für mich! 🙂

Eine Spur agressiver agiert der Evangelist, neudeutsch <<Iwändschelist>> gesprochen. Er ist, wie die wörtliche Übersetzung vermuten lässt, als Prediger bzw. Missionar unterwegs. Hier kommt quasi neben dem stets freundlichen Lächeln noch eine gehörige Portion Überzeugungskraft und die Fähigkeit, sich selbst und andere für etwas zu begeistern dazu.

Influencern, Ambassadors und Evangelists begegnet man mittlerweile allerorten, aber gegeben hat es diese Spezies schon seit jeher. Früher agierten jene vorwiegend an Stammtischen oder bei der Ausübung von Alltäglichem.
Wir erinnern uns an den renitenten Großvater, der am Sonntagvormittag bei einem Weißbier seine Stammtischfreunde lautstark von der eigenen politischen Partei überzeugen wollte.
Oder die Mama, die beim Kaffeekränzchen mit Ihren Freundinnen die neueste Tupperware-Kollektion in den Himmel gelobt hat. Und nicht zuletzt der Papa, der Samstags bei der Fahrzeugwäsche sein vom eisernen Ersparten gekauftes Automobil lobte und stets von der Servolenkung und dem rechten Aussenspiegel geschwärmt hat…! “Ja, wenn du sowas willst, da musst du dir schon einen Mercedes kaufen!”

Den Gedanken weiterverfolgt, haben Unternehmen bei Ihren Produkten früher öfters mit Qualität überzeugt, und damit indirekte Beeinflusser, Botschafter und Missionare geschaffen. Ohne aktiv auf Personen zuzugehen, mit dem Geldbeutel zu winken und um überzeugende “Werbung” zu bitten – also die Beiträge bei denen dann [Sponsored Post] drunter steht, und der Leser/Zuhörer/Zuseher sich am Ende nicht so sicher ist, ob nun aus eigener Überzeugung oder doch wegen dem schöden Mammon gebotschaftet wurde.

Ich wünsche mir wieder mehr Ideen “da draußen”, mehr Dinge, die mich vor Begeisterung nicht auf dem Stuhl halten, und weniger Einheitsbrei, weniger Austauschbares. Oder stimmt es doch, dass früher alles besser war? Ich freue mich auf Eure Kommentare! 🙂

Ich werd’ jetzt auch Influenza!
Markiert in:             

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Pin It on Pinterest