Gelungene Online-Geschäftsmodelle, oder: Ein Shop allein reicht nicht!

Es gibt unglaublich viele Menschen, die entweder unglücklich in Ihrem Angestelltenverhältnis sind, aktuell nicht über eine Arbeitsstelle verfügen, oder einen Tapetenwechsel in Form eines anderen beruflichen Tätigkeitsfeldes suchen.
Beim Ausloten des zukünftigen Traumjobs wird immer mehr ein Blick in den Onlinebereich geworfen und es stellt sich die Gretchenfrage „Wie kann ich online viel Geld verdienen, ohne mir vor lauter Arbeit ein Bein auszureißen?“.

Die simple Antwort: Gar nicht!

Hinter jedem funktionierenden Online-Geschäftsmodell steht erst mal eine gute Idee, die sodann von den Gründern mit viel Energie und Eigeninitiative umgesetzt wird. Entweder realisiert man seine Geschäftsidee in der sprichwörtlichen „Garage“, oder man hat das Glück, Investoren zu finden, die den Einstieg ins Business gleich eine Stufe höher ansetzen lassen.

In meinem konstruierten Beispiel spreche ich jetzt einfach mal von einem Online-Shop. Nehmen wir Frau Meier, die in Ihrer Freizeit gerne Socken strickt, und diese zukünftig im Internet feilbieten will. Ihr werdet bereits nach diesem Einstieg merken, dass wir von einer durchaus interessanten Idee sprechen, die Umsetzung jedoch nicht zu unerschöpflichem Reichtum führen wird!

Warum? Im Idealfall glühen Frau Meiers Stricknadeln, der Online-Shop steht, und Verwandte und Bekannte kaufen die Bestände leer. Mit etwas Glück spricht sich Frau Meiers Sockenshop noch etwas weiter in der Szene herum, Frau Meier expandiert Ihre Sockenproduktion und generiert somit ein durchaus einträgliches Onlinebusiness.

Nun, eigentlich klingt das alles nach einer völligen Zielerfüllung. Das ist aber nur die halbe Wahrheit, denn:

Onlineshops und somit Onlinebusiness-Modelle wie die von Frau Meier gibt es wie Sand am Meer – quasi das klassische Shopsystem das einem oder zwei Menschen ein Auskommen sichert. Nun strebt der Mensch aber stets nach Höherem, und genau hier ist nun die Erfolgsschraube anzusetzen, und ich komme auch zu meiner eingangs erwähnten Aussage „Ein Shop allein reicht nicht!“

Zalando LogoDas schönste – und momentan in Deutschland wahrscheinlich bekannteste – Beispiel hierfür ist die Firma Zalando. Nicht auszudenken wenn Zalando ein Onlineshop nach dem klassischen Muster wäre: Onlineshop – 20 Paar Schuhe am Tag verkaufen – fertig.
Es wäre weder nachhaltiger Erfolg zu verzeichnen, noch würde die Mehrzahl der Deutschen die aufgebaute Marke kennen. Was also hat Zalando anders gemacht als viele andere klassische Shopsysteme?

Man muss an dieser Stelle sagen dass sich um die Unternehmensstruktur der Firma Zalando mehr Mythen ranken als um den Heiligen Gral, trotzdem lassen sich einige Fakten klar darstellen. Die interessantesten Fakten die Zalando vom Mitbewerb abheben und Zalando damit zu einem erfolgreichen Online-Geschäftsmodell machen, nun in folgender Liste:

  1. Geld zum Start – Das Unternehmen Zalando hat den Vorteil, solvente Investoren im Boot zu haben, die die Firma gerade am Anfang mit dem nötigen Startkapital versorgt haben. Dadurch konnte der Markt sofort in einem ganz anderen Stil und Umfang angegangen werden.
  2. Erst Schuhe, dann alles – Zalando ist mit einem beschränkten Sortiment – wir erinnern uns: Schuhe! – gestartet, dies aber mit dem Plan, das Sortiment möglichst schnell zu expandieren. Nachdem ein gewisser Bekanntheitsgrad erreicht war, wurde das Sortiment stets ausgebaut.
  3. Gesunder Sortimentsmix– Hier gilt es einfach, nach dem gesunden Menschenverstand vorzugehen. Ganz am Anfang gab es Schuhe, diese wurden vorwiegend von Frauen gekauft. Warum also den weiblichen Kunden nicht auch gleich noch ein Kleidchen unterjubeln, und am besten noch die passende Tasche? Richtig – funktioniert bei Frauen wunderbar. Da Frauen mit Neuigkeiten natürlich nur selten hinter dem Berg halten können, kam zwangsläufig auch die Männerwelt in Kontakt mit Zalando. Genervt vom  stetigen „Ach Zalando ist ja so toll“ Geheule der Damenwelt schaute daraufhin auch der ein oder andere Mann interessehalber in den Zalando-Shop, und wenn es nur deshalb war um zu sehen, wohin das sauer verdiente Geld jeden Monat verschwindet.Was macht Zalando – Sie reagieren und bieten nun auch Artikel für Männer, hier am besten Sportartikel die sich momentan sowieso absolut einfach verkaufen lassen. Fazit: Damit sind bereits zwei große Zielgruppen abgeholt: Frauen und Männer der verschiedensten Altersstufen, onlineaffin und mit entsprechend großem Geldbeutel.
  4. Ahhhhhhhhhhhhhhhhhhhh! – Werbung. Dieser Umstand ist natürlich ein wenig den Investoren von Punkt 1 geschuldet. Aber Zalando hat erkannt: Wer bekannt werden will muss der ganzen Welt erzählen dass es ihn gibt. Und das nicht so wie 10.000 andere Firmen, sondern so dass es im Hirn haften bleibt. Ob positiv oder negativ ist im ersten Schritt zweitrangig. Wichtig ist, dass mittlerweile ein Großteil der Deutschen den berühmten Schrei mit der Marke Zalando verbindet.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Für ein wirklich gutes und funktionierendes Geschäftsmodell braucht man in 99,9% der Fälle mehr als eine gute Idee. Die 4 Faktoren sind:

Idee – Geld – Aufbaustrategie – Vermarktung

Zalando hat an dieser Stelle in meinen Augen bisher alles richtig gemacht, was zugegebenermaßen durch finanzstarke Investoren natürlich immer leichter ist wie beim eingangs erwähnten Beispiel mit dem Sockenshop von Frau Meier. Trotzdem gehört auch zu genügend Geld eine passende Strategie und geschickte Vermarktung um innerhalb so kurzer Zeit einen derart hohen Bekanntheitsgrad zu entwickeln. Man lasse sich auf der Zunge zergehen: Gründung der Zalando GmbH war im Jahr 2008!

Gelungene Online-Geschäftsmodelle, oder: Ein Shop allein reicht nicht!
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7 Gedanken zu „Gelungene Online-Geschäftsmodelle, oder: Ein Shop allein reicht nicht!

  • 26. Juni 2012 um 11:05
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    Ja, es ist verblüfft wie die Marke Zalando geschaft hat, sich durchzusetzen. Zalando kennt jeder. Kaum zu glauben, dass die Firma erst vor 4 Jahren angefanten hat.

  • 18. Juli 2012 um 19:09
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    Heutzutage braucht man nicht lange, um bekannt zu werden. Wenn man ein wenig Geld hat und dies geschickt in Werbung steckt, ist man sehr schnell bekannt. Jedoch ist es schwierig sich gegen Konkurrenz zu behaupten. Zalando ist zwar bekannt und hat viele Kunden, jedoch verdient das Unternehmen nicht wirklich viel, obwohl sie einen sehr hohen Umsatz haben.

  • 20. Juli 2012 um 14:07
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    Eine Frage zu Zalando sei erlaubt: welche Perspektive hat Z? Wird die Firma jemals Geld verdienen? Das jetzige Modell basiert ja darauf, dass die Werbung durch Anteile an der Firma bezahlt wird. Doch diese Methode (andere würden Masche sagen) funktioniert nur befristet.

  • 13. August 2012 um 09:54
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    So wie ich gehört habe, hat das Unternehmen zu jeden Jahresabschluss rote Zahlen geschrieben. Ob das ein Vorbild-Modell ist – ist wohl fraglich! Auch die Beschäftigungs Moral ist wohl nicht das Gelbe vom Ei.

  • Pingback:Die Geheimnisse hinter der Firma Zalando | Whoopster

  • 17. Oktober 2012 um 11:09
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    Da kam doch vor Kurzem erst eine Reportage – ‘Hinter den Kulissen von Zalando’ – fand ich sehr interessant! Was für Arbeiter aus angrenzenden Ländern ein sehr guter Verdienst ist, gilt für deutsche MAs als Hungerlohn..
    Verwunderlich finde ich an dem Geschäftsmodell “Onlinehandel” die schon vorher einkalkulierten Rücksendungen – Mitarbeiter die nur dafür zuständig sind, zurück geschickte Ware zu überprüen, neu zu etikettieren und wieder einzupacken – bei dem Warenumschlag schon Wahnsinn!

  • 18. Oktober 2012 um 09:42
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    Hallo Sven,
    ja, die Reportage habe ich auch gesehen und mir hat es die Nackenhaare aufgestellt. Das Thema Rücksendungen ist wirklich verwunderlich, es ist unvorstellbar dass dieser Kostenfaktor schon in den Verkaufspreis einkalkuliert ist – Wahnsinn welche Margen es in diesem Sektor noch geben muß.
    Ich denke, das Unternehmen Zalando weiterhin zu beobachten wird sicher noch interessant, sei es für den klassischen BWLer oder den Onlinehändler.

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