Das Druckereisterben und die Folgen

Nachdem es vor einigen Wochen im Kreis Nürnberg wieder mal eine alteingesessene Druckerei sprichwörtlich „zerlegt“ hat – ein Insolvenzantrag war unvermeidbar – habe ich mich mal etwas zu der Thematik belesen.

Den Druck salonfähig machte vor mehr als 550 Jahren Johannes Gensfleisch – besser bekannt unter dem Namen Johannes Gutenberg (vorstehender Fakt ist übrigens noch aus der Schule hängengeblieben, wahrscheinlich weil ich den Namen Gensfleisch seinerzeit besonders witzig fand). Über 500 Jahre erging es der Druckindustrie bestens, das Medium Print war das Maß der Dinge. Bis irgendwann das böse Internet ins Spiel kam. Das Internet ist ja eigentlich an allem schuld.

Ich erinnere mich noch, als wir vor ca. 8 Jahren die ersten Flyer für unser Zündholzmuseum drucken ließen. Es gab einen knallharten Preisvergleich, und für die 1.000 Flyer waren wir der Druckerei damals 468 Euro schuldig – ich habe gerade die Rechnung dazu herausgekramt. Das Design haben wir damals selbst erstellt, alles ganz hübsch im Photoshop-Format, das der Mitarbeiter der Druckerei in sein Apple taugliches Format umgewandelt hat.

Mittlerweile schreiben wir das Jahr 2014, und alle die heute einen Flyer drucken lassen wollen, gehen dazu nahezu identisch vor. Anbietervergleich – Design am PC erstellen – zur Druckerei geben. Mit dem Unterschied dass alle Arbeitsschritte heute online erledigt werden. Dieselbe Menge Flyer – 1000 Stück – kosten übrigens heute in der Onlinedruckerei meines Vertrauens 19,90 Euro.

Das sind sage und schreibe 466,10 Euro weniger als noch im Jahr 2006. Ich mache keinen Hehl daraus dass ich meine Flyer natürlich online drucken lasse und mir bei dem oben genannten Kampfpreis die Hände reibe. Trotzdem frage ich mich, wo genau hier der Fehler liegt. Dass das Papier so viel günstiger geworden ist, glaube ich nicht. Die Druckmaschinen ebenso wenig, der Strompreis ist ebenfalls gestiegen – lediglich die Personalkosten werden in so mancher Druckerei mehr oder weniger gleich geblieben sein. Somit irgendwie alles keine Anhaltspunkte die eine Preisdifferenz von 466 (!) Euro rechtfertigen würden.

Waren die Druckereien früher mit Ihren Printmedien, Tageszeitungen usw. derart ausgelastet dass Sie so hohe Preise verlangen konnten? Und gibt es heutzutage einen derartigen Leerlauf der Druckmaschinen, dass für niedrigste Beträge die Onlinedruckereien um Aufträge gebeten werden? Oder wird ganz anders ein Schuh draus? Die Onlinedruckereien verfügen über eigene Druckmaschinen – die sie im Idealfall aus der Insolvenzmasse einer konventionellen Druckerei herausgekauft haben? Aber auch die brauchen Strom, Personal, Wartung, eine Halle über dem Kopf etc. pp.

Ich kann mir das auch nach reiflicher Überlegung nicht wirklich erklären – falls Ihr mehr wisst meldet Euch doch mit einem Kommentar!

Das Druckereisterben und die Folgen
Markiert in:             

2 Gedanken zu „Das Druckereisterben und die Folgen

  • 11. September 2014 um 12:35
    Permalink

    Die spezialisierten Onlinedruckereien sind so weit automatisiert, dass sie tatsächlich diese Preise anbieten können. Der Flyer-Auftrag kommt mit anderen Druckaufträgen auf eine Sammelform, das macht es deutlich günstiger als für jeden einzelnen Auftrag eigene Druckplatten herstellen zu müssen. Und dein Online-Auftrag ist schon die fertige Druckdatei, während vor acht Jahren noch ein Mitarbeiter der Druckerei dransaß. Bei den Druckmaschinenherstellern sind die großen Onlinedruckfabriken gern gesehene Kunden, die kaufen nicht aus Konkursmasse und werden von Jahr zu Jahr größer.

  • Pingback:Wie arbeiten eigentlich Onlinedruckereien? | Whoopster

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.