Zum Fernmeldeturm auf dem Hohen Bogen mit dem Rad

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Heute will ich endlich die Bilder meiner Radtour zum ehemaligen ELOKAT / Fernmeldeturm auf dem Hohen Bogen zurechtschnipseln, und kurz was über den Berg und die unzähligen Geschichten des Fernmeldeturms kundtun.

Das sportliche Event ist eigentlich ziemlich flott erzählt. Erst bin ich mit dem Auto zum letzten Parkplatz unterhalb der Diensthütte gefahren, habe mein Bike ausgepackt und bin von dort aus auf den Gipfel geradelt – bis zu den beiden imposanten Fernmeldetürmen, die wie ein Mahnmal des kalten Krieges auf dem langen Rücken des Hohen Bogen stehen und jeden an die Zeit erinnern, als “dahinter” die Grenzen noch dicht waren, und quasi “der Feind” dahinter saß. Den Gipfel habe ich mit einer Zwischenpause – um meinen Puls zu beruhigen – erreicht, die Abfahrt vom Berghaus zum Parkplatz gestaltete sich entsprechend einfacher – obwohl ich ob der niedrigen Temparaturen unten durchgefroren war.

Nun zum eigentlich interessanten Teil dieses Beitrags – den zwei Türmen die auf dem Hohen Bogen stehen. Zumindest einer der beiden Türme begleitet mich seit meiner Geburt – der Blick aus dem Fenster meines Kinderzimmers führte direkt zum “Turm”. Dieses für mich geheimnisvolle Bauwerk strahlte somit seit jeher eine gewisse Bedrohung aus, ich hatte immer Respekt vor dem Turm.

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Nun aber zu den Fakten:

Allgemeine Infos zum Berg Hoher Bogen findet Ihr bei Wikipedia. Bei dem Fernmeldeturm handelt es sich um einen sogenannten NATO-Horchposten. In der Zeit des Kalten Krieges waren dort neben Angehörigen der Bundeswehr auch US-amerikanische und französische Einheiten stationiert. Ihr Ziel war es, den “Feind im Osten” möglichst genau zu beobachten, und sämtlichen erreichbaren Funkverkehr der Tschechoslowakei möglichst detailliert abzuhören und zur Bewertung an die höheren Stellen weiterzugeben.

Die meisten im Turm stationierten Bundeswehrsoldaten kamen aus der näheren Umgebung, also dem Landkreis Cham bzw. dem Altlandkreis Kötzting. Auf dem Turm galt die höchste Geheimhaltungsstufe. Niemand – nicht einmal die Ehefrauen der Soldaten – wußten was dort oben vor sich ging. Die Soldaten gehörten zum Fernmeldesektor F, der in der Hohenbogenkaserne in Kötzting stationiert war. 2004 wurde die Kaserne aufgelöst, ziemlich schnell haben sich einige Soldaten um einen Erhalt des Wissens und der Tradition um die Kaserne und den Fernmeldesektor F bemüht, und den Traditionsverein Hohenbogenkaserne ins Leben gerufen.

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Dieser Verein wird von absoluten Enthusiasten geführt. Ich war im Rahmen des Pfingstfestes in Bad Kötzting in der Ausstellung der militärhistorischen Sammlung. Dort befindet sich ein Großteil der Anlagen, die im Fernmeldeturm auf dem Hohen Bogen Verwendung fanden. Liebevoll zusammengestellt und teils mittels Computersimulation wieder zum Leben erweckt kann man sofort in das damalige Abhörgeschehen eintauchen. Der erste Vorsitzende Hans Treml hat mir und meiner Freundin am Pfingstmontag ca. 90 Minuten mit viel Liebe zum Detail erklärt wie das Abhören “auf dem Turm” damals abgelaufen ist, und damit mein Turmfieber wieder geweckt. Wer einmal in der Nähe von Bad Kötzting ist, dem lege ich diese Ausstellung sehr ans Herz.

Früher war das Fotografieren der militärischen Anlagen natürlich strengstens untersagt!

Früher war das Fotografieren der militärischen Anlagen natürlich strengstens untersagt!

Auch architektonisch ist der Fernmeldesektor-Turm ein Highlight, nähere Infos dazu gibt es unter anderem bei lostplaces.de. Bei lostplaces.de ist auch erklärt, dass es insgesamt 5 dieser Fernmeldetürme gab:

Mitte der sechziger Jahre errichtete die Bundeswehr, verteilt über das damalige Westdeutschland, mehrere sich ähnelnde Funkaufklärungsanlagen mit praktisch baugleichen Türmen. Diese bereits 1960 geplanten, sogenannten Fernmeldesektoren-Türme der Luftwaffe (FmTürmeLw) bildeten eine Art”Perlenkette” entlang der deutsch-deutschen bzw. deutsch-tschechischen Grenze und waren mit Buchstaben gekennzeichnet.

Mit dem Ende des Kalten Krieges wurden die Anlagen von heute auf morgen nutzlos. Der Feind war kein Feind mehr, und es bestand auch kein Anlass mehr, die “neuen Freunde” aus dem Osten weiterhin abzuhören. So wurden im Laufe der Zeit sämtliche Funkanlagen aus den Türmen entfernt und überdies im Jahr 2004 die komplette Hohenbogenkaserne geschlossen.

Durch die Schließung des Turms stand der Landkreis Cham vor dem nächsten Problem. Der Turm wurde nicht mehr durch die Bundeswehr genutzt, weshalb das Areal nun brach lag. Interessant ist, dass sich das komplette Grundstück inmitten eines Naturschutzgebietes befindet, inklusive der Zufahrtswege zum Turm. Lange hat der Landkreis abgewogen, ob ein Rückbau oder eine zivile Verwendung sinnvoller ist.

Nach langem Hin und Her wurde der Turm inklusive dem ganzen Areal an den 29-jährigen Michael Schreiner verkauft. Dieser will die Türme zu einer Wellness-Oase umgestalten. Der Bayerische Rundfunk hat sich des Themas bereits angenommen und ausführlich darüber berichtet:

Der Ort ist gedacht zur Erinnerung, aber auch als Wellness- und Entspannungsoase hoch über den Wipfeln des Bayerischen Waldes.
Bereits 2009 soll der 75 Meter hohe Hauptturm zum Panoramarestaurant und -cafe umgebaut werden mit Aussichtsplattform und gläsernem Außenaufzug.
Geplant ist außerdem eine Hotelanlage für gehobene Ansprüche mit großem Wellnessbereich und Swimmingpool auf dem Dach.
In einem weiteren Gebäude sollen einfache Selbstversorger-Unterkünfte für Jugendliche und Schulklassen entstehen.
Als Kernstück der Anlage ist ein zeitgeschichtliches, grenzüberschreitendes Museum gedacht. Dafür will Michael Schreiner einen Teil der Anlage im Originalzustand als Spionage- und Abhörmuseum herrichten. [Hier der gesamte Artikel auf BR-online]

Wir schreiben aktuell den Monat August im Jahr 2009, und zumindest in der letzten Woche waren noch keine Umbauaktivitäten zu erkennen. Geplant sind ca. 300.000 Feriengäste pro Jahr, die den neuen Wellness-Turm besuchen sollen. Bei 365 Tagen im Jahr eine stolzes Ziel, denn über 800 Gäste pro Tag im Jahresmittel wünscht sich so manches weitaus größere Touristikzentrum.

Wenn Euch das Thema interessiert freue ich mich über Eure Kommentare, ich halte Euch gerne auf dem Laufenden!

Weitere Links zu dem Thema die ich Euch unbedingt empfehle, die ich aber nirgends im Text integrieren konnte:

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4 Gedanken zu „Zum Fernmeldeturm auf dem Hohen Bogen mit dem Rad

  1. Oliver D.

    Hallo Herr Neumeier,

    herzlichen Dank für diesen Artikel. Ich war im Winterurlaub in Lam und habe die Türme immer wieder gesehen, als ich unterwegs war. Auf mich haben diese Ungetüme eine “magische Anziehung” ausgeübt. Gerne wäre ich mal hingefahren, einige Ortsansäßige rieten mir jedoch davon ab, weil es im speziell im Winter unmöglich sein soll, dort hoch zu kommen.

    Ich denke, dass ich in Zukunft noch öfter meinen Urlaub dort unten verbringen werde, sodass ich hoffentlich mal Gelegnheit haben werde, mir die Türme anzusehen.

    Viele Grüße aus Düsseldorf,

    Oliver D.

  2. Felix

    Ich war im Sommer 2010 droben. wir sind mit der Sesselbahn rauf gefahn.
    Wirklich cool, die Türme

  3. Janker

    Hallo ich bin von Runding und mir geht es ähnlich, ich finde die Türme einfach wahnsinnig anziehend und sehr interessant. Dies hier ist ein wirklich toller Beitrag und würde mich freuen mehr davon zu hören.

    Grüße

  4. Pingback: Russische Luftfahrtvideos - Seite 49

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