Das Nürnberger Volksbad im freien (Ver)fall

Volksbad Nürnberg im Oktober 2013
Eintrittspreise Anfang der 90er Jahre

Wir schreiben den 27. Oktober 2013, ein beschaulicher und arschkalter Sonntag und zugleich der letzte Tag des Jahres, in dem das Volksbad in Nürnberg von der Allgemeinheit besichtigt werden kann. Der Nürnberger Verein “Geschichte für Alle e.V.” gestattet für eine Einmalzahlung von 7 Euro dem gemeinen Volk einen 90-minütigen Eintritt ins eigentlich geschlossene Nürnberger Volksbad.
Conny und ich, eingefleischte Fans verlassener Orte, haben uns diesen Termin nicht entgehen lassen und standen um 14 Uhr parat, um den Nürnberger Geschichtsverein mit 14 Euro zu unterstützen, um damit einen Eindruck des Nürnberger Volksbades zu gewinnen.

Volksbad Nürnberg im Oktober 2013
Treppenaufgang zu den Kabinen

Das Erstaunen war groß, als sich die Empfangshalle nach und nach mit immer mehr Menschen füllte. Unmittelbar vor Beginn der Führung drängelten sich gut 150 Interessierte in der Halle, um genau wie wir mehr über das Volksbad zu erfahren. Darunter auch einige alteingesessene Nürnberger, die nach knapp 20 Jahren noch einen (vielleicht letzten) Blick in die geschichtsträchtige Badeanstalt werfen wollten. Viele von Ihnen kennen das Volksbad noch von früheren Schulausflügen, Schwimmkursen oder sonntäglichen Vergnügungsausflügen. Bereits beim Betreten des Gebäudes umschließt jeden Besucher die typische Aura eines Lost Place und die Jetztzeit wird von einer respekteinflößenden Morbidität verdrängt.

Volksbad Nürnberg im Oktober 2013
Große Schwimmhalle

Infos zur Geschichte und den historischen Hintergründen des Nürnberger Volksbades findet Ihr übrigens hier. Ich beschäftige mich heute alleinig mit den nicht messbaren Werten dieser Besichtigung und lasse die Fakten bewußt bei Seite.
Um es kurz und knapp auszudrücken: Das Nürnberger Volksbad liegt architektonisch und bauphysisch in den letzten Zügen! Die komplette Liegenschaft wird nicht mehr gepflegt, die Anlagen werden nicht mehr gewartet, lediglich das Liegenschaftsamt der Stadt Nürnberg dreht regelmäßig seine Runden und sieht nach, ob noch ein Stein auf dem anderen steht. Alle angestrebten Nutzungspläne der letzten 20 Jahre sind im Sande verlaufen, und auch das letzte Aufbäumen in Form eines interessierten Ölscheichs liegt bereits gut 3 Jahre zurück. Die Idee, aus dem Nürnberger Volksbad ein arabisches Museum zu machen, ist an nicht überlieferten Hürden gescheitert.

Volksbad Nürnberg im Oktober 2013
Schnöder 70er-Jahre High-Tech

Jetzt dümpelt das Volksbad vor sich hin, die Substanz wird täglich schlechter, die ersten Dächer sind mittlerweile so undicht dass bei anhaltendem Regen das Wasser im Gebäude steht und an eine sinnvolle zukünftige Nutzung ist eigentlich nicht mehr zu denken. So ist das Nürnberger Volksbad in meinen Augen der Stadt ein großer Klotz am Bein, auch wenn das von offizieller Seite nie jemand zugeben würde. Traditions- und geschichtsbewußt wie sich die Stadt Nürnberg gibt, wird vom Volksbad geschwärmt und in Erinnerungen geschwelgt, obwohl das ausschweifende Gelände direkt hinter dem Nürnberger Plärrer nicht mehr als ein großes Geldgrab ist.

Volksbad Nürnberg im Oktober 2013
Deckenkonstruktion einer der Hallen

Meine bescheidene Meinung: Mit dem Volksbad wird nicht mehr viel passieren. Kein Investor dieser Welt würde dieses Objekt geschenkt haben wollen, geschweige denn Geld dafür bezahlen. Ein Grund dafür ist unter anderem der Denkmalschutz, der dem Volksbad nach wie vor einige Auflagen aufgebürdet hat. Eine Instandsetzung ist nur unter Einhaltung diverser Regularien möglich, die alle eines gemeinsam haben: Sie kosten Geld, und zwar viel Geld. Mit 10, 20 oder 30 Millionen Euro ist bei diesem Vorhaben quasi noch nichts Nennenswertes umgesetzt.

Volksbad Nürnberg im Oktober 2013
Durchdachtes Beleuchtungskonzept

Was bleibt, sind die Erinnerungen, die der Verein Geschichte für Alle e.V. mit einem wirklich interessanten Vortrag und vielen schriftlichen und fotografischen Nachweisen aufrechterhält. Dem Mob bleibt nur die Möglichkeit, bei einem Besuch den Fotoapparat zu zücken, und das zu dokumentieren, was momentan noch vorhanden ist. Unter diesem Gesichtspunkt haben auch wir unseren Besuch betrachtet, und so gut es ging einige Schnappschüsse mit nach Hause genommen. Leider war es gar nicht so einfach, aussagekräftige Fotos zu bekommen, da noch geschätzt 100 andere Besucher die gleiche Idee hatten, und die interessantesten Fotospots meist gleich belegt waren. Ein paar Bilder fürs Album – ohne jeglichen professionellen Anspruch – sind trotzdem dabei herausgekommen.

Volksbad Nürnberg im Oktober 2013
Die Schlüsselkästen

Um zumindest einen Bruchteil der immer noch laufenden Kosten zu tragen (die Mitarbeiter des Liegenschaftsamtes leben ja auch nicht von Luft und Liebe), kann das Volksbad von Jedermann angemietet werden. Meistens wird dies für Foto- oder Filmaufnahmen genutzt. Die noch vorhandene Substanz wird dadurch nicht geschont, da oftmals Kamerastative in die Wände gedübelt werden, bzw. wilde Konstruktionen mit Wänden und Fliesen verschraubt werden. Würde die Stadt Nürnberg ernsthaft über eine Restaurierung nachdenken, hätte man diesem Treiben sicherlich längst Einhalt geboten.

Volksbad Nürnberg im Oktober 2013
Foyer im Volksbad Nürnberg

Fazit: Die an der Kasse abgegebenen 14 Euro waren eine gute Investition. Zum Einen gehört der Verein Geschichte für Alle e.V. definitiv zu den förderungswürdigen Institutionen in Nürnberg, zum anderen war es sehr interessant zu sehen, in welchem Zustand sich das Volksbad aktuell befindet. 2014 sind sicherlich wieder einige Sonntage im Sommer, in denen das Volksbad für die Allgemeinheit öffnet. Infos zu den Führungsterminen findet Ihr auf der Internetseite des Fördervereins Volksbad. Wenn Ihr Zeit habt und in der Nähe seid, schaut es Euch an!

Übrigens: Der Michel Birnbacher (ich kenne ihn nicht, sondern habe seine Seite nur beim Googlen gefunden), hat die Möglichkeit der Anmietung genutzt und ebenfalls einige Fotos gemacht. Die sind schwarz-weiß, um Welten anspruchsvoller als die Knipsbilder von mir und Conny, und er hatte nicht 150 andere Leute um sich rum, die ständig im Bild herumstanden. 😉

Das Nürnberger Volksbad im freien (Ver)fall
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2 Gedanken zu „Das Nürnberger Volksbad im freien (Ver)fall

  • 19. Februar 2015 um 15:11
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    Es wird viel Geld in Unsinniges Investiert, und es ist eine Schande ein so schönes Bad verfallen zu lassen. Nürnberg braucht was repräsantives und nicht immer nur München. Also auf gehts Wasser in die Becken.

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