Ein Streifzug durch die Horror-Movie Genres

Heute kommt ein Beitrag über den ich schon recht lange schreiben will, aber nie wirklich wußte, welchen Einstieg ich wählen soll, oder wie ich am Ende des Artikels irgendwie die Kurve kriege, ein passendes Ende zu verfassen. Das weiß ich heute immer noch nicht, aber mittlerweile ist der Wille des Niederschreibens so groß, dass Ihr heute dran glauben müsst.
Gleich vorweg. Wem “Psycho” seinerzeit schon grenzwertig erschien und wer bei “The Hills have eyes” zusammengezuckt hat, der möge bitte diesen Beitrag hier auslassen, sich zurücklehnen, und gegebenenfalls meinen nächsten geistigen Erguß lesen. Hier wird es im Verlaufe dieser Zeilen ziemlich “Explicit” werden, wie der geneigte US-Amerikaner zu sagen pflegt.

Stellt sich eingangs erst einmal die Frage, wie man eigentlich guten Horror definiert. Genres gibt es derer unzählige, die Japaner pflegen hier einen ganz anderen Stil als die Amerikaner, die Europäer wiederum gehen einen noch anderen Weg, sind jedoch oft gebeutelt von EU-Einschränkungen und nicht zuletzt der unsäglichen FSK, die Film-Spaßbremse der Deutschen. Horrorfans wissen wovon ich rede, was in Deutschland verboten und in Großbritannien mit eineinhalb verschlossenen Augen noch geduldet wird, ist in Österreich noch in ungeschnittener Version ab 18 zu kaufen. In Japan werden ähnliche Filme an 6-jährige verteilt.
FSK-Einstufungen in Deutschland sind bekanntermaßen nach Altersangaben gestaffelt und bewegen sich zwischen 0, 6, 12, 16 und 18 Jahren. Alle Filme die hier keine Einstufung finden, landen auf dem sogenannten Index. Der Indizierung überstellt ist die Beschlagnahmung von Filmen.

Bei der Indizierung geht es hauptsächlich darum, den Film nicht so mir nichts dir nichts in die Hände von Jugendlichen kommen zu lassen, Stichwort “Jugendgefährdend”. Indizierte Filme kann man trotzdem normal im Laden kaufen, jedoch nur in der Jugend nicht frei zugänglichen Bereichen. Bei der Beschlagnahmung sieht das Ganze schon etwas anders aus, hier ist nämlich sogar schon der reine Besitz des Filmes strafbar. Natürlich gibt es von diesen Filmen meist mehrere Versionen, viele davon fallen unter grausamsten Umständen dem Schnitt zum Opfer und schaffen es damit oftmals, trotzdem noch verkauft werden zu dürfen. Zwar versteht man den Plot des Filmes nicht mehr, weil zwischendrin eine halbe Stunde fehlt, aber Hauptsache man kann sagen: “Ich hab Hostel 2 im DVD-Regal stehen!”. Eben genannter Film von Regisseur Eli Roth ist in seiner ungekürzten Form in Deutschland nämlich nicht nur auf der Indizierungs- sondern auf der Beschlagnahmungsliste! Auf Selbiger steht übrigens auch Halloween II. 😀

Ach ja, eventuell merkt ihr an dieser Stelle schon wieso ich mich so lange davor gescheut habe, diesen Artikel zu schreiben. Eigentlich wollte ich gleich mit den Filmen loslegen, und nach mehr als 400 Wörtern hänge ich immer noch in der Indizierungs-/Beschlagnahmungs-/Beschneidungs-Einleitung…

The Fog

Gerade jetzt, beim Schreiben dieser Zeile, überlege ich, mit welchem Film eigentlich meine Horror-Begeisterung so richtig anfing. Unvergessen ist für mich immer noch die Jamie Lee Curtis Originalversion von “The Fog – Nebel des Grauens“, den ich im zarten Alter von 7 Jahren Nachts im TV gesehen habe. Und zwar nicht im heimischen Wohnzimmer, sondern ganz alleine im Haus von Onkel und Tante, die an diesem Abend beide nicht zu Hause waren. Ich hatte noch Jahre später Nachts Alpträume vom Mörder, der auf dem Fischerboot der kompletten Besatzung mit seiner Sichel den Kopf abgeschnitten hat. 😀 Mittlerweile mag ich den Film wieder gerne sehen, jedoch schafft es The Fog heute noch, mir eine unglaubliche Gänsehaut zu bescheren. Obwohl wir hier noch lange nicht von harten Horrorfilmen reden, hat es John Carpenter seinerzeit stets geschafft, den Zuseher geschickt in Aufruhr zu versetzen.

Die amerikanische Phase

Ich denke dass jeder Horrorfan seine amerikanische Phase hatte. Diese typischen US-Horrorfilme, die allesamt nach dem gleichen Muster ablaufen. Eine Gruppe von Personen trifft sich, um an einen für alle Beteiligten unbekannten Urlaubsort zu fahren. Dieser befindet sich zumeist fernab der Zivilisation, schon während der Fahrt oder spätestenss kurz nach der Ankunft am Feriendomizil passiert Unerklärliches. Nach und nach sterben 80-90% der Protagonisten, die übrigen 10-20% können sich entweder retten und der Film ist aus, oder sie schaffen es noch, Rache an den Peinigern zu üben und dann ist der Film aus. So passiert und gesehen bspw. in Texas Chainsaw Massacre, Sorority House Massacree 2, Düstere Legenden, Hitcher, Joyride, Jeepers Creepers, The Hole, Funny Games U.S., etc. Ich bin jetzt zu faul nach unten zum DVD-Regal zu laufen, sonst könnte ich noch 20 weitere Filme dieser Art aufzählen.
Irgendwann ist es dann so weit dass dieses Genre zwar zwischendrin gerne genommen, aber unterm Strich einfach zu vorhersehbar und langweilig wird.

Was gibts in Europa?

Genau diese Frage habe ich mir seinerzeit gestellt, und mal einen Blick auf die europäischen Horrorfilme geworfen. Dabei habe ich festgestellt dass die Franzosen teilweise echt gute Filme machen, und auch die spanischen Horror-Regisseure wissen, wie man Spannung aufbaut oder auch nur unterhaltsam splattert. Schmankerl des europäischen Mainstream-Horrors sind beispielsweise “High Tension“, “Frontier(s), “Martyrs oder “Inside. Letzterer hat es auch auf die Beschlagnahmungsliste in Deutschland geschafft, ohne dass ich ihn vorher sehen konnte.

Die Spanier wiederum glänzen mit Filmen wie “King of the Hill – El Rey de la Montana” oder dem mittelmäßigen aber zugleich verstörendem “H6 – Tagebuch eines Serienkillers”. Letzterer ist mir nach Jahren noch in Erinnerung, da sämtliche Folter- und Mordszenen komplett ausgeblendet sind. Nach dem Festbinden der Opfer auf dem Seziertisch – Schnitt – nächste Einstellung Putzen der blutbespritzen weißen Kacheln des Raumes. D.h. 90% aller expliziten Szenen spielen sich im Kopf des Zusehers ab, was den Film an sich wieder interessant macht.

Eli Roth

Vielleicht merkt Ihr es, ich versuche die Grausamkeits- und Ekelgrenze langsam nach oben gehen zu lassen. Wobei ich Filme wie “Frontier(s)” hinsichtlich der Brutalität, Absurdität und Ekelhaftigkeit schon fast mit Eli Roth Filmen gleichsetzen würde. Ihr kennt Eli Roth nicht? Aber Ihr kennt “Hostel“!  Selbiger war der 9. (!) Film von Eli Roth, und auch davor waren schon durchaus sehenswerte Splatter dabei. Mit Hostel gelang Eli Roth der Durchbruch, nicht zuletzt weil Quentin Tarantino einer der Mit-Produzenten war, und dem Film mehr oder weniger seinen Namen geliehen hat. Gott sei Dank wie ich finde, ist Hostel doch ein Horrorfilm ganz nach meinem persönlichen Geschmack. Jetzt hier die Handlung abzutippen wäre müßig, die könnt Ihr hundertfach im Netz nachlesen, oder ihr schaut den Film einfach an. Lieber möchte ich noch auf andere Produktionen von Eli Roth eingehen, die ebenfalls sehenswert sind. Da wären beispielsweise der durchaus sehenswerte Film “Cabin Fever” oder der von der New York Times als “schlechtester Film aller Zeiten” gekrönte “2001 Maniacs“.
Die Hostel Fortsetzung “Hostel 2”, ebenfalls von Eli Roth knüpft nahtlos an den ersten Teil an und schafft es auch in meine Horror Hall-of-Fame. Den Film in Deutschland ungeschnitten zu Gesicht zu bekommen wiederum ist schwierig, ich sage nur “Beschlagnahmungsliste”.

Torture Porn

Mit der Steigerung von US-College-Horror über europäische Regisseure und Eli Roth als US-Koriphäe sind wir zielsicher im Horror-Subgenre des Torture Porn gelandet. Selbiges hat nichts mit einem Pornofilm gemein, sondern wird laut Wikipedia folgendermaßen eingestuft:

“Merkmal des Torture-Porn-Films ist, dass Folter, explizite Gewaltdarstellungen, Erniedrigungen und Verstümmelungen nicht wie auch bei anderen Filmen am Rande der Handlung vorkommen, sondern diese weitgehend bestimmen.”

Hostel 2 zählt definitiv schon zum sogenannten Torture Porn. Ebenfalls dazu zählt übrigens auch der vorhin genannte “Martyrs“, der fast salonfähige “Saw” und sogar “Die Passion Christi“. Wer jetzt aber denkt dass Torture Porn die oberste Messlatte liegt, der täuscht. Es gibt tatsächlich noch Filme, die innerhalb der Grenzen der Gesetzmäßigkeit gezeigt werden dürfen, die einem noch extremer einzuordnendem Genre angehören. Die Rede ist von…

Mondo

Das Genre “Mondo” (ital.: die Welt) bezeichnet Filme, die im Stil eines Dokumentarfilms gedreht werden, und den Anschein erregen sollen, dass Sie real sind. Die Wurzeln des Horror-Mondo-Films liegen in Italien, vor allem die Regisseure Umberto Lenzi  und Ruggero Deodato waren Meister dieses Genres (und füllen übrigens mit Ihren Werken auch die deutsche Film-Beschlagnahmungsliste). 😉
Ein richtig fieser Streifen von Ruggero Deodato ist “Nacht und zerfleischt (Cannibal Holocaust)“. Der Regisseur hatte sich nach der Veröffentlichung des Filmes sogar wegen einer umstrittenen Szene vor Gericht zu verantworten. Angeblich solle Deodato für eine Szene eine Frau gepfählt haben (also nicht im Film, sondern echt!). Diese Anschuldigung konnte seinerzeit wiederlegt werden, zeugt aber vom Realismus dieses Films. Nachteil heute: Keine einzige Version von Nackt und zerfleischt ist in Deutschland käuflich zu erwerben bzw. anderweitig zu beschaffen.

Ein Klassiker des Mondo-Genres der nicht ungenannt bleiben sollte ist “Die Rache der Kannibalen” von Umberto Lenzi. “Cannibal Ferox” wie der Film im Original heißt, ist nach wie vor in 31 Ländern der Erde verboten und wirbt damit, der „gewalttätigste Film der jemals gedreht wurde“ zu sein.

Snuff

Zum Schluß meines kleinen Ausflugs in die Welt der Horrorfilme sind die sogenannten Snuff-Movies zu nennen. Hier geht es um die filmische Aufzeichnung eines oder mehrerer Morde zur Unterhaltung der Zuschauer. Die unbedarften Leser mögen diese Definition bitte nicht mit dem sonntäglichen Tatort verwechseln. Bei Snuff Filmen geschieht der Mord der gefilmten Person einzig und allein aus dem Grund, den Mord zu filmen. Seit Jahrzehnten kursieren Gerüchte darüber, ob es reale “Snuff-Movies” gibt. Hier will ich nicht näher darauf eingehen, da es hier ausschließlich um -gestellte- Horrorfilme dieses Genres gehen soll. Wer mehr über die Urban Legend “Snuff” erfahren will, findet seinen Einstieg ebenfalls bei Wikipedia. Dort findet Ihr außerdem eine Liste mit verschiedensten Filmen zum Thema “Snuff”. Wer jetzt mit erhobenem Zeigefinger vor dem Bildschirm sitzt, dem möge gesagt sein dass selbst “Saw” oder ein “Donna Leon” Krimi das Snuff-Genre bedient.

Der bekannteste Hollywood Blockbuster ist hier sicher “8mm” mit Nicolas Cage. Ebenfalls für einen kurzweiligen Abend sorgen “Running Scared“, “Tesis“, “Motel” oder “Machete“. Sehr kontrovers diskutiert und von mir nicht gesehen ist der Streifen “A Serbian Film“. Sollte jemand von Euch Lesern diesen Film schon gesehen haben, freue ich mich über objektive Meinungen.

Fazit

Das Horror-Filmgenre ist unglaublich groß und für den Gelegenheitskonsumenten fast nicht überschaubar. Ich wollte Euch mit diesem – zugegebenermaßen unglaublichen langen – Text einen kleinen Einblick in das Horrorgenre geben. Recht viel besser weiß ich hier auch nicht Bescheid. Natürlich habe ich etwa die 20-fache Menge an Horrorfilmen gesehen als hier genannt wurden, herausgepickt habe ich die, die mir selbst nach Jahren noch im Gedächtnis geblieben sind – im Normalfall ja ein Indiz dafür dass der Filmstoff gewirkt hat.

Es würde mich freuen wenn ihr auf meine Empfehlung hin den ein oder anderen Film einmal ausleiht, kauft oder einfach anschaut. Über Eure Kommentare hier im Blog freue ich mir natürlich auch wieder jedes Mal ein Loch in den Bauch. Also, schreibt drauf los, ich antworte ganz sicher! 🙂

Nachtrag: Wenn die so oft von mir angesprochene Beschlagnahmungsliste von Filmen interessiert, auf Wikipedia gibt es auch einen Auszug von beschlagnahmten (Horror)Filmen. Die Liste ist komplett, also auch mit Filmen bei denen ggf. der Beschlagnahmungsbeschluß schon wieder aufgehoben wurde.

 

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