Walter Röhrl in Monte Carlo entthront

Loeb - Monte Carlo 2008

Als am letzten Wochenende zum 76. Mal die Rallye Monte Carlo startete, war Sebastian Loeb noch 3 Stunden 39 Minuten und 17 Sekunden reine Fahrzeit vom Monte-Rekord entfernt. Bis jetzt gab es vier Rallyefahrer, die sich die Krone in Monte Carlo geteilt haben: Sebastian Loeb (2003, 2004, 2005, 2007), der Finne Tommi Mäkinen, Sandro Munari aus Italien und Walter Röhrl (1980, 1982, 1983 und 1984). Nur Röhrl hat den Triumpf auf vier verschiedenen Fahrzeugen geschafft. Walter Röhrl, mit der Aussage konfrontiert, daß er nun nicht mehr der “Beste” auf der Monte sei erwiderte in seiner gewohnten Art:

“Das juckt mich überhaupt nicht. Um meine Zeiten bei den Sonderprüfungen zusammen zu bekommen, müsste Loeb diese Rallye schon zehn Mal gewinnen.”

Loeb gewann die diesjährige Ausgabe des Traditionsrennens mit 2:34,4 Minuten vor dem Zweitplatzierten Finnen Mikko Hirvonen. Er steuert somit – sofern man das nach einem Rennen schon behaupten kann – geradewegs auf WRC WM-Titel Nummer 5 zu. Bereits in den letzten 4 Jahren war Loeb die unangefochtene Nummer 1 im internationalen Rallyezirkus.
Nur wie kann man diese “andere Liga” im Rallyesport mit den Leistungen der berühmten Gruppe B vergleichen? Ein Walter Röhrl würde beim heutigen technischen Entwicklungsstand der Fahrzeuge wahrscheinlich keinen aktuellen Rallyewagen mehr besteigen, geschweige denn in einer WRC-Saison mitkämpfen.

Walter Röhrl - Monte Carlo

In der legendären Turbo-Ära Anfang der 80er Jahre lag der Level noch ganz woanders. Keine stoisch vorbeiziehenden Boliden, die zu 95% von den diversen technischen Raffinessen der Fahrzeuge auf dem Kurs gehalten werden, damals war das Halten der Linie noch echte Schwerstarbeit. Antiblockiersystem, Schlupfregelung, sequentielle Getriebe und Servolenkung hielten damals noch lange nicht Einzug im Rallyesport, dort wurde noch wirklich geschuftet.
Unvergessene Szenen, als es in der Rallye-WM noch Nachtprüfungen gab. Die Zusatzprüfung Monaco-Monaco, auch “Die Nacht der langen Messer” genannt war bei den damaligen Gruppe-B Fahrern eines der Saisonhighlights. “Damals konnten noch 15 Fahrer ein Rennen gewinnen, heute ist es nur noch einer”, so Röhrl, der damit zum einen auf die Überlegenheit von Sebastian Loeb, und zum anderen auf den technischen Gleichstand der Fahrzeuge anspielt.

Früher galt ein Sieg bei der “Monte” mehr als das Gewinnen der Rallye-WM. Heute ist die Rallye Monte-Carlo ein Saisonrennen wie jedes andere. Die wirklich interessanten Vergleichsfahrten laufen mittlerweile fernab vom Medienrummel in historischen Rallyes. Schade eigentlich.

Walter Röhrl in Monte Carlo entthront
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