Mein Gott Walter!

Wenn ich eine Motorsportveranstaltung im Rundfunk verfolge, passiert es mir des Öfteren, dass ich darüber nachdenke, welchem Motorsportler ich eine Vorbildfunktion zuschreibe, und wen ich persönlich als Vorbild sehe. Tatsächlich kommt mein sportliches Vorbild aus dem Bereich des Auto-Motorsports, obwohl ich weder eine entsprechende Karriere eingeschlagen habe, und sich mein motorsportliches Können weitestgehend im Rahmen dessen bewegt, was man dem öffentlichen Straßenverkehr noch zumuten kann. Gestern bin ich auf eine bwin Kampagne Sportler und Sportlerinnen als Vorbilder aufmerksam geworden, was dazu führte dass ich die nächsten 3 Stunden in den Memoiren meines ewigen sportlichen Vorbilds versunken bin.

Foto: Christian Klar Photoart | Audi Forum Ingolstadt
Foto: Christian Klar Photoart | Audi Forum Ingolstadt

Die Überschrift hat es bestimmt sowieso schon verraten: Es gibt nicht viele Sportler zu denen ich ehrfürchtig aufsehe, ganz weit oben auf der Liste aber steht kein Geringerer als Walter Röhrl! Wenn ich jetzt anfangen würde, über die sportlichen Erfolge des Walter Röhrl zu berichten, wäre ich morgen noch nicht fertig. Seine Geschichten würden eine ganze Internetseite füllen – es gibt ja bereits genügend Bücher, DVDs und Videos über seinen sportlichen Werdegang und seine überragenden Leistungen.

Daher habe ich mir selbst einmal die Frage gestellt: Was ist am Walter so besonders?

Zweifellos ist der Walter der beste Rallyefahrer aller Zeiten, das beweist sogar eine eigens dafür geschaffene Auszeichnung. Dazu hat sich eine Jury von 100 namhaften Motorsportexperten versammelt, und fleissig Punkte vergeben. Walter landete auf Position 1 mit 81 Punkten – gefolgt von Juha Kankkunen auf Platz 2 mit 60 Punkten. Wenn man sich verinnerlicht dass kein Geringerer als Stig Blomqvist auf Platz 15 rangiert und sich ein Ari Vatanen auf Platz 11 eingefunden hat, der kann die Einzigartigkeit und Ehre dieser Auszeichnung im Ansatz nachvollziehen.
Ach, und dann war da noch eine weitere Auszeichnung mit dem Namen Rallyefahrer des Milleniums – auf Platz 1: Walter Röhrl!

Die positiven Eigenschaften, die für mich einen Sportler zum Vorbild machen: Bodenständigkeit, Ehrlichkeit, Teamplay, unbändiger Kampfgeist und Siegeswille, und nicht zuletzt die ehrlich gelebte Nähe zu seinen Fans. All das verkörpert der Walter seit jeher.

Wer erinnert sich nicht mehr an den berühmten Reifentest vom 21. Dezember 1979, quasi die Einstimmung auf Walters ersten Sieg bei der Rallye Monte Carlo, der sich folgendermaßen zugetragen hat:

Die Story von meinem ersten Monte-Sieg begann am 21. Dezember 1979, als mir Fiat-Rennleiter Daniele Audetto eröffnete: “Wir probieren morgen die neuen Reifen aus.” Ich hatte aber mit meinen Teamkollegen Björn Waldegaard und Markku Alén schon längst ausgemacht, dass wir alle ab dem 22. in den Weihnachtsurlaub gehen. Daraufhin sagte ich: Ob Reifentest oder nicht – ich fahre heim. Die anderen sind alle umgefallen.

Dann habe ich mich zu einer größenwahnsinnigen Aussage verstiegen: ‘Ob ich die Reifen kenn‘ oder nicht: Bei der Rallye geb’ ich euch zehn Minuten mit.’ Das war eine Ansage. Ein bisschen bin ich vor mir selber erschrocken. Dann kam die erste Sonderprüfung der Rallye, der Rundkurs auf Eis in Serre-Chevalier. Ich habe nicht mal den Rennoverall angezogen, sondern bin in der Jeans gefahren. Es lief gut, wir fuhren die Bestzeit. Ich sagte zu meinem Beifahrer Christian Geistdörfer: Wenn das so einfach geht, dann sollten wir uns vielleicht doch mal zusammenreißen. Das war der Schlüsselmoment. (Quelle)

Am Ende betrug Walters Vorsprung übrigens mehr als 10 Minuten! 😉

Solch unglaubliche Geschichten gibt es von Walter Röhrl Unzählige. Mit die Beeindruckenste war wohl der Husarenritt von Arganil im März 1980. Portugal, Nachtetappe, dichter Nebel. Wer die Story kennt, sollte bereits nach diesen 3 Stichworten wieder eine Gänsehaut haben. Allen anderen schildere ich die Ereignisse dieser Nacht demnächst gerne in einem eigenen Beitrag.

Kurzum: Als sportliches Vorbild kommt an den Walter Röhrl in meinen Augen weder ein Michael Schumacher, noch ein Ayrton Senna, Sebastian Vettel oder Valentino Rossi hin. Danke Walter für die unzähligen lustigen Geschichten, Gänsehautetappen und die vielen schlaflosen Nächte mit viereckigen Augen, in denen ich mich durch zahllose Youtube-Bewegtbilder aus der guten alten Zeit des Gruppe4 bzw. Gruppe-B Rallyesports klicken durfte!

Mein Gott Walter!
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